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Integration fremdsprachiger Kinder: Frühe Sprachförderung zahlt sich aus

Sprachliche Frühförderung ist zentral für Chancengleichheit. Künftig sollen im Kanton Luzern noch mehr Vorschulkinder davon profitieren.
Roseline Troxler
In der Spielgruppe «Spielhof» in Nebikon erhalten die fremdsprachigen Kinder spezielle Sprachförderung. (Bild: Manuela Jans, 4. März 2013)

In der Spielgruppe «Spielhof» in Nebikon erhalten die fremdsprachigen Kinder spezielle Sprachförderung. (Bild: Manuela Jans, 4. März 2013)

«Fremdsprachige Kinder müssen wir früher abholen.» Dies unterstrich der damalige Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) im Mai dieses Jahres anlässlich einer Medienkonferenz zu den Grundkompetenzen. Die nationale Auswertung zeigte auf, dass es beim Abschneiden in den Kompetenzen Mathematik, Deutsch und Englisch grosse Unterschiede je nach sozialer Herkunft und Sprache gibt. Wyss lobte allerdings das Engagement einiger Gemeinden bei der frühen Sprachförderung.

Dazu zählt etwa die Gemeinde Nebikon, welche seit einigen Jahren der sprachlichen Frühförderung einen hohen Stellenwert einräumt. Schulleiter Joachim Redondo: «Wir sind eine Luzerner Landgemeinde mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Eltern und Kindern.» Rund die Hälfte der Kinder und Eltern hätten nicht Deutsch als Muttersprache. Die grösste Gruppe Fremdsprachiger stammt aus Portugal, gefolgt von Kosovo, Serbien und der Türkei. Redondo erklärt: «Durch die sprachliche Frühförderung vereinfacht sich die Integration der Kinder und sie wirkt sich auch positiv auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und das Zusammenleben in der Gemeinschaft aus.»

Zehnwöchiger Sprachkurs trainiert Grundwortschatz

Seit 2011 gibt es in Nebikon die Spielgruppe+, welche Sprachförderung spielerisch integriert. Die Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren treffen sich wöchentlich zweimal. Die Leiterinnen der Spielgruppe+ sind entsprechend ausgebildet. 2013 erhielt die Gemeinde für das Angebot einen Anerkennungspreis. «Die Spielgruppe+ ist ein gelungenes Beispiel für frühe Förderung, die sich positiv auf die kognitive, emotionale, körperliche und soziale Entwicklung eines Kindes auswirkt», hiess es im Kommentar der Jury.

Zusätzlich zur Spielgruppe+ wird seit einigen Jahren jeweils von März bis Juni während zehn Wochen ein Sprachkurs für fremdsprachige Kinder durchgeführt, um ihnen den Eintritt in den Kindergarten zu erleichtern. Vreni Scherrer ist seit 2015 Kursleiterin. Sie betont: «Sprache ist das Tor zur Welt. Sie ist essenziell, damit die Fremdsprachigen später im Unterricht mitmachen und Kontakt mit anderen Kindern haben können.»

Durch den Sprachkurs gelinge der Start im Kindergarten besser, ist sie überzeugt. In den Kursstunden, die einmal wöchentlich stattfinden, wird spielerisch der Grundwortschatz trainiert – Begriffe von Farben, über Lebensmittel bis hin zu Tieren. «Wir spielen mit den Kindern Memorie, singen oder üben Verse», erklärt Scherrer. Damit Eltern ihre Kinder in den Sprachkurs schicken, betreibt sie einen grossen Aufwand und führt teils mehrere Gespräche, um die Bedeutung des Kurses zu erklären. «Nur wenn wir die Kinder genug früh abholen, können wir Chancengleichheit ermöglichen», betont sie.

Gemeinde subventioniert den Sprachkurs

Es kommt laut Scherrer schliesslich selten vor, dass Eltern die Wichtigkeit des Kurses nicht verstehen würden. «Dafür braucht es aber Vertrauen und Mund-zu-Mund-Propaganda.» Man habe im Dorf Schlüsselpersonen definiert, welche die Muttersprache der Eltern sprechen und vermitteln. Laut Vreni Scherrer liegt es selten an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern, wenn Kinder den Sprachkurs nicht besuchen. Dieser wird von der Gemeinde subventioniert und kostet für zehn Wochen 100 Franken. «Ein Problem ist für Eltern hingegen die Organisation, da die Mehrheit im Schichtbetrieb arbeitet.» Die Galliker Transport AG in Altishofen ist ein zentraler Arbeitgeber der Region.

Joachim Redondo ist überzeugt. «Wenn man rechtzeitig in die Sprache investiert, kann man im Kindergarten früher mit dem pädagogischen Arbeiten beginnen.»

Kanton passt Regelung auf kommendes Jahr an

Frühe Sprachförderung gibt es laut Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, in verschiedenen Gemeinden bereits im vierten Schuljahr. Im letzten Schuljahr besuchten gut 250 Kinder in 11 Gemeinden die frühe Sprachförderung. Da die Stadt Luzern und weitere Gemeinde nachziehen, rechnet Vincent damit, dass sich die Zahl bald verdoppelt.

Auf das neue Jahr hin werden die Regelungen in der entsprechenden Verordnung nach einer Überprüfung angepasst. «Der Beitrag des Kantons wird im Durchschnitt verdoppelt. Neu übernimmt er wie bei den anderen Angeboten in der Volksschule 50 Prozent der Kosten – nach Abzug der Elternbeiträge. Denn eine Auswertung hat gezeigt, dass der Elternbeitrag für Familien ein Hindernis für den Besuch der frühen Sprachförderung sein kann», erklärt Vincent. Der Elternbeitrag liegt künftig zwischen 30 und 40 Prozent, zuvor war er zwischen 25 und 50 Prozent festgesetzt. Mit der Anpassung sollen Unterschiede zwischen den Gemeinden reduziert werden, heisst es weiter.

Neu ist ausserdem, dass auch Kitas berücksichtigt werden, welche entsprechend geschultes Personal haben und frühe Sprachförderung anbieten. Laut Gesetz über die Volksschulbildung können Gemeinden Kinder mit unzureichenden Sprachkenntnissen verpflichten, ein Jahr vor Kindergarteneintritt ein Angebot der frühen Sprachförderung zu besuchen.

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