Spitalneubau in Sursee: Regierungsrat gibt altem Standort den Vorzug

Das Luzerner Kantonsspital in Sursee wird am bisherigen Standort neu gebaut. Der Spitalrat hatte die Alternative in Schenkon favorisiert.

Alexander von Däniken
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Aussenansicht des Spitals Sursee.

Aussenansicht des Spitals Sursee.

Bild: Pius Amrein

Nach dreieinhalb Jahren Prüfung ist klar: Der 250 Millionen Franken teure Neubau des Luzerner Kantonsspitals (Luks) Sursee kommt auf dem bisherigen Areal zu stehen. Das hat der Regierungsrat entschieden und am Donnerstag mitgeteilt. Der Spitalrat, das strategische Organ des Kantonsspitals, hätte die verbleibende Standortalternative favorisiert; das Areal Schwyzermatte in Schenkon. Der Neubau soll in acht bis zehn Jahren stehen.

Spitalratspräsident Ulrich Fricker ist froh, dass Klarheit herrscht: «Das Luks hat stets erklärt, dass ein Neubau an beiden Standorten möglich wäre.»

Referendumsfrist bei Spitalgesetz abgewartet

Laut Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) lag der Vorschlag des Spitalrats vor Weihnachten auf seinem Tisch. Mit dem regierungsrätlichen Entscheid habe man aber die Referendumsfrist für die Revision des Spitalgesetzes abwarten wollen. Die Revision sieht die Umwandlung der Luzerner Spitäler in eine gemeinnützige AG vor. «Die Referendumsfrist ist am 1. April verstrichen», sagt Graf.

Trotzdem: Der Spitalrat liess sich viel Zeit. Hätte der Regierungsrat nicht eher Druck machen müssen? «Anfangs wurden 23 mögliche Standorte analysiert. Es gibt unzählige Aspekte zu berücksichtigen; zum Beispiel wirtschaftliche oder erschliessungstechnische. Um 250 Millionen Franken zu investieren, muss alles gut abgeklärt werden», sagt Graf. Ausserdem habe ein neuer Erschliessungsvorschlag des Stadtrates Sursee wesentlich zum Entscheid des Regierungsrats beigetragen.

Wie die Erschliessung konkret aussieht, will Graf derzeit nicht sagen. «Auf jeden Fall hat das den Knopf in der Standortfrage gelöst.» Zwar war die Regierung anderer Meinung als der Spitalrat, die Zusammenarbeit mit dem Spital sei aber «stets professionell» gewesen, betont Graf. Der Regierungsrat werde auf die weiteren Schritte des Neubaus Einfluss nehmen können; der Kanton ist Besteller von Leistungen und Eigentümer des Luks.

Sursee freut sich, Schenkon ärgert sich

Sursees Stadtpräsident Beat Leu (CVP) freut sich über den Standortentscheid: «Wir haben uns sehr lange für den Standort Sursee eingesetzt. Der Entscheid ist für ganz Sursee ein wichtiges Signal.» Die Freude ist bei Leu auch darum gross, weil der Entscheid noch vor Ablauf seiner Amtszeit bekannt wurde.

Dennoch spricht er von zwei Herausforderungen. Einerseits pocht die Regierung auf die Lösung der Erschliessung. Leu: «Es geht vor allem darum, dass die Rettungswagen so schnell wie möglich beim Patienten sind.» Andererseits muss das Luks den Neubau umsetzen, während am selben Ort der Betrieb weiterläuft. Die Stadt werde dabei Hand bieten.

Der Schenkoner Gemeindepräsident Patrick Ineichen (CVP) akzeptiert den Entscheid. Was ihn ärgert, ist das Vorgehen des Regierungsrats:

«Wir mussten dreieinhalb Jahre warten, bis der Regierungsrat sagt, ein Neubau auf der grünen Wiese gehe nicht. Das hätte ihm schon viel früher klar sein können.»

Stattdessen habe die Regierung dem Spitalrat und den Gemeinden immer wieder neue Hausaufgaben gegeben. «Dass mit dem Spitalrat das Expertengremium aus Ökonomen und Spitalvertretern überstimmt wird, geht überhaupt nicht.»

Im Raum Sursee arbeiten die Gemeinden eng zusammen; etwa im Bereich Verkehr und Infrastruktur. Diese Zusammenarbeit sei vom Regierungsrat durch den hinausgezögerten Entscheid arg strapaziert worden. «Das sind riesige Aufgaben, die von den Gemeinden Weitsicht verlangen.»

Was passiert mit Pflegeheim neben Spital?

Während sich Spitalangestellte und Patienten über einen nahtlosen Übergang keine Sorgen machen müssen, ist die Situation beim Pflegeheim Seeblick schwieriger. Das Heim liegt unmittelbar neben dem jetzigen Spital in Sursee. Ob es den Betrieb dort aufrechterhalten kann, ist heute noch völlig unklar. Laut Co-Geschäftsleiter Roger Wicki hätte der Standort in Schenkon dem Pflegeheim mehr Zeit gegeben, sich neu aufzustellen. Der jetzt gefällte Entscheid sei zwar legitim. Aber der Zeitplan sei sehr eng. «Wir brauchen Planungssicherheit», sagt Wicki.

Das gelte für die 100 Angestellten genauso wie für die Bewohner. Das Heim verzeichnet rund 140 Eintritte pro Jahr. «Was überhaupt nicht geht, ist, eine Frist zu setzen und sie dann hinauszuzögern.» Im Optimalfall gebe es eine Lösung für einen Neubau im jetzigen Spitalperimeter. Doch dazu brauche es eine gemeinsame Strategie der 12 Trägergemeinden, die Bereitschaft, rund 30 Millionen Franken zu investieren und das alles innerhalb von vier Jahren. Offen sei auch, welche Synergien künftig genutzt werden können.

Regierungsrat Guido Graf sagt zur unklaren Situation des Pflegeheims, dass für Planung und Neubau des Spitals etwa zehn Jahre vergehen werden. Das Spital werde das Heim in der späteren Planung einbeziehen.

Rege Bautätigkeit

Zum Luks gehört neben den Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen auch die Höhenklinik Montana. Es hat total 7000 Mitarbeitende und 850 Akutbetten sowie über 600'000 ambulante Patientenkontakte.

Einen Spitalneubau gibt es auch in Wolhusen. Im vergangenen Sommer wurde die Baueingabe eingereicht. Das Kostendach liegt bei 110 Millionen Franken. Ohne Einsprachen sei die Fertigstellung des neuen Spitals auf 2023 geplant.

Ferner wird am Spitalstandort Luzern in den nächsten 30 Jahren viel gebaut. Geplant sind ein neues Kinderspital, eine neue Frauenklinik, neue Ambulatorien und ein neues Spitalzentrum.

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