Spital mischt mit Kasse Hausarztszene auf

Die medizinische Grundversorgung in der Stadt stärken und das Spital entlasten: Der Krankenversicherer Concordia und das Luzerner Kantonsspital eröffnen in Luzern ein neues Gesundheitszentrum. Die Luzerner Ärztegesellschaft kritisiert das Vorgehen.

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Pflegefachfrau Alessandra Diaco macht einer Patientin am Kantonsspital Luzern eine Injektion. (Bild: Pius Amrein  / Neue LZ)

Pflegefachfrau Alessandra Diaco macht einer Patientin am Kantonsspital Luzern eine Injektion. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In den nächsten Jahren droht in der Hausmedizin und damit in der ambulanten Grundversorgung ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten. Um das Problem etwas zu entschärfen, haben sich die Krankenversicherung Concordia und das Luzerner Kantonsspital (LUKS) für eine strategische Zusammenarbeit entschieden. Mit dem Aufbau und dem Betrieb von Gesundheitszentren soll die ambulante und wohnortsnahe Grundversorgung sichergestellt werden.

Zwei weitere Zentren sollen folgen

Bereits im Jahr 2010 wurde durch die beiden beteiligten Partner ein erstes Gesundheitszentrum in Inwil eröffnet. Ein zweites solches Zentrum soll nun laut Medienmitteilung am 1. Oktober auf dem Gelände des LUKS den Betrieb aufnehmen. Auf 450 Quadratmetern sollen sechs bis sieben Ärzte Patienten betreuen. Gemäss heutigem Planungsstand sollen in den nächsten zwei Jahren auch Standorte in Hochdorf und Willisau eröffnet werden.

Das Zentrum steht allen Personen für Behandlungen offen. Wer bei der Concordia versichert ist, hat laut Medplace-CEO Paul Flückiger keine Vorteile.

Eigenständig und unabhängig

Mit dem neuen Zentrum in Luzern soll die Grundversorgung in der Stadt gestärkt und das Kantonsspital im Bereich ambulante Versorgung personell und räumlich entlastet werden. Das Gesundheitszentrum soll folgende Dienstleistungen anbieten:

  • Allgemeine Innere Medizin (Hausarztmedizin)
  • Gynäkologie, Geburtshilfe
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Kardiologie
  • Psychiatrie
  • Ambulante Wundsprechstunde

Allgemeine Innere Medizin (Hausarztmedizin)

Gynäkologie, Geburtshilfe

Kinder- und Jugendmedizin

Kardiologie

Psychiatrie

Ambulante Wundsprechstunde

Trotz enger Zusammenarbeit soll das Gesundheitszentrum eigenständig und vom Kantonsspital und der Concordia unabhängig geführt werden. Es bestehe demnach kein gegenseitiger Zuweisungszwang.

Kritik von Ärztegesellschaft

Die Luzerner Ärztegesellschaft kritisiert die Zentren. Damit würden bestehende Gemeinschaftspraxen konkurrenziert. Ausserdem würde dadurch der Hausärztemangel nicht behoben. Ziel der Kooperation sei es viel mehr, möglichst viele Patienten ans Luzerner Kantonsspital zu überweisen, sagt Ueli Zihlmann, Geschäftsführer der Ärztegesellschaft und widerspricht damit der Beteuerung, dass kein Zuweisungszwang bestehe.

Experte: Wettbewerb wird härter

Der Zürcher Gesundheitsökonom Willy Oggier dagegen begrüsst die Zentren. Sie steigerten die Qualität der medizinischen Behandlung. Weil die Ärzte im Gesundheitszentrum eng mit dem Spital zusammenarbeiten würden, könnten Doppelspurigkeiten bei der Behandlung vermieden werden, sagt Oggier. Wie der Luzerner Regierungsrat Guido Graf ist der Gesundheitsexperte der Meinung, mit diesen Zentren könne dem Hausärztemangel begegnet werden. Klar ist laut Oggier allerdings, dass sich der Wettbewerb unter den Praxen verschärfen wird.

nus/tos/bep

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