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ST. ERHARD: Sein Handwerk treibt Trend voran

Alphornklänge gehören zum 1. August wie das Feuerwerk. Auch ausserhalb des Nationalfeiertags erfreut sich das Instrument aber immer grösserer Beliebtheit, wie ein Besuch bei einem Alphornbauer zeigt.
Stephan Santschi
Thomas Eichenberger stellt in seiner Werkstatt pro Jahr rund 30 Alphörner her. (Bild: Pius Amrein (St. Erhard, 28. Juli 2017))

Thomas Eichenberger stellt in seiner Werkstatt pro Jahr rund 30 Alphörner her. (Bild: Pius Amrein (St. Erhard, 28. Juli 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Normalerweise steigt Thomas Eichenberger um 6.30 Uhr in die Werkstatt hinunter; wenn er nicht schlafen kann, kann es auch zwei Stunden früher sein. Dort, wo früher die Garage war, werden dann Alphörner gebaut. Wenn er um 18 Uhr Schluss macht, legt er das Instrument nicht einfach zur Seite. Vielmehr ist es nun Zeit, seinen Schülern Alphornunterricht zu geben – manchmal bis 22 Uhr. Kein Zweifel: Thomas Eichenbergers Beruf ist auch seine Passion, alles dreht sich beim 50-jährigen Knutwiler ums Alphorn. «Der Umgang mit Holz liegt mir einfach. Es ist faszinierend, was man aus einem Baumstamm alles ­machen kann.» Seit 2012 stellt der gelernte Möbelschreiner Alphörner her – zunächst im Nebenerwerb, mittlerweile vollamtlich. Ein Zeichen dafür, dass die Szene boomt, «in der Schweiz gibt es rund 30 Alphornbauer, und es werden immer mehr».

Woran das liege? «Das hat mit Swissness zu tun. An Schwing- und Jodlerfesten sind heute auch viele Jugendliche unterwegs. Wer sich ein Edelweisshemd kaufen will, braucht das nicht mehr wie früher im Spezialgeschäft zu tun, heute erhält er es auch im Aldi oder im Lidl.» Vielleicht ist es auch auf die Schnelllebigkeit in der heutigen Gesellschaft zurückzuführen, wenn sich die Menschen wieder den eigenen Traditionen zuwenden. Eichenberger hat hierzu jedenfalls ein schönes Beispiel parat: «Ein Teilnehmer hat sich nach vielen Unterrichtsstunden im Alphornspiel kaum verbessert. Er gab zu, dass er zu Hause kaum üben würde.» Auf die Frage, weshalb er dann zu ihm komme, antwortete er: «Im Beruf habe ich viel Stress. Während der einen Stunde, die ich mit dir Alphorn spiele, kann ich runterfahren und muss an nichts denken.»

Seine Alphörner sind sogar in Peru gefragt

Zwischenzeitlich ist die Auftragslage für Thomas Eichenberger derart angestiegen, dass man bei Bestellung etwas länger auf sein Alphorn wartet. Vom 11- bis zum 90-Jährigen sei dabei jede Generation vertreten, «auch Frauen spielen immer öfter Alphorn, was früher fast undenkbar war». Seine Kunden kommen vornehmlich aus der Zentralschweiz, aber auch aus den Kantonen Bern, Zürich und dem Tessin. «Ein Stück ging sogar an einen Auslandschweizer in Peru, ein anderes nach Amerika.» Jährlich stellt er rund 30 Alphörner her, über 100 Arbeitsschritte seien für ein Instrument nötig, zudem verrichtet er Reparaturarbeiten. Das Rohmaterial, die Haselfichte, bezieht er aus dem Entlebuch, das Peddigrohr zum Einbinden des Holzrohrs stammt aus Indonesien. Wurden die Alphörner früher an einem Stück hergestellt, bestehen sie heute aus drei, vier oder mehr Teilen. Praktisch für den Kunden, der das 3 bis 3,60 Meter lange ­Instrument auseinandernehmen und im Auto oder in einer Tragetasche transportieren kann.

In einer Bergbeiz habe er ­dabei ein Aha-Erlebnis gehabt, erzählt der Familienvater mit einem Schmunzeln. «Ein Alphornbläser sah mich und sagte: ‹Das ist jetzt einer von denen, die so viel Leim brauchen.› Ich konnte nicht zulassen, dass man so über mich redet. Und habe den Herstellungsprozess umgestellt.» Anstatt Furniere übereinander zu leimen, fräst er das Alphorn nun aus dem Holzstamm heraus. Das eigentliche Berufsgeheimnis finde sich aber in der Dicke des Rohrs, «es ist entscheidend für den Ton und die Ansprache», erklärt Eichenberger und hält fest: «Genaues, sauberes Arbeiten ist sehr wichtig, weil das Alphorn über die gesamte Länge gleich dick sein sollte.» Mit Qualität sei einiges herauszuholen, dann sei der Kunde auch bereit, etwas mehr zu zahlen. Bei Eichenberger kostet ein Alphorn rund 3500 Franken. Die Branche spürt den Konkurrenzdruck von Billiganbietern aus dem Ausland. Im Kanton Luzern finden sich derweil weitere Alphornbauer in Kriens (Tobias Bärtschi, Josef Stocker), Eich (Otto Emmenegger) oder Reiden (woodARTmusic).

Eichenberger und der Weltrekord in Mailand

Und wie ist das nun mit dem Alphornblasen: Ist es für einen Anfänger wirklich so streng, wie die ersten Versuche von asiatischen Touristen auf Zentralschweizer Bergen vermuten lassen? «Nein», entgegnet Eichenberger und lacht. «Es gibt zwei, drei einfache Tricks, um einen Ton zu erzeugen.» Einfach nur reinblasen, gehe natürlich nicht. «Wenn Sie die Lippen aber so spitzen, wie wenn Sie ein Haar vom Arm pusten wollen, sollte es bereits klappen.» Gesagt, getan – Thomas Eichenberger setzt sein persönliches Alphorn zusammen, steht vor die Werkstatt und spielt im Rahmen unseres Fotoshootings zwei stimmungsvolle Stücke.

Den Kühen gefällt der warme Klang des Alphorns übrigens ebenfalls, sie werden wie von einem Magneten angezogen. Womit wir beim ursprünglichen Verwendungszweck des Alphorns wären. Lange Zeit war es das Werkzeug der Hirten, um die Herde von der Weide zum Stall zu rufen. Ob das Alphorn seinen Ursprung tatsächlich in den Schweizer Alpen oder im Ausland hat, ist indes nicht abschliessend geklärt. Auch so hat es bei uns aber längst den Status eines Nationalsymbols erreicht. Im Jahr 2015 sicherten sich 420 Schweizer inklusive Thomas Eichenberger mit dem grössten Alphornkonzert vor dem Mailänder Dom sogar einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde. Und morgen, an den Feierlichkeiten des 1. August, ist es ohnehin nicht mehr wegzudenken. Auch nicht in Schötz, wenn Eichenberger mit der Alphorngruppe Santenberg ab 10.30 Uhr für Gänsehaut-Atmosphäre sorgen wird.

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