ST. ERHARD: Auf der stetigen Suche nach Glücksgefühlen

Die Natur fotografieren bedeutet für Heidi Jost pure Leidenschaft. Doch auch Menschen stehen für sie immer wieder im Zentrum.

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Warten auf den perfekten Moment: Heidi Jost lauert ihrem nächsten Bildmotiv auf. (Bild Dominik Wunderli)

Warten auf den perfekten Moment: Heidi Jost lauert ihrem nächsten Bildmotiv auf. (Bild Dominik Wunderli)

In den Produktionsräumen der Gettnauer Firma Bossart + Partner AG ist mittlerweile der Feierabend eingekehrt. Fast andächtig still betrachtet die Naturfotografin Heidi Jost (54) ihre an den Wänden hängenden Bilder. Ob Osterluzeifalter, Laubfrosch, Gebänderte Prachtlibelle oder Goldwespe: «Diese Ausstellung macht mich stolz», sagt sie. Und sie nennt auch gute Gründe dafür: Acht Jahre nach ihrer Präsentation von Bildern im Luzerner Natur-Museum «ist es diesmal meine bisher grösste und sicherlich auch schönste». Und ebenfalls stolz ist sie darüber, dass bei der von rund 250 Personen besuchten Vernissage mit Markus Blocher ein guter, die Natur ebenfalls liebender Freund die Laudatio hielt.

Auf Empfehlung nach Dottikon

Die Verbindung zum Sohn mit dem grossen Schatten eines berühmten Vaters begann übrigens vor einigen Jahren fast zufällig. Der Unternehmer meldete sich auf Empfehlung bei ihr. Heidi Jost sagt: «Er suchte eine leidenschaftliche Naturfotografin.» Schon bald führte ihr Weg ins aargauische Dottikon. Dort erkundete und fotografierte sie während eines Jahres die Natur auf einem 500 000 Quadratmeter grossen Gelände mit Industriebrache und (Ur-)Waldteil. «Die schönsten dieser Fotos integrierte Markus dann einerseits als Auflockerung zum kopflastigen Teil im Geschäftsbericht. Und andererseits stellte er sie grossformatig in den Gängen der Firma aus», erinnert sie sich. In diesem Zusammenhang sei wohl auch bei Rolf Bossart die Idee einer Zusammenarbeit mit Heidi Jost gereift. Den Kantonsrat und ehemaligen Bildungsverantwortlichen von Schenkon kennt sie aus ihrer vierjährigen Zeit als Gemeinderätin von Knutwil.

Wenig später Szenenwechsel: In ihrem eigenen Reich in St. Erhard kann man die Naturverbundenheit der 54-Jährigen nicht nur visuell festhalten. Diese lässt sich in ihrem naturnahen Garten mit Teich und Bachlauf förmlich greifen. Es ist ein idyllisches Plätzchen zum Verweilen. Durch die naturnahe Gestaltung finden Libellen, Erdkröten, Grasfrösche oder Mauereidechsen ebenfalls ihr passendes Zuhause.

Ob bei der Fotografie, im Beruf als Handarbeitslehrerin oder ganz generell im Umgang mit Kindern: Heidi Jost ist eine Frau mit vielen Begabungen. Und dafür hat sie ein einfaches (Erfolgs-)Rezept. «Das Leben bedeutet für mich Leidenschaft.» Doch die Frau mit einem grossen Herzen für Mensch, Tier und Natur kennt in sich durchaus auch eine sensible Ader. Und ihr Leben ist zuweilen gefüllt mit einer grossen Portion an Emotionen.

Die Kraft für ständig neue Projekte holt sie in der Natur. Oder wenn sie mit dem Velo und einer ihrer Kameras einfach mal wegfährt. Dann kann es schon mal vorkommen, dass sie etwas entdeckt und Zeit und Umgebung völlig vergisst.

Stundenlanges Beobachten

Viele Bilder entstehen spontan. Bei der Bestimmung der Motive nach Familie, Gattung und Arten wird sie von ihrem Mann unterstützt. «Wir ergänzen uns, was ich als grosses Geschenk empfinde», sagt sie. Heidi Jost ist nicht nur eine Perfektionistin. «Ich habe auch einen unbändigen Willen und gebe nie auf.»

Sehr oft vor der eigenen Haustür in Wäldern, an Bächen oder auf Wiesen unterwegs, richtet sie ihren Fokus ebenfalls auf die kleinsten Lebewesen wie beispielsweise Insekten. Kriechen und Robben, gepaart mit stundenlangem Beobachten, erzeugt in ihr Glücksgefühle.

In der Natur findet sie auch die nötige Ruhe. Ihre Fotografien beinhalten denn auch selten Actionbilder. Vielmehr ist es die Harmonie, die sie interessiert. Wohl wissend zwar, dass Bewegung zum Kreislauf der Natur gehört. Sie sagt: «So halte ich bei passender Gelegenheit natürlich auch fest, wenn zum Beispiel eine Wespe einer Spinne die Beute abjagt.»

Offene und lebensbejahende Art

Begonnen hatte alles um 1985, als sie ihren Ehemann kennen lernte. «Seit rund 20 Jahren fotografiere ich leidenschaftlich», erinnert sich Heidi Jost. Und noch immer ist sie im Besitz eines nunmehr 25-jährigen Makroobjektivs. Obwohl sie heute auch digital fotografiert, ist es ihr ein Anliegen, das Foto in der Natur zu gestalten. Was heisst: das Bild nicht am Computer verändern. Den Lohn ihrer Arbeit sieht Heidi Jost durchaus auch darin, «wenn Menschen meine Fotografien anschauen und davon berührt sind».

Mit ihrer offenen und lebensbejahenden Art möchte sie aufzeigen, dass die Schönheit direkt vor der Haustür sichtbar ist. Und sie ist überzeugt: «Wer die Zeit findet und sich mit der Natur auseinandersetzt, kann daraus unglaublich viel Kraft und Energie schöpfen.»

ERNESTO PIAZZA

hinweis

Am Samstag, 9. Mai, und am Sonntag, 10. Mai, finden bei der Bossart + Partner AG, Gettnau, jeweils von 13 bis 16 Uhr weitere Besichtigungen und Führungen durch die Ausstellung statt.