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Spielsüchtiger Küssnachter Pfarrer muss gehen

Pfarrer Fleischmann sitzt auf einem hohen Schuldenberg. Um diesen abzutragen, hat er Angehörige der Pfarrei angepumpt. Nun ist er seinen Job los – und verfolgt die Fussball-WM live in Russland.
Roger Rüegger

Mehr als 20 Jahre hat der 47-jährige Pfarrer Werner Fleischmann in der Kirchgemeinde Küssnacht gewirkt. Die Leute schätzen ihn als volksverbundenen Mann. Nun ist er weg. «Seitens des Bistums wurde ihm die Demission gegenüber dem Diözesanbischof nahegelegt», teilte das Bistum Chur am Montag mit.

Grund: Der sportbegeisterte Pfarrer hat Schulden. Und um diese zu begleichen, hat er rund 50 Angehörige der Pfarrei Küssnacht um Darlehen in beträchtlicher Höhe angegangen, wie der Kirchenrat Küssnacht und das Bistum gestern mitteilten. Der Schuldenberg soll sich auf einige hunderttausend Franken aufgetürmt haben. «Angesichts der Schuldenhöhe fällt es schwer anzunehmen, dass eine Schuldensanierung noch möglich ist», heisst es weiter. Man habe die Problematik mit dem Pfarrer besprochen. Es sei nicht möglich gewesen, «von ihm die für die Klärung unabdingbare Offenlegung zu erreichen und die notwendige Übersicht betreffend seiner finanziellen Situation zu erhalten». Der Kirchrat geht davon aus, dass die Geldnöte des Pfarrers auf spekulative Geldanlagen mit grossen Verlusten und auf Spielschulden zurückzuführen sind. Angesichts dieser Vermutung meldete sich der Vorstand der Kirchgemeinde Küssnacht im Mai beim Bistum Chur und legte Hinweise für die Schulden des Pfarrers vor.

Bistum weiss seit 2011 Bescheid

Der Pfarrer war sich seiner Probleme längst bewusst und suchte schon vor Jahren Hilfe. Bereits im Juli 2011 offenbarte er dem Diözesanbischof, dass er Spielschulden habe. Der Fall wurde in der Folge seitens des Bistums bei einer Schuldenberatungsstelle abgeklärt und mehrfach im Bischofsrat beraten, wie das Bistum mitteilte. Da keine Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorlagen und die Schulden als sanierbar galten, wurde dem Pfarrer trotz des Vorgefallenen das Vertrauen geschenkt.

Neben einer Sperrverfügung für Casinos wurde für ihn eine fachpsychiatrische Abklärung sowie eine Schuldensanierung mit Hilfe eines Rechtsanwalts vollzogen. Die Begutachtung durch einen Fachpsychiater für Spielsuchtprobleme attestierte, dass der therapeutische Rahmen damals genügte und von einer guten Prognose ausgegangen werden könne.

Kirchgemeinde vom Bistum nicht informiert

Die Kirchgemeinde Küssnacht wurde weder vom Pfarrer noch vom Bistum informiert. Giuseppe Gracia, Medienbeauftragter des Bistums Chur, begründet dies so: «Auf Bitten des Pfarrers unterblieb eine Meldung an die Kirchgemeinde. Diese hätte laut Pfarrer mutmasslich die Kündigung des Arbeitsverhältnisses zur Folge gehabt, was eine Schuldensanierung im Interesse der Gläubiger verunmöglicht hätte.»

Der Bischofsrat habe vor der Wahl gestanden, die Selbstanzeige des Pfarrers mit der Amtsenthebung zu beantworten oder ihm das Vertrauen zu schenken. Er habe dem Bischof zu Letzterem geraten. Das Bistum unterstützte den Pfarrer indem ein Rechtsanwalt beauftragt wurde, eine Schuldensanierung bis 2018 durchzuführen. Auf die Frage, ob es im Nachhinein ein Fehler war, die Kirchgemeinde nicht über die Schulden und die Spielsucht des Pfarrers zu informieren, sagt Gracia: «Es ergaben sich für das Bistum in den Jahren 2012 bis 2018 keine Anhaltspunkte dafür, dass die Sanierung nicht ordnungsgemäss verläuft.»

Wie beurteilt die Kirchgemeinde Küssnacht die Nichtinformation seitens des Bistums? «Es wäre sicher gut gewesen, wenn der Kirchenrat damals informiert worden wäre. Wir wissen aber natürlich nicht, ob es an der jetzigen Situation etwas geändert hätte», erklärt Kirchenrätin Ruth Zumbach auf Anfrage. Dass der Pfarrer Angehörige der Pfarrei um Geld bat, habe aber sehr überrascht.

Trotz den Umständen stehen die Küssnachter hinter ihrem Pfarrer. Im Internet wurde gestern eine Petition für Werner Fleischmann gestartet. Ausserdem dankt ihm der Kirchenrat in der Mitteilung «für die unzähligen geleisteten guten Dienste und wünscht ihm viel Kraft, Zeit und die Begleitung, die es für die Aufarbeitung dieser Geschichte braucht». Das Bistum werde dafür sorgen, dass er die erforderliche Unterstützung erhalte.

Pfarrer nimmt Hilfe des Bischofs vorerst nicht an

Hilfe erfolgte bereits. Am letzten Donnerstag fuhr Bischof Huonder nach Küssnacht, um mit dem Pfarrer zu sprechen. Grazia: «In einem Gespräch versuchte er, den Pfarrer zu überzeugen, Hilfe anzunehmen. Diese bestand unter anderem darin, in eine für Spielsucht spezialisierte Klinik eintreten zu können.» Auch eine weitere Beratung in Schuldenfragen sei ihm angeboten worden. «Der Pfarrer hat es jedoch vorgezogen, die Angebote vorerst nicht anzunehmen», so Gracia. Statt dessen ist der als grosser Fussball-Fan bekannte Geistliche an die WM in Russland gereist.

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