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SPENDEN: «Wasser ist mein Benzin»

Simon Infanger ist für einen guten Zweck bis ans Nordkap geradelt. Und musste dabei auch mal toten Elchen ausweichen.
Michael Graber
Simon Infanger aus Luzern war unterwegs, um Gutes zu tun. (Bild: PD)

Simon Infanger aus Luzern war unterwegs, um Gutes zu tun. (Bild: PD)

In den Ferien neigt der (junge) Mensch zum Exzess. Sei es am Ballermann-Strand mit Alkohol, sei es bei der Suche nach der totalen Abgeschiedenheit oder eben mit immer wahnsinnigeren sportlichen Leistungen. Simon Infanger hat sich für letzteres entschieden. Mit dem Velo ist er von Luzern bis ans Nordkap gefahren. Das sind etwas über 5000 Kilometer – zum Vergleich: Die Gesamtstrecke der Tour de France war in diesem Jahr 2000 Kilometer weniger lang (dafür deutlich hügliger, sei der Fairness halber hier vermerkt).

Für die gesamte Strecke benötigte der 26-jährige Luzerner 28 Tage oder 207 Stunden reine Fahrzeit – das ergibt einen Durchschnitt von rund 24 Kilometer pro Stunde, von Geniessen der Landschaft kann also keine Rede sein. Oder doch? «Das Velo hat den Vorteil, dass man jederzeit eine Pause machen und die Landschaft betrachten kann», sagt Infanger am Telefon. Noch immer ist er im hohem Norden und wartet auf den Flieger, der ihn wieder in die Heimat zurückbringt.

Plötzlich ist die Strasse fertig

Es sei faszinierend gewesen, als er am Nordkap ankam, sagt Infanger: «Ich war ab Luzern immer auf einer Strasse und hier ist sie plötzlich fertig, zu Ende.» Sechs Länder hat er durchfahren, teilweise bis zu 200 Kilometer pro Tag. Alles nach strengem Plan: Infanger hat sich per Kurierdienst jeweils sein Gepäck in das nächste Hotel schicken lassen, damit er nicht so viel schleppen musste auf seinem Rennvelo. «Das half auch bei der Motivation», so der Luzerner. «Ich wusste: Schaffe ich es nicht ins Hotel, so wird alles unheimlich mühsam mit umorganisieren.» Lieber wäre er 200 Kilometer «gekrochen» als seine minutiöse Planung über den Haufen zu werfen.

Das klingt alles streng, nicht nach Spass. Und trotzdem: Simon Infanger hat für dieses Projekt eigentlich seine kompletten Ferien hingegeben. Er arbeitet bei einem Kleidungshersteller, der ihn aber weder sponsert noch materiell unterstützt. Wieso also diese Strapazen? «Ich war schon immer ein sportlicher Typ, der die Herausforderung sucht», sagt Infanger. Bei einer Studienreise nach Finnland habe ihn die Landschaft fasziniert und da sei die Idee der Veloreise gewachsen.

Einfach so wollte er sich aber nicht auf den Weg machen. «Ich spürte: Mit so etwas kann man vermitteln, kann man Leute auch anspornen.» Also suchte er nach einem Zweck für seine Reise. Fündig wurde er bei Viva con Agua (siehe Box), einem deutschen Hilfswerk mit Ableger in Luzern, das sich für frisches Trinkwasser in Entwicklungsländern einsetzt.

«Oft in der Pampa»

Per Internet suchte er Spender und versucht für das Thema zu sensibilisieren. «Irgendwann habe ich gemerkt, dass Wasser ja sozusagen mein Benzin ist.» Anders als in der Schweiz könne man nicht einfach überall anhalten und trinken, sondern sauberes Wasser sei ein wichtiger Rohstoff. Auch auf seiner Reise sei er oft «in der Pampa» gewesen – ohne Brunnen und ohne Läden, wo er sein «Benzin» nachtanken konnte.

Dafür musste er schon mal toten Elchen ausweichen, die im Strassengraben lagen, oder erfuhr so einiges über den Respekt, den Radfahrer entgegengebracht wird. «In Deutschland war das eine einzige Katastrophe, da wurde extrem gefährlich überholt. In Schweden dagegen warteten die Autofahrer teilweise fast einen Kilometer hinter mir, bis die Strecke frei war.»

Als er selber mal frei hatte – insgesamt gab es vier Ruhetage – hat er sogar noch an einer finnischen Uni ein Seminar abgehalten. Thema: Wasser und natürlich seine Reise. «Als ich mit meiner Uni schon mal hier war, hat der Professor gesagt, falls ich noch einmal komme, hältst du ein Seminar.» Gesagt, erledigt und weiter gings.

Das Bier bleibt zu

Insgesamt acht Pannen – jedes Mal ein platter Reifen – warfen ihn zurück, obwohl das natürlich einkalkuliert war. «Ich hatte jeden Tag Material für zwei Pannen dabei – das reichte nicht immer: An einem Tag hatte ich sogar drei.» Insgesamt aber weniger als eigentlich berechnet: Eigentlich hatte er mit doppelt so vielen Platten auf den 5000 Kilometern gerechnet.

Für all die Mühe kamen doch immerhin bereits 2000 Franken Spendengelder zusammen, noch etwas dürfte es schon werden, sagt Infanger. Aber braucht es wirklich immer Leistung, damit andere dazu bewegt werden, etwas Gutes zu tun. Infanger überlegt: «Ich weiss es nicht. Vielleicht schon. Mein Ziel war es aber auch, mich selber zu motivieren. So wie ich hoffe, andere zu motivieren.» Sei es zum Spenden, oder sei es, um selber eine entsprechende Aktion zu machen. Übrigens: Seine Hotels (bis auf eine Ausnahme) und das Material bezahlt er selbst – dafür ging also kein Spendenfranken drauf.

Jetzt dann erstmals heimkommen. Darauf freue er sich schon, sagt Infanger. Auf seine Freunde und Bekannten, die ihm über soziale Netzwerke und Mails immer wieder Mut gemacht haben, wenn die Beine schwer wurden. Und natürlich auf Luzern – «halt einfach eine wunderschöne Stadt». Am Montag, also heute, geht es aber schon wieder ins Büro. Gleich in neuer Funktion und mit Verantwortung für einen neuen Mitarbeiter. «Darum war meine Tour ja auch so gut. Wäre ich in den Strandferien gewesen, hätte ich alle fünf Minuten auf das Handy geschaut, um zu schauen, wie es im Geschäft so läuft.» Er habe beim Gasgeben ganz gut abschalten können. Geistig sei er prima erholt. Körperlich hingegen nicht so ganz. Ein Beispiel gefällig: Am Ende seiner Tour hat er sich ein alkoholfreies Bier gekauft, um mit sich selber auf seine Leistung anzustossen. Doch die Müdigkeit war zu gross, die Flasche blieb ungeöffnet. Bis heute.

Von Fussballprofi gegründet

Viva con Agua kennt fast jeder Musikfan – ganz einfach, weil das Hilfswerk auf zahlreichen Festivals präsent ist. Anstatt den Becher zurückzugeben und so das Depot zurückzuerhalten, kann man das Leergut in einer Tonne platzieren und so das Depot spenden. Mit dem gesammelten Geld setzt sich der Verein dafür ein, die Trinkwasserversorgung und Verfügbarkeit sanitärer Anlagen in Entwicklungsländern zu verbessern. Gegründet wurde Viva con Agua in Hamburg vom ehemaligen St.-Pauli-Fussballprofi Benjamin Adrion im Jahr 2005. Mittlerweile hat sich das Netzwerk aber stark vergrössert, und es wurden bereits über 2 Millionen Franken gesammelt.

Originelle Aktionen

Oft macht Viva con Agua mit originellen Aktionen auf sich aufmerksam, um so mehr Spendengeld sammeln zu können. So wie jene von Simon Infanger (siehe Haupttext). Dazu kommt eine grosse Präsenz in sozialen Netzwerken. So hat auch Simon Infanger seine Aktion mit einem entsprechenden Facebook-Profil und einem Blog abgerundet (www.project5000.ch).

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