Spitzenwein aus Luzern: Surseer Weinbauer ärgert Walliser Winzer

Der «J Muscat sec» wurde zum zweiten Mal zum besten Schweizer Wein in seiner Kategorie gewählt. Das ist für die Zentralschweiz aussergewöhnlich. Und doch kein Zufall, denn Winzer Beat Felder ist ein Profi.

Reto Bieri
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Beat Felder strahlt mit der Sonne um die Wette. Im Weingut Mariazell in Sursee hält er in der Rechten seinen Siegerwein, in der Linken den Pokal für den ersten Rang beim Grand Prix du Suisse Vin, der – inoffiziellen – Schweizer Meisterschaft der Weine (siehe Kasten). Ganz verbergen kann Felder den Stolz über die Auszeichnung nicht. Muss er auch nicht. Sein «J Muscat Sec» hat in der Kategorie Weisse Assemblagen zwei Mal hintereinander den ersten Platz belegt. Das hat vor ihm noch kein Winzer geschafft.

Beat Felder hat mit seinem Weisswein beim Grand Prix du Vin Suisse in der Kategorie Weisse Assemblagen gewonnen.

Beat Felder hat mit seinem Weisswein beim Grand Prix du Vin Suisse in der Kategorie Weisse Assemblagen gewonnen.


Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 14. November 2020)

Zudem ist er ein weiteres Mal der einzige Zentralschweizer, der in einer der 13 Kategorien in die Finalrunde gekommen ist. Dort tummeln sich Walliser und Westschweizer Weinbetriebe. «Dass ich die Walliser ein bisschen ärgern konnte, freut mich besonders», sagt Felder und schmunzelt. Bei den weissen Assemblagen sei das Wallis nahe der Weltspitze. «Sie zwei Mal in Folge zu schlagen, ist unglaublich.»

Grand Prix: 500 Betriebe reichen 3000 Weine ein

Der Grand Prix du Vin Suisse fand zum 14. Mal statt und wird von der Weinvereinigung Vinea mit Sitz in Sierre im Wallis sowie dem Weinmagazin Vinum aus Zürich veranstaltet. Laut Chefredaktor Thomas Vaterlaus ist der Grand Prix der wichtigste Verkostungswettbewerb der Schweiz. Über 500 Betriebe reichen jeweils mehr als 3000 Weine ein. Der Grand Prix findet in zwei Etappen statt. Im August hat eine Fachjury die Weine verkostet und beurteilt. In diesem Jahr verteilten die rund 170 Expertinnen und Experten 947 Gold- und Silbermedaillen und bestimmten in jeder der 13 Kategorien die sechs besten Weine. Diese 78 Weine wurden in einer Finalrunde Anfang September erneut von einer international besetzten Expertenjury bewertet. Die Sieger sind Ende Oktober bekanntgegeben worden. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Rahmen einer Gala im Kursaal Bern statt. Wegen Corona wurde der Anlass abgesagt.

Dass ein kleiner Rebberg die ungleich grösseren Walliser Weinbaubetriebe hinter sich lässt, ist nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn Beat Felder ist ein Profi. Seit 33 Jahren arbeitet der 60-Jährige als Zentralschweizer Rebbaukomissär. Im Jahr 2005 ergab sich für den Surseer die Gelegenheit, sein umfangreiches Wissen selber anzuwenden. Zusammen mit vier Anwohnern hat er das knapp eine Hektare grosse Weingut Mariazell gepachtet und amtet als Geschäftsführer.

«Die Erfahrungen in den Reben, mit dem Wein und im Verkauf sind äusserst bereichernd für die Ausführung meiner beruflichen Haupttätigkeit», sagt Felder. Jeweils im Herbst erntet er mit vielen Bekannten aus der Region rund sechs Tonnen Trauben, was etwa 6000 Flaschen ergibt.

Mit Wissen, Arbeit und gutem Boden zum Erfolg

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Spitzenweins? «Es steckt viel Arbeit, Herzblut und Wissen dahinter», sagt Felder. Hinzu kommen das spezielle Klima durch die Lage direkt am Sempachersee sowie die Bodenbeschaffenheit. «Die Grundlage ist sicher der Boden an der Moräne mit den vielfältigen Mineralien, die der Reussgletscher in der Eiszeit vom Gotthardmassiv nach Sursee geschoben hat. Wir reduzieren zudem sehr konsequent den Ertrag.» Felder weiter:

«Mariazell ist ein Kraftort, der vielen Menschen guttut. Offensichtlich auch dem Wein.»

In erster Linie betreiben Felder und sein Team für den «J Muscat Sec» viel Aufwand. So werden die Trauben der Sorte Muscat einzeln in schützende Säcklein verpackt. «Die Gaze schützt vor Vögeln, Fliegen und Wespen, damit wir die Trauben voll ausreifen lassen können.» Die notwendige Säure stammt von Solaristrauben, von denen Felder je nach Jahr mehr oder weniger beigibt. «Diese Sorte hat immer genügend Säure.»

Coronakrise hat dem Wein geholfen

Der Siegerwein: «J Muscat Sec», Jahrgang 2019.

Der Siegerwein: «J Muscat Sec», Jahrgang 2019.

Bild: PD

Zugute kam dem Siegerwein, dass der Wettbewerb wegen der Coronakrise zeitlich nach hinten verschoben wurde. «Im Juni hatten sich die beiden Sorten in der Flasche noch nicht gefunden, im Herbst umso mehr. Der 2019er-Jahrgang ist gar besser als der 2018er.» Gekeltert werden die Mariazeller Weine beim Weingut Bisang in Altishofen.

Als Beat Felder 1987 als Rebbaukommissär begann, gab es im Kanton Luzern nur wenige Winzer. «Es waren fast schon Pioniere, sie bewirtschafteten knapp 10 Hektaren.» Heute sind es fast 80 Hektaren und 60 Winzer, und die Fläche wächst weiter. «Seit meinem Start sind übrigens die Jahresdurchschnittstemperaturen um mehr als zwei Grad Celsius gestiegen, und die Reben blühen 10 bis 14 Tage früher als damals. Seit etwa 1998 haben wir klimatisch eigentlich nur noch Topjahre.»

Treue Helferinnen und Helfer für die aufwendige Handarbeit

Felder führt das Weingut Mariazell im Nebenerwerb. Von Montag bis Donnerstag ist er am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain für den Bereich Spezialkulturen zuständig, hauptsächlich für den Rebbau. «Die Abende dienen der Administration des Weinguts. Unser Betrieb funktioniert weitgehend digital, die Bestellungen laufen über einen Webshop.» Dank treuer Seelen für die aufwendige Handarbeit im Rebberg – insbesondere durch das Ehepaar Ernst und Ida Bruggmann – könne er die Arbeit gut bewältigen, sagt Felder.

Quarzstein als Namensgeber für «J Muscat Sec»

Übrigens: «J» steht für Jaspis, einer feinkörnigen Quarz-Variante. «Der gelbe Jaspis steht für Fantasie und positive Eigenschaften, das passt zu diesem Wein», sagt Felder. Interessant ist, dass der «J Muscat Sec» laut Felder nie ein Verkaufsschlager war. «Von der Idee eines geradlinigen und lebendigen Muscat-Weines habe ich mich aber nicht abbringen lassen und ihn jedes Jahr weiterentwickelt.» Der Erfolg gibt ihm recht.

Ob Felder die Walliser sogar ein drittes Mal schlagen kann? Er schliesst es nicht aus. Vielleicht auch mit einem anderen Mariazeller Erzeugnis. «Der Schaumwein und der Sauvignon blanc gewannen auch schon Gold», sagt Felder.