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Kommentar

Künftiger Spital-Standort: Spitalrat gaukelt Sursee gegenüber Fairness vor

Für den Standort des neuen Spitals Sursee kommen noch zwei Standorte in Frage. So viel ist klar – mehr aber auch nicht. Die Analyse von Redaktor Ernesto Piazza und Redaktorin Yasmin Kunz.
Ernesto Piazza und Yasmin Kunz

Wohin mit dem Spital Sursee? Diese Frage steht seit Mitte 2016 im Raum. Damals kommunizierte das Luzerner Kantonsspital (Luks), wozu auch die Klinik in Sursee gehört, dass man das Spital erweitern wolle. Es hiess: Expansionsmöglichkeiten am bisherigen Standort, aber auch Alternativen – wie auf der grünen Wiese – würden geprüft.

Mehr als zweieinhalb Jahre später ist man noch nicht viel weiter. Zwar wurde Ende 2017 bekannt, dass es 3 von 23 potenziellen Standorten in die engere Auswahl geschafft haben. Und am Mittwoch teilte das Luks die zwei verbleibenden Varianten mit: die aktuelle in Sursee und die «Schwyzermatte» in Schenkon. Der definitive Entscheid ist weiter hängig, obwohl man die Abklärungen Ende 2018 abgeschlossen haben wollte.

Der aktuelle Standort an der Spitalstrasse in Sursee hat einen grossen Pluspunkt: der Blick auf den Sempachersee. Weiter würde eine zügige Umsetzung für die Variante Sursee sprechen. Denn planungsrechtlich sowie politisch dürften keine Hürden im Weg stehen. Es braucht weder einen referendumsfähigen Kantonsratsbeschluss noch eine Ein- oder Umzonung. Doch das alleine wiegt die Minuspunkte nicht auf. Der Standort in Sursee ist verkehrstechnisch mangelhaft erschlossen, Zufahrtsstrassen sind bereits heute – speziell zu den Stosszeigen – überlastet. Und künftig wird sich diese Situation weiter zuspitzen. Zudem befindet sich das Spital inmitten eines Wohngebiets – und in einer Tempo-30-Zone. Das ist besonders für Rettungsfahrzeuge ein Handicap.

Anders sieht es bei der «Schwyzermatte» aus: Aus betrieblicher Sicht beurteilt der Spitalrat diesen Standort als optimal. Zentrale Lage an der Autobahn, gute verkehrstechnische Erschliessung und grosse Flexibilität, weil auf einer grünen Wiese gestartet werden könnte, sind nur einige der Vorzüge. Dazu kommen die Erweiterungsmöglichkeit und das Nicht-Tangieren des Spitalbetriebs während der Bauzeit. Schenkon stand übrigens schon vor knapp 30 Jahren mit einer privaten Klinik im medialen Fokus. Damals kam die dafür notwendige Umzonung an einer mit emotionalen Voten gespickten Gemeindeversammlung nicht zu Stande. Das Projekt erlitt Schiffbruch.

Die jetzt vom Spitalrat eingelegte Zusatzschlaufe begründet dieser damit, dem Stadtrat von Sursee noch einige Hausaufgaben mitgegeben zu haben. Man soll die Möglichkeit bekommen, zur Behebung der betrieblichen Schwächen am Standort Spitalstrasse Stellung nehmen zu können. Doch der Forderungskatalog ist happig. Zu happig wohl, um ihn innert der gesetzten, dreimonatigen Frist zu bewältigen.

Definitiv entscheiden will der Spitalrat die Standortfrage «im Herbst». Interessant wird sein, ob das vor oder nach den Nationalratswahlen vom 20. Oktober sein wird. Hintergrund: Peter Schilliger ist Spitalratsvizepräsident und Vorsitzender des Gremiums, welches die Standortfrage entscheidet. Und er will für die FDP wieder in die grosse Kammer gewählt werden.

Sursees Stadtpräsident will zwar, wie seine Gremiumskollegen wohl auch, das Handtuch nicht frühzeitig werfen und versucht, die Vorgaben möglichst zu erfüllen. Denn er weiss, wie wichtig den Surseern der Erhalt «ihres» Spitals ist. Das bezeugt auch die im Mai 2017 eingereichte Petition der «IG Spital-Region Luzerner Landschaft». 5550 beim Kanton deponierte Unterschriften wollen, dass das Spital in Sursee bleibt. Stellt sich die Frage, warum der Spitalrat nicht Nägel mit Köpfen macht. Längst müsste er Faktoren wie politische Einflussnahmen und Wirtschaftlichkeit analysiert haben. Sollte man taktieren oder das Ganze aussitzen wollen, wäre dies bei einem Projekt von solcher Tragweite ein schlechter Ratgeber. Für die Bevölkerung in der Region ist das Spital Sursee wichtig und mit Emotionen verbunden. Das gründet auch in der Vergangenheit.

In den 1930er-Jahren gingen die Menschen im Surental auf die Strasse und verlangten ein Spital – mit Erfolg. Um sie nun nicht vor vollendete Tatsachen stellen zu müssen, spielt man ihnen den Ball zu. Das ist vorgegaukelte Fairness. Denn: Die Auslegeordnung und die Vorgehensweise des Spitalrats legen den Schluss nahe, dass das Spital in Schenkon realisiert wird.

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