Spitäler in Luzern, Wolhusen und Sursee stocken Corona-Betten auf

Um sich für den raschen und deutlichen Anstieg von Corona-Patienten zu rüsten, setzt das Luzerner Kantonsspital nun auch auf die Spitex und Samariter.

Evelyne Fischer
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«Wir haben jetzt die Chance, einzugreifen. Tun wir das nicht, haben wir in zwei Wochen norditalienische Verhältnisse.» Markige Worte prägten den Appell, den Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) am Freitag an die Bevölkerung richtete. Oberste Priorität: der Schutz der Gesundheit von Senioren, Kranken und Schwachen. Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen sowie Krebsbetroffenen werde «dringend abgeraten», sich um Minderjährige zu kümmern und an jeglichen Veranstaltungen teilzunehmen. Öffentliche Betriebe wie Restaurants oder Heime sollten gemieden, Busse und Züge nur für Arztbesuche oder den Einkauf benutzt werden.

Wirkung der Massnahmen zeigt sich in 10 bis 14 Tagen

«Der Regierungsrat ist sich bewusst, dass er einschneidende Massnahmen beschlossen hat», sagte Graf. «Aber so schaffen wir es vielleicht noch, die Epidemiekurve so weit abzuflachen, dass unsere Spitäler Corona-Kranke mit schweren und schwersten Verläufen retten können.» Auch Christos Pouskoulas, der stellvertretende Kantonsarzt, betonte: «Die Entwicklung in der Schweiz ist praktisch identisch mit jener in Italien. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in naher Zukunft eine sehr starke Zunahme von schweren Fälle beobachten.» Ob die Massnahmen greifen, wird sich in 10 bis 14 Tagen zeigen.

Eingang zur Isolierungsstation am Kantonsspital Luzern.

Eingang zur Isolierungsstation am Kantonsspital Luzern.

Bild: Patrick Hürlimann (5. März 2020)

Die Zahl der Corona-Fälle in der Zentralschweiz steigt laufend – entsprechend ergreifen auch die Spitäler weitere Massnahmen:

Spitäler schränken Patienten-Besuche stark ein

Die Verbreitung des Corona-Virus in der Zentralschweiz nimmt zu: Der Kanton Luzern meldete am Freitag 18 Infizierte, Zug 13, Schwyz 9, Nidwalden 8 und Uri 2. Auch Obwalden hat nun einen ersten bestätigten Fall: Eine 25-Jährige hat sich gemäss Mitteilung des Kantons mit dem Corona-Virus angesteckt, zeigt leichte Symptome und ist zu Hause isoliert. Bei sechs weiteren Personen aus Obwalden besteht gemäss Mitteilung ein positiver Erstbefund. Auch diese zeigen «wenig ausgeprägte Symptome» und seien isoliert.

Um weitere Übertragungen des Corona-Virus zu vermeiden, besteht am Luzerner Kantonsspital seit Freitag, 18 Uhr, an den Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen bis auf weiteres ein Besuchsverbot. Ausnahmen gelten für besondere Patientensituationen: Weiterhin erlaubt sind gemäss Mitteilung Besuche von Eltern bei Kindern, von Partnern bei gebärenden Frauen sowie von nahen Angehörigen bei sterbenden Menschen oder bei unterstützungsbedürftigen Patienten. Gleich verfährt das Kantonsspital Obwalden.

Auch der Urner Sonderstab Corona-Virus hat ein Besuchsverbot für das Kantonsspital, alle Alters- und Pflegeheime sowie Behinderteninstitutionen im Kanton Uri erlassen. Dieses gilt ab sofort bis vorerst 30. April 2020, wie es in der Mitteilung heisst. Die Leitung der entsprechenden Institutionen können für einzelne Patienten im begründeten Einzelfall Ausnahmen bewilligen. Im Kantonsspital dürfen aber höchstens zwei Besucherinnen oder Besucher eine Patientin oder einen Patienten gleichzeitig besuchen.

Luzern steht derzeit bei 18 Infizierten. Momentan ist das Kantonsspital (Luks) stark damit beschäftigt, Personen auf das Corona-Virus zu testen. Der Krisenstab des Luks rechnet damit, dass die Fälle, die auf der Isolierungsstation hospitalisiert werden müssen, in den nächsten Tagen und Wochen deutlich ansteigen. Philipp Berger, Leiter der Unternehmenskommunikation, sagt:

«Um darauf bestmöglich vorbereitet zu sein, werden an allen drei Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen die Plätze für Corona-Patienten ausgebaut.»

Um über genügend Personal zu verfügen, werden Wahleingriffe verschoben, sofern dies medizinisch verantwortbar ist. Zahlen zu verschobenen Operationen oder Verdachtsfällen kommuniziert das Spital aufgrund der dynamischen Situation nicht.

Gemäss Guido Graf hat sich mittlerweile auch die Situation im Zentrum für Intensivmedizin stabilisiert. Hier kam es Ende letztes Jahr zu Ausfällen von mehreren Ärzten, die Zahl der Betten musste temporär reduziert werden. «Mittlerweile verfügen wir über mehr als die bisher 22 Betten», so Graf.

Das Kantonsspital kann ferner auf den Support des Schweizer Paraplegiker-Zentrums zählen. Ab nächster Woche werden zudem Samariter im ambulanten Bereich der Luzerner Isolierungsstation eingesetzt, so Berger. «Eine entsprechende Umfrage läuft.»

Spitex-Angestellte nehmen auf Anordnung Abstriche vor

Seit letzter Woche unterstützt auch die hiesige Spitex das Kantonsspital bei der Durchführung von Corona-Tests. «Vereinzelt haben Spitex-Mitarbeitende auf Anordnung bei Patienten bereits den nötigen Abstrich an der Rachenschleimhaut vorgenommen», sagt Jim Wolanin, Präsident des Spitex-Kantonalverbands, nach einem Austausch mit einigen Organisationen. Stand Freitagmittag gab es weder bei den Patienten der 31 gemeinnützigen Spitex-Organisationen noch bei deren Angestellten Corona-Infizierte.

Wolanin, FDP-Kantonsrat und Sozialvorsteher von Neuenkirch, sagt: «Um unser Personal bestmöglich zu schützen, werden jegliche unnötige Gefährdungen vermieden.» Man verzichte etwa auf Teamsitzungen. «Derzeit sind alle Organisationen noch genügend mit Masken, Schutzmaterial und Desinfektionsmittel ausgerüstet.» Doch weil das Material schweizweit knapp werde, seien Angestellte angehalten, «sorgsam damit umzugehen». Aufgrund von Hygiene-Konzepten und bisherigen Erfahrungen – so mit dem Noro-Virus – seien die Spitex-Organisationen gut aufgestellt. Die Arbeitslast entspreche derzeit dem saisonalen Schnitt. Man prüfe aber, inwiefern sich die Ressourcen noch aufstocken liessen.

«Die Verantwortlichen der Spitex spüren innerhalb der Belegschaft eine grosse Solidarität, das ist sensationell.»

Hinweis: Zur Klärung von Fragen zu den beschlossenen Massnahmen gibt es eine Hotline. Veranstaltungen: Tel. 041 939 20 77. Schulbetrieb: Tel. 041 939 20 70. Gastronomie: Tel. 041 939 20 78. Betriebszeiten: Täglich von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr. Wichtig: Es können keine medizinischen Fragen beantwortet werden. Mehr Infos: www.lu.ch.

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