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SPITEX: Mit einem Bonus-System gegen den Mangel an Ausbildungsplätzen

Pflegebetriebe bieten nicht genügend Ausbildungsplätze an. Besonders die privaten Organisationen haben noch viel Luft nach oben.
Roseline Troxler
Mit dem neuen Jahr erweitert die Spitex Wiggertal ihren Service aus und ist 24h erreichbar. (Symbolbild Dominik Wunderli / Neue LZ)

Mit dem neuen Jahr erweitert die Spitex Wiggertal ihren Service aus und ist 24h erreichbar. (Symbolbild Dominik Wunderli / Neue LZ)

Roseline Troxler

In den Pflegeheimen und bei den Spitex-Organisationen mangelt es an Ausbildungsplätzen. Vor allem die Spi­tex-Organisationen bilden zu wenig Nachwuchs aus. Aus diesem Grund gibt es im Kanton Luzern ein Anreizsystem. Betriebe, die zu wenig Ausbildungsplätze anbieten, zahlen einen Malus. Wer mehr Nachwuchs ausbildet als gefordert, dem winkt hingegen ein Bonus. Nun zeigt sich: Besonders die privaten Spitex-Organisationen bilden nur ungenügend aus und müssen daher Strafzahlungen in Kauf nehmen. 16 private Organisationen müssen – aufgrund ihrer Zahlen vom letzten Jahr – einen Malus entrichten, zwei erhalten einen Bonus. In Geldbeträgen heisst das: Insgesamt steht ein Malus von 130 000 Franken einem Bonus von 8000 Franken gegenüber. 2014 lag die Zahl der Malus-Betriebe noch bei 14. Damals erhielten drei Organisationen einen Bonus.

Die Höhe der Strafzahlung liegt je nach Art der Ausbildung (Tertiär-, Sekundär- oder Assistenzstufe) zwischen 4000 und 12 000 Franken. Im Pflegebereich gibt es verschiedene Berufe. Dazu zählen Pflegefachpersonen Fachhochschule, Pflegefachpersonen höhere Fachschule, Fachleute Gesundheit, Fachleute Betreuung mit der Fachrichtung Betagte sowie Assistenten Gesundheit und Soziales.

Schwierigkeit: Viele kleine Betriebe

Marcel Durst, Geschäftsführer des Verbands der privaten Spitex-Organisationen, sieht die Gründe, dass Private weniger ausbilden, vor allem am Geschäftsmodell: «Während die öffentlichen Spitex-Organisationen Touren zu ihren Kunden machen, gehen die privaten immer zu derselben Person, genannt Bezugspflege. Dies macht es schwierig, Lehrlinge mit der nötigen Qualität auszubilden und den ganzen Tag sinnvoll einzusetzen.» Hinzu komme, dass es im Kanton Luzern viele sehr kleine, private Betriebe gebe. Drücken sich die Privaten damit nicht vor der Ausbildungspflicht und lassen den Nachwuchs auf Kosten der öffentlichen Organisationen ausbilden? Marcel Durst verneint: «Wir sind nicht gegen die Ausbildungsverpflichtung und stehen zur Ausbildung.»

Private wollen Berner Modell

Durst rät allerdings zu einer Überarbeitung des Systems. Ihm schwebt für Luzern ein ähnliches Modell wie im Kanton Bern vor. «Dort ist es möglich, dass eine Spitex von einer anderen Organisation Ausbildungspunkte einkaufen kann, wenn diese mehr als vom Kanton gefordert leistet.» Laut Durst hat sich das System im Kanton Bern «sehr bewährt, die Zielvorgaben werden erfüllt». Künftig wollen die privaten Organisationen zudem noch stärker mit anderen Betrieben, darunter auch Pflegeheimen, zusammenarbeiten. Durst räumt aber ein: «Eine Zusammenarbeit ist im Kanton Luzern schwierig. Wir haben Mühe, dafür Pflegeheime zu finden.»

«Ausbilden ist immer lohnenswert»

Jolanda Achermann Sen ist Stadträtin in Sursee und präsidiert die für die Ausbildungsverpflichtung zuständige kantonale Kommission. Auf die Frage, ob es nicht stossend sei, dass vor allem Private zu wenig Plätze bereitstellen, sagt sie: «Diese Frage stellt sich so nicht. Es besteht eine Ausbildungspflicht. Wer diese nicht erfüllt, muss die Maluszahlung vornehmen.» Sie unterstreicht allerdings: «Ausbilden ist für die Betriebe immer lohnenswert.» Ob die tiefen Ausbildungszahlen auch auf dem Betriebskonzept der privaten Organisationen beruhen, will Jolanda Achermann nicht kommentieren. Ausbildungsverbunde sieht sie indes als «sehr gute Möglichkeit für die Lernenden» und ergänzt: «Sie haben die Gelegenheit, in verschiedenen Betrieben zu arbeiten, spannende Einblicke zu erhalten und wertvolle Erfahrungen zu machen.» Die Präsidentin der Kommission kündigt derweil eine Evaluation der Ausbildungsverpflichtung an. «Darin werden wir unterschiedliche Fragestellungen diskutieren.» Zunächst müsse aber der Verband Luzerner Gemeinden das Budget für die Evaluation genehmigen.

Jolanda Achermann betont, dass sich die Zahlen im kommenden Jahr wohl verändern werden. «Dann wird die Erfüllungspflicht auf 75 Prozent erhöht.» Denn bisher müssen die Betriebe erst 50 Prozent der geforderten Ausbildungsplätze anbieten, um keinen Malus zu zahlen. 2020 soll die Anzahl der Pflichtausbildungsplätze gar verdoppelt werden.

Plätze fehlen auch bei Öffentlichen

Nicht nur private Spitex-Organisationen sind gefordert, auch bei den öffentlichen sind Ausbildungsplätze Mangelware. So müssen für das vergangene Jahr 13 von 30 Betrieben einen Malus zahlen (Ausgabe vom 23. Mai). Der Betrag liegt bei 60 000 Franken. Kaum Strafzahlungen gibt es hingegen bei den Pflegeheimen. 56 Betriebe erhalten einen Bonus, sechs Betriebe zahlen. Die Strafzahlung liegt bei insgesamt 11 000 Franken.

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