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SPRACHENSTREIT: Lehrer: Kantone in der Pflicht

Eine oder zwei Fremdsprachen in der Primarschule? Bevor der Bund ein Machtwort spricht, solle sich die Erziehungsdirektoren­kon­ferenz (EDK) besinnen, sagt der Luzerner Lehrerverband.
Alexander von Däniken
«2019 werden wir sowieso eine Standortbestimmung vornehmen.» Beat Jörg, Präsident Zentralschweizer Bildungsdirektoren (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

«2019 werden wir sowieso eine Standortbestimmung vornehmen.» Beat Jörg, Präsident Zentralschweizer Bildungsdirektoren (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

Alexander von Däniken

Es war ein Machtwort, das Bundesrat Alain Berset am Mittwoch gesprochen hat: Wenn sich die Kantone nicht auf eine einheitliche Sprachenregelung einigen, müsse der Bundesrat eingreifen (Ausgabe von gestern). Berset sah sich zu diesem deutlichen Votum genötigt, nachdem sich die kantonale Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) zwar schon 2004 darauf einigte, dass in der Primarschule zwei Fremdsprachen vermittelt werden: die erste ab der dritten, die zweite ab der fünften Klasse. Eine davon muss eine Landessprache sein. An diesen Kompromiss hielten sich aber nicht alle Kantone. Auch im Kanton Luzern bröckelt die als 3/5-Modell bekannte Regelung (siehe Kasten).

Lehrerverband reagiert gelassen

So unterstützt der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) eine Initiative, welche nur eine Fremdsprache in der Primarschule fordert. LLV-Präsidentin Annamarie Bürkli nimmt Bersets Diktat auf Anfrage gelassen: «Die neuste Entwicklung tangiert die Initiative nicht. Diese gibt nicht vor, welche Fremdsprache erst in der Oberstufe unterrichtet werden soll.» Das heisst: Der Französischunterricht als Landessprache könne weiterhin auf der Primarstufe unterrichtet werden.

Dass die Erziehungsdirektoren sich 2004 auf zwei Fremdsprachen in der Primarschule festgelegt haben, ist laut Bürkli ein Entscheid, den es nun zu überdenken gilt. «Denn zahlreiche Studien haben gezeigt, dass zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe nicht zu besseren Resultaten führen.» Notfalls, sagt Bürkli weiter, «müsste die EDK einen Schritt zurückgehen».

Tatsächlich ist die Bildung eigentlich in der Hoheit der Kantone. Allerdings steht in der Bundesverfassung, dass der Bund eingreifen soll, wenn sich die Kan­tone nicht auf eine Schulharmonisierung einigen können. Dieser Artikel gilt seit 2006, als sich das Stimmvolk mit 86 Prozent Ja-Stimmen für eine Harmonisierung der Schule ausgesprochen hatte.

Standort­bestimmung 2019

Der Urner Landammann Beat Jörg (CVP) ist Präsident der Bildungsdirektorenkonferenz Zentralschweiz. Auch er reagiert gelassen auf das Machtwort von Alain Berset: «Das war zu erwarten.» Annamarie Bürklis Vorschlag, dass die EDK ihren Entscheid von 2004 überdenken soll, ist für Jörg zu voreilig: «2019 wird die EDK – gestützt auf den nationalen Bildungsbericht 2018 – sowieso eine Standortbestimmung zur Schulharmonisierung vornehmen.» Ob dann der Sprachenstreit ein Thema sein wird, hänge auch von der weiteren Entwicklung in den Kantonen ab. «23 Kantone haben zum jetzigen Zeitpunkt das beschlossene Schulmodell. Das ist beachtlich.» Zudem bestehe die Schulharmonisierung noch aus weiteren Teilen, die laut Jörg ebenfalls «grösstenteils erfolgreich umgesetzt» sind.

Entsprechend mahnt der Präsident der Zentralschweizer Bildungsdirektoren dazu, nicht gleich den Teufel an die Wandtafel zu malen. «Im Kanton Nidwalden zum Beispiel hat sich die Bevölkerung gegen eine Initiative und für das gängige Modell ausgesprochen.»

Über 7000 Unterschriften

Was die Luzerner Fremdspracheninitiative betrifft, so hat diese bereits eine grosse Hürde genommen. 2014 mit über 7000 Unterschriften eingereicht, befand sie der Regierungsrat für ungültig. Ein externes Gutachten kam indes zu einem anderen Schluss: Die Initiative verstosse nicht gegen übergeordnetes Recht. Am 1. Dezember letzten Jahres hat auch das Parlament die Initiative für gültig befunden – mit 112:0 Stimmen. Entgegen der Empfehlung des Regierungsrats. Die Initiative wird voraussichtlich nächstes Jahr vors Volk kommen.

Eine ganz ähnliche Entwicklung gibt es im Kanton Zürich. Auch dort gibt es eine Volksinitiative: «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primar­schule». Gestern teilte der Zürcher Regierungsrat mit, dass er dem Parlament empfehle, die Initiative abzulehnen, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet.

Schon weiter ist der Kanton Thurgau. Dort hat das Parlament bereits im August 2014 beschlossen, den Französischunterricht von der Primarschule in die Sekundarschule zu verschieben. Die Vernehmlassung zum neuen Thurgauer Lehrplan ist nun Ende Juni abgeschlossen worden.

Das steckt hinter dem 3/5 Modell

Englisch ab der dritten Primarklasse, Französisch ab der fünften: Das sogenannte 3/5-Modell gibt es in den meisten Deutschschweizer Kantonen; so auch in Luzern, Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden. In Uri ist Italienisch als zweite Landessprache ab der 5. Klasse ein Wahlpflichtfach. Mehr Unterschiede gibt es bei der Lektionenzahl. Im Kanton Schwyz gibt es in der Primarschule 8 Jahreswochenlektionen Englisch, also durchschnittlich zwei Lektionen Englisch pro Woche und Schuljahr.

In den anderen Zentralschweizer Kantonen sind es 10 Jahreswochenlektionen. Französisch wird in Schwyz, Nidwalden und Luzern durchschnittlich in zwei Lektionen pro Woche und Primarschuljahr unterrichtet. In Luzern und Nidwalden ist eine zusätzliche Lektion geplant, was dem Niveau von Zug und Obwalden entspricht.

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