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«Der Patient wird immer mehr zum Mitarbeiter» – wie Spitäler in Zukunft das Know-how ihrer Patienten nutzen

Schweizweit ist ab April 2020 das elektronische Patientendossier Pflicht, parallel dazu erarbeitet das Luzerner Kantonsspital ein eigenes Patientenportal. Wer davon profitieren will, darf den Aufwand nicht scheuen.
Evelyne Fischer
Das elektronische Patientendossier wird bald in der ganzen Schweiz Pflicht sein. (Symbolbild: Getty).

Das elektronische Patientendossier wird bald in der ganzen Schweiz Pflicht sein. (Symbolbild: Getty).

«In Zukunft wird der Patient immer mehr zum Mitarbeiter», sagt Stefan Hunziker. «Ähnlich wie bei Bankgeschäften, die wir heute online erledigen und nicht mehr am Schalter, wird der Patient ein Stück weit Teil des Behandlungsteams sein.»

Hunziker, ursprünglich selbst Mediziner, leitet am Luzerner Kantonsspital (Luks) die Abteilung Informatik. In dieser Funktion betreut er eng eines von zwei Instrumenten, die der Operation «Digitalisierung» im Medizinbereich neuen Schub verleihen: Er sitzt im Vorstand des Vereins eHealth Zentralschweiz, der in dieser Versorgungsregion die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) vorbereitet. Parallel dazu wird derzeit das Patientenportal «Mein Luks» aufgebaut. Lesen Sie im verlinkten Artikel, welches die grössten Unterschiede sind:

Das Patientenportal «Mein Luks» gehört zum Klinikinformationssystem Lukis, das im September aufgeschaltet wird. Lukis ist eine knapp 66 Millionen Franken teure digitale Arbeitsplattform, mit der Fachpersonen künftig alle Patienteninfos aktuell zur Hand haben.

Ziel des Portals: Unnötige Behandlungen vermeiden

Sei es die Medikationsliste oder der Röntgenbefund: Solche Dokumente sind künftig auf dem Patientenportal «Mein Luks» digital abgelegt und jederzeit abrufbar. Der Patient soll «partnerschaftlich» in die Behandlung miteinbezogen, deren Qualität gestärkt werden. So sollen unnötige oder doppelte Behandlungen vermieden und das Risiko von Fehldiagnosen minimiert werden.

Ob «Mein Luks» noch dieses Jahr online geht, ist offen. Unklar ist auch, wie viele Ressourcen der technische und inhaltliche Support brauchen wird und wie stark sich die Patienten dafür interessieren. Zuversichtlich stimmen Zahlen aus Holland, wo seit 2015 die gleiche Software im Einsatz ist: 38 Prozent der stationären Patienten haben sich registriert. Tendenz steigend.

«Mein Luks» kann mit einigen Kniffs auftrumpfen: Nach einer Erstzuweisung lassen sich Spitaltermine vereinbaren und verwalten. Der Patient kann überprüfen, ob etwa Allergien aufgeführt oder Medikamente erfasst sind.

«Nimmt ein Patient beispielsweise Änderungen bei der Medikationsliste vor, muss das Spital die Anpassung bestätigen», sagt Xaver Vonlanthen.

Vonlanthen ist Projektleiter von Lukis, dem neuen Klinikinformationssystem. Während einer Behandlung können Physio- oder Ernährungspläne hochgeladen oder auf Verordnung Daten wie Blutdruck oder Gewicht dokumentiert werden. Dereinst ist gar die Übertragung der Daten von Fitnessarmbändern möglich.

Das angepeilte Steigern der Gesundheitskompetenz bringt Herausforderungen mit sich. Wie findet sich ein Betroffener mit all den Daten zurecht? «Heikle Befunde bespricht die Fachperson auch in Zukunft persönlich mit dem Patienten», sagt Vonlanthen. «Wir wollen weder unsere Verantwortung abschieben, noch lassen wir die Patienten mit einer Diagnose allein.» Der Miteinbezug des Patienten mache Sinn: «Besonders chronisch kranke Menschen wissen oft sehr gut über ihre Erkrankung Bescheid.»

«Patientenportal schafft örtliche Unabhängigkeit»

Wenn ein Patient interessiert sei, seine Daten zu besitzen und die nötige Zeit investiere, um die Daten aktuell zu halten, biete «Mein Luks» einige Vorteile. Vonlanthen: «Das Portal schafft örtliche und zeitliche Unabhängigkeit.» Offen sei, ob Selbstdiagnosen mit Dr. Google zunehmen.

«Dass Patienten im Internet Informationen suchen, lässt sich nicht vermeiden. Mit solchen Selbstdiagnosen kämpfen die Ärzte bereits heute», sagt Stefan Hunziker.

Der Nutzen von «Mein Luks» lasse sich monetär nicht aufwiegen, sagt Hunziker: «Wenn die Qualität steigt und die Patienten zufriedener sind, können Sie das nicht mit Geld messen. Am Ende des Tages braucht es immer noch den Arzt am Spitalbett und die Pflegenden für die Behandlung am Patienten.»

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