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SPITÄLER: Verständigungsschwierigkeiten zwischen Ärzten und Patienten

Der Ärzteverband fordert von ausländischen Ärzten bessere Sprachkenntnisse. Für die Patientenstelle liegt das Problem aber nicht nur bei den Fremdsprachen – die Kommunikation werde generell immer mehr vernachlässigt.
Roseline Troxler
Ein Arzt erklärt einem Patienten im Spital ein Modell.Symbolbild: Getty

Ein Arzt erklärt einem Patienten im Spital ein Modell.Symbolbild: Getty

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Bei der Arztvisite klagt ein Patient über starke Schmerzen. Er fordert vom Arzt ein Schmerzmittel. Dieser hört aufmerksam zu und nickt – ohne aber auf das Anliegen einzugehen. Arzt und Pflegepersonal schliessen die Visite ab und gehen zum nächsten Patienten. Auf dem Weg dorthin fragt der Arzt bei der Fachangestellten Gesundheit nach, was der Patient denn gesagt habe. Der Grund: Der ausländische Arzt hat den Patienten nicht verstanden. Hört man sich bei Spitalmitarbeitern um, ist dies kein Einzelfall – auch in der Zentralschweiz.

Ärzteverband fordert Maturitätsniveau

Der Ärzteverband FMH sieht bei den Sprachkenntnissen denn auch Handlungsbedarf. Er fordert, dass Ärzte mindestens eine Amtssprache auf Maturitätsniveau beherrschen müssen (Ausgabe vom 15. März). Auch Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz, warnt vor den Folgen von Verständigungsproblemen, wenn immer mehr Ärzte aus Ländern wie Bulgarien, Polen, Rumänien oder Spanien in die Schweiz kommen. Der Bundesrat erarbeitet derzeit eine Verordnung zum neuen Medizinalberufegesetz. In dieser geht es auch um die notwendigen Sprachkenntnisse.

Beim Luzerner Kantonsspital (Luks) sind gut 75 Prozent der neu eintretenden Kaderpersonen Schweizer, die übrigen 25 Prozent stammen grösstenteils aus Deutschland, wie es auf Anfrage heisst. Luks-Mediensprecherin Ramona Helfenberger: «Da Deutsch die Unternehmenssprache ist, gehört das Beherrschen der Sprache zu den zentralen Anforderungen bei der Rekrutierung.» Zur Anzahl der Ärzte, welche nicht Deutsch als Muttersprache haben, macht das Luks keine Angaben. «Die Muttersprache wird nicht erfasst», erklärt Helfenberger. Die mündliche und schriftliche Verständigung sei aber Voraussetzung für eine Anstellung. «Stelleninserate für Ärzte werden ausschliesslich auf Deutsch publiziert.» In der Regel würden stellensuchende Ärzte mit einer anderen Muttersprache aus eigenem Interesse ihre Sprachkenntnisse vertiefen. «Im Alltag sind deshalb bei der Ärzteschaft keine Unterstützungsmassnahmen beim Deutsch­erwerb nötig.»

Anders tönt es bei der Patientenstelle Zentralschweiz. Stellenleiterin Barbara Callisaya sagt: «Sprachprobleme mit Ärzten sind immer wieder ein Thema.» Dies widerspiegle sich in den Anfragen an die Patientenstelle. Und sie ergänzt: «Bei Ärzten mit ungenügenden Sprachkenntnissen handelt es sich eher um solche, welche in den Spitälern arbeiten.» Callisaya betont aber auch, dass «Sprachprobleme nicht unbedingt an den Sprachkenntnissen liegen, sondern an der Kommunikation im Allgemeinen». So würde von den Ärzten viel zu wenig kommuniziert. «Die Kommunikation hat keinen hohen Stellenwert und wird aufgrund von Zeitmangel vernachlässigt.» Dieses Problem habe in den letzten Jahren zugenommen. Die Leiterin der Patientenstelle führt dies vor allem auf den immer grösseren administrativen Aufwand zurück.

Die Ärztegesellschaft des Kantons Luzern warnt, dass der Druck, Ärzte aus Drittstaaten zu rekrutieren, zunimmt. Zur aktuellen Lage sagt deren Präsident Aldo Kramis: «Solange wir die Stellen noch besetzen können, ist die Situation noch nicht gravierend.» Es gibt aber Bereiche, wo er bereits jetzt Probleme ortet: «Aus den Psychiatrien ist uns bekannt, dass Ärzte oft ungenügend Deutsch sprechen», sagt Kramis. Er nennt als Beispiel einen Fall im Luzerner Hinterland. Das Arbeitsverhältnis mit jenem Arzt sei aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse aufgelöst worden. «Die zwischenmenschliche Kommunikation mit dem Patienten ist die Voraussetzung für eine medizinische Versorgung.» Würden Ärzte aus Drittstaaten beschäftigt, stellt er klare Forderungen: «Die Ärzte müssen zuerst Sprachkurse besuchen und dann mindestens drei Jahre an einer schweizerisch anerkannten Weiterbildungsstätte tätig sein.»

Psychiatrie: Ein Fünftel hat eine andere Muttersprache

Bei der Luzerner Psychiatrie (Lups) haben 19 Prozent der Ärzte eine andere Muttersprache. Sie stammen aus diversen Ländern, insbesondere aus Osteuropa. Dennoch sagt Silvia González, Teamleiterin Kommunikation bei der Lups: «Sprachliche Missverständnisse zwischen Arzt und ­Patient sind selten.» Gebe es ­Unklarheiten, werde eine Zweitperson hinzugezogen. Sie unterstreicht gleichzeitig: «Die Sprache ist in der Psychiatrie ein äusserst wichtiges Instrument.» So würden nur Ärzte eingestellt, welche das Sprachniveau C1 vorweisen können. Dieses setzt voraus, dass sie die Sprache sehr gut verstehen und sprechen. «In seltenen Fällen wird einem Kandidaten die Möglichkeit geboten, als Unterassistent zu starten, bis das Sprachniveau erreicht ist.»

Wie bei der Lups wird auch bei der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern die Muttersprache der Ärzte erfasst. Mediensprecher Patric Bürge sagt: «Von unseren 230 Ärzten sind 15 nicht deutscher Muttersprache.» Am St. Anna seien «sehr gute Deutschkenntnisse» Voraussetzung für die Tätigkeit als Arzt oder Ärztin. Bürge: «Wir legen Wert darauf, dass unsere Ärzte in der Regel auch Schweizerdeutsch verstehen.»

Das St. Anna bietet zwar keine eigenen Deutschkurse an, dafür gibt es spezielle Veranstaltungen für deutsche Mitarbeiter. Im Kurs «Schweizer Uhren ticken anders» werden die kulturellen Unterschiede thematisiert. Denn Bürge erklärt: «Diese können zu Missverständnissen führen.»

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