SPORT: Slow-up: Freie Bahn für Velofahrer

Statt Motoren geben für einmal Langsamkeit, Gelassenheit und Plausch den Ton an. Tausende Velofahrer und Inlineskater nahmen am Slow-up um den Sempachersee teil.

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Auf den Strassen rund um den Sempachersee hatten Velofahrer gestern genug Platz, um sich auszubreiten. (Bild Dominik Wunderli)

Auf den Strassen rund um den Sempachersee hatten Velofahrer gestern genug Platz, um sich auszubreiten. (Bild Dominik Wunderli)

Hannes Bucher

Jede Menge Velos, viele davon mit kleinen Passagieren hinten auf dem Velositz oder im Kinderveloanhänger, dazu eine Musikband, die lautstark aufspielt: Fast hätte man sich gestern Vormittag in Sempach an einem Etappenort der Tour de Suisse oder einem andern grossen Radanlass wähnen können. Doch waren da auch noch viele flinke Inlineskater, Rollstuhlfahrer, ab und zu exotisch-originelle Gefährte auf zwei oder vier Rädern auszumachen und da und dort auch noch vereinzelte Jogger. Es war unverkennbar die Szenerie des Slow-ups Sempachersee. Zum 7. Mal konnte der Volksanlass frei von motorisiertem Verkehr gestern bei idealen äusseren Bedingungen ausgetragen werden. 24 Kilometer führt die Strecke rund um den Sempachersee. Um 10 Uhr wurde die Strecke durch Kantonsratspräsident Franz Wüest und die Schenkoner Leichtathletin Joelle Flück freigegeben.

7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
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7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

7. Slow Up um den Sempachersee (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Notfallset und Windeln

«Einsteigen», respektive starten konnten die Teilnehmer allerdings irgendwo auf der ganzen Strecke – und ebenso auch wieder pausieren, aufhören, aufgeben oder was auch immer. So etwa begann das Abenteuer für die Familie Veronique (45) und Guido Koch (43) aus Hildisrieden mit ihren bald dreijährigen Zwillingen Simon und Noé auf einem Getreidestoppelfeld vor Sempach. Vater Guido hat Pumpe, Flickzeug und Notfallset eingepackt; Mutter Veronique allfälliges Windelnwechseln und den kleinen Hunger zwischendurch mit einberechnet. «Alles, was es halt so braucht ...» Irgendwo winkte dann für alle noch «es Wörschtli» für den grösseren Hunger. Weshalb all diesen Aufwand? Die Antwort ist einfach: «Freude, als Familie etwas zu erleben, dies mit vielen andern zusammen zu teilen, sich zu bewegen.»

Traktoren mit Pedalen

Wen man auch ansprach – die Triebfeder für die Teilnahme scheint ähnlich zu sein: sich für einmal unbeschwert vom motorisierten Verkehr rings um den See bewegen zu können. Offensichtlichen Plausch hatten Lukas Kramer (13) und Joel Estermann (12) aus Nottwil. Ihre Go-Karts sind eigentliche Mini-Traktoren – zum Treten, versteht sich. «Drei Viertel der Strecke haben wir!», verkünden sie stolz. «Ja. Wir fallen schon etwas aus der Reihe mit unseren Fahrzeugen», sagen sie mit einem Lachen.

Alle Hände voll zu tun hatte Mario Lüthi an der SportXX-Garage in Sempach, die für die Teilnehmer zur Verfügung steht. Der Werbefachmann ­Lüthi arbeitet am Slow-up jeweils in seinem angestammten Beruf als Velomechaniker. «Aus Freud am Schrübele», wie er sagt. Seine Hauptarbeit an diesem Tag? «Velosättel richtig einstellen, Reifen pumpen und auch mal wechseln.»

Nächste Ausgabe in zwei Jahren

«Sehr zufrieden – gerade auch mit dem Wetter» war OK-Präsident Aldo Lehner am gestrigen Sonntagnachmittag: Das Wetter hielt, und gut 30 000 haben mitgemacht – in etwa gleich viele wie letztes Jahr. «Nur glückliche Gesichter habe sie gesehen», habe ihm eine Teilnehmerin gesagt. «Das ist für mich noch wichtiger als die Teilnehmerzahl», so der OK-Chef. Folgt in zwei Jahren die nächste Ausgabe? «Ja, selbstverständlich. Vorausgesetzt, die Gemeinden, die vielen Vereine und weiteren Helferscharen machen wieder toll mit. Anders könnten wir es gar nicht bewältigen.»