Spezielle Ausnüchterungszellen vom Tisch

Zu teuer und zu wenig Betrieb: Die Luzerner Regierung will keine speziellen Ausnüchterungszellen einführen. Die Betrunkenen sollen ihren Rausch wenn medizinisch vertretbar in einer der bestehenden Zellen ausschlafen.

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Die pinkfarbene Zelle der Luzerner Polizei: Erfahrungen bestätigen das Beruhigungspotenzial dieser Farbe. (Bild: Eveline Beerkicher/Neue LZ)

Die pinkfarbene Zelle der Luzerner Polizei: Erfahrungen bestätigen das Beruhigungspotenzial dieser Farbe. (Bild: Eveline Beerkicher/Neue LZ)

Auf einen Vorstoss von Kantonsrat Lathan Suntharalingam hin hat der Regierungsrat die Einrichtung von Ausnüchterungszellen sowie die Optimierung der bestehenden Einrichtungen prüfen lassen.

Im Gebäude des Luzerner Polizeikommandos stehen aktuell bereits vier Zellen zur Verfügung, die sich laut Mitteilung des Regierungsrates vom Mittwoch für die Ausnüchterung eignen. Schwierig gestalte sich dabei aber jeweils die Abklärung, ob eine Person die Haft medizinisch und psychisch überhaupt antreten kann. Deshalb müsse jeweils ein Arzt zur Abklärung beigezogen werden. Bei medizinischen Notfällen muss die betreffende Person auf die chirurgische Notfallstation des Luzerner Kantonsspitals verlegt werden. Dort können Betrunkene aber zusätzlichen Stress verursachen und für Unruhe sorgen.

Zu teuer und zu wenig Betrieb

Seit 2010 betreibt die Stadt Zürich eine zentrale Ausnüchterungsstelle mit zwölf Zellen. Eine Arbeitsgruppe hat diese im Auftrag des Luzerner Regierungsrats unter die Lupe genommen und kommt zum Schluss, dass sich spezielle Ausnüchterungszellen für Luzern nicht lohnen würden. Begründet wird dies mit den zu erwartenden Betriebskosten und der vergleichsweise tiefen Fallzahl (pro Wochenende durchschnittlich vier Fälle in der Stadt Luzern).

Zuweisungspraxis verbessern

Dafür sollen in Luzern die bestehenden Einrichtungen mit verbesserten Prozessen und eindeutiger Zuweisungspraxis genutzt werden. Betrunkene, die öffentliches Ärgernis erregen oder einen Straftatbestand erfüllen, sollen generell in einer der vier vorhandenen Zellen platziert werden. Bei einzelnen Anlässen wie Fasnacht oder Luzerner Fest prüfen die Luzerner Polizei und das Luzerner Kantonsspital die engere Zusammenarbeit für die medizinische Abklärung von Betrunkenen. Der Luzerner Regierungsrat hat zudem beschlossen, die Gebühr für Inanspruchnahme der Ausnüchterungszelle auf pauschal 300 Franken festzulegen.

pd/bep