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SPORTANLAGEN: Hallenbad-Experte ist für Einheimischentarife

Die Stadt Luzern will mit Kriens und Emmen Einheimischentarife in Hallenbädern einführen. Damit macht sie sich in der Badelandschaft Schweiz zum Exoten.
Lena Berger
Schwimmerin im Hallenbad Allmend: Hier könnten die Tarife für Auswärtige schon bald ansteigen. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Schwimmerin im Hallenbad Allmend: Hier könnten die Tarife für Auswärtige schon bald ansteigen. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Thomas Spengler*, Sie kennen fast jedes Hallenbad in der Schweiz. Bricht die Stadt Luzern mit der Einführung von Einheimischentarifen ein Tabu?

Thomas Spengler: Der Vorschlag ist exotisch in der Schweizer Bäderlandschaft. Abgesehen vom Wiler Sportpark Bergholz bei St. Gallen, der demnächst öffnen wird, ist mir kein anderes Beispiel bekannt.

Wie kam es in Wil dazu, dass Einheimischentarife beschlossen wurden?

Spengler: Wil hat 57 Millionen Franken in den Bau des Sportparks mit Hallenbad und Eisfeld investiert. Das ist enorm für eine Stadt mit 18 000 Einwohnern. Es ist verständlich, dass man wollte, dass sich umliegende Gemeinden am Betriebsdefizit beteiligen. Ein solches Zentrum kann nicht allein über die Eintrittspreise finanziert werden. Der Einheimischenrabatt von rund 30 Prozent hat zehn Gemeinden motiviert, mit ins Boot zu steigen.

In Luzern hat man versucht, die Finanzierung regionaler Sportstätten über einen Gemeindevertrag zu lösen. (siehe Kasten). Das wäre doch eine einfachere Lösung?

Spengler: Ich finde es legitim, dass man nach Lösungen sucht, um die Zentrumslasten auszugleichen. Aber wenn man will, dass eine Nachbargemeinde etwas zahlt, dann muss man ihr dafür auch etwas bieten können. Einheimischentarife sind ein gutes Mittel, Geld ist ein starker Motivator. Ich empfehle, den Anreiz hoch anzusetzen – und Einheimischentarife so festzulegen, dass die Preissteigerung für die Bevölkerung deutlich spürbar ist. Also bei etwa 30 Prozent. Zudem macht es Sinn, das Angebot möglichst breit zu machen. Das heisst: Einheimischentarife nicht nur für Abonnemente, sondern auch für Einzeleintritte.

Der Aufwand, zu kontrollieren, ob jemand wirklich einheimisch ist, könnte aber sehr hoch werden. Wie wird dieses Problem in Wil gelöst?

Spengler: Wenn jemand ein Abonnement löst, gibt er am Schalter seine Adresse an. In den meisten Fällen lässt sich kontrollieren, ob dort tatsächlich jemand mit diesem Namen wohnt. Schwieriger wird es bei Einzeltickets, die am Automaten bezogen werden. Dort plant man nun, die Personen stichprobenmässig beim Lösen nach den Adressen zu fragen. Das ist sehr aufwendig und leicht zu umgehen.

Wie sähe Ihrer Meinung nach eine bessere Lösung aus?

Spengler: Ich finde: Wenn man Einheimischentarife einführt, muss die Durchsetzung auch konsequent kontrolliert werden. Es gibt technische Lösungen. Die Gemeinden könnten eine Art Community Card ausgeben, auf welcher der Wohnsitz elektronisch gespeichert ist. Wer ein Einzelticket löst, würde diese Karte in den Automaten einführen und per Fingerprint seine Identität bestätigen. Stimmen die Daten überein, kann der Eintritt zum reduzierten Preis bezogen werden.

Ist ein solches System nicht teuer?

Spengler: Ich schätze, allein fürs Hallenbad Allmend würde die Anschaffung einige 10 000 Franken kosten. Wenn mehr Institutionen hinzukommen, kostet es entsprechend mehr. Dafür ist der Kontrollaufwand danach gering. Die Karte müsste – es sei denn, sie geht verloren – nur einmal ausgestellt werden.

Käme es günstiger, wenn sich mehr Gemeinden dem Tarifverbund anschliessen würden?

Spengler: Die Anschaffung der Hardware bliebe gleich teuer. Aber die Karte würde attraktiver, je mehr Betriebe mit ihr besucht werden können. Wenn, dann sollten gleich alle Sportanlagen Einheimischentarife einführen.

Sie leiten selber ein Hallenbad in Schaffhausen. Warum sind dort Einheimischentarife kein Thema?

Spengler: Das wurde auch diskutiert. Wir haben uns aber dagegen entschieden. Im Hallenbad Allmend dagegen ist die Auslastung sehr gut. Und die Preise sind im Vergleich eher hoch (Anmerkung der Redaktion: Schaffhausen 8, Allmend 12 Franken für Erwachsene). Die Preise generell zu erhöhen, ist politisch nicht gewollt. Da aber zwei Drittel der Besucher aus Gemeinden stammen, die sich nicht am Betriebsdefizit beteiligen, macht es Sinn, Einheimischentarife zu prüfen.

Hätte man mit Einheimischentarifen – wie in Wil – vor der Eröffnung Druck auf die Gemeinden machen sollen?

Spengler: Das macht wohl keinen grossen Unterschied. Das Angebot, dass die eigene Bevölkerung weniger Eintritt zahlen muss, wenn sich eine Gemeinde beteiligt, ist ja das gleiche.

Hinweis

* Thomas Spengler (62) ist Präsident des Verbandes Hallen- und Freibäder Schweiz und Direktor des Hallenbads Schaffhausen.

Luzern Plus: Vorschlag scheiterte

Die Gemeinden Luzern, Kriens und Emmen wollen bei der Einführung von Einheimischentarifen zusammenspannen. Dies haben sie angekündigt, nachdem es die Mitglieder des Gemeindeverbands Luzern Plus abgelehnt hatten, sich finanziell an regionalen Sportanlagen zu beteiligen.

Zehn regionale Sportanlagen

Vorgesehen war, dass für die Gemeinden ein Beitrag festgelegt wird aufgrund der effektiven Zahl der Anlagenbenützer, die aus der Gemeinde stammen, der Einwohnerzahl und der räumlichen Distanz zur Sportanlage. Als Sportanlagen von regionaler Bedeutung definiert wurden das regionale Eiszentrum Luzern, die Eishalle Ebnet in Küssnacht, die Freibäder Kleinfeld, Kriens, Zimmeregg, Luzern, und Mooshüsli, Emmen, sowie die Hallenbäder Mooshüsli, Emmen, Krauer, Kriens, Allmend, Luzern, und Lido, Weggis.

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