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ST. KARL: Der Kirchenmann ohne Stallgeruch

Armin Huber war Gemeindepräsident von Meierskappel und arbeitete für Grosskonzerne. Seit 40 Tagen ist er bei der katholischen Kirche – als erster «weltlicher» Geschäftsführer einer Pfarrei.
Remo Wiegand
Der neue Geschäftsführer der Pfarrei St. Karl, Armin Huber (54), vor «seiner» Kirche. (Bild Philipp Schmidli)

Der neue Geschäftsführer der Pfarrei St. Karl, Armin Huber (54), vor «seiner» Kirche. (Bild Philipp Schmidli)

Remo Wiegand

Ein Pfarreimitglied wollte es gleich genau wissen: «Kommen Sie jetzt, um die Pfarrei aufzuheben?», wurde Armin Huber gefragt, nachdem er eben seine Stelle in St. Karl angetreten hatte. Ist der Mann, der als erster Nichttheologe in einer Luzerner Pfarrei eine Leitungsfunktion innehat, ein heimlicher kirchlicher Konkursverwalter?

Huber sitzt in seinem geräumigen Büro bei der St.-Karli-Kirche. Nach den ersten sechs Wochen im Amt ist es noch kaum gefüllt, auch Zügelkisten fehlen. Alles ist schlicht, karg, bescheiden – wie Huber selbst. Der gross gewachsene 54-Jährige ist die Unaufgeregtheit in Person. Er spricht langsam, schmunzelt gerne breit, gönnt sich Pausen – und gelegentlich Phrasen. Huber ist kein Mann der grossen Worte. Es ist eher seine klare Präsenz, die eine Antwort auf die Frage gibt, ob er jetzt «die Pfarrei aufzuheben» gedenke. Huber denkt nicht daran. Er ist gekommen, um zu bleiben. Mitsamt der Pfarrei.

Mittels Blindbewerbung

Dass Armin Huber in einer Stadtluzerner Pfarrei mit rund 3000 Mitgliedern und 14 Mitarbeitern angeheuert hat, ist nicht selbstverständlich. Bislang pendelte er zwischen Dorfleben und Weltbühne. In Meierskappel wuchs er auf einem Bauernhof neben zwölf Geschwistern auf, hier lebt er bis heute mit seiner Familie, hier amtete er sieben Jahre als Kirchenrat und acht als Gemeindepräsident. Zugleich arbeitete er bei internationalen Grosskonzernen als Logistiker, sorgte dafür, dass Lieferwaren wie Stromzähler oder Weinkisten am richtigen Ort ankommen. Der Mann war Kadermitglied, er weiss, was er kann und will. Und eines Tages wollte er zur Kirche. «Die Erfahrung als Gemeindepräsident hat mir gezeigt, dass ich gerne verschiedene Leute zusammenbringe», sagt Huber. Mittels Blindbewerbung wandte er sich an die katholische Kirche der Stadt Luzern.

Wo das Menschliche wichtig ist

Wollte sich da einer vom harten Pflaster der Privatwirtschaft ins vermeintlich kuschelige Sozialarbeitsmilieu retten? Nein, sagt Huber ruhig. «Ich hätte mir vorstellen können, weiter als Logistiker zu arbeiten, ich hatte auch Angebote. Ich entscheid mich aber dann für die neue Herausforderung, wo das Menschliche noch etwas wichtiger ist.» Die Luzerner Kirchenleitung verband Hubers Bewerbung mit der Situation in der Pfarrei St. Karl, wo einige Personalwechsel und eine vakante Leitungsstelle nach einem Neuanfang riefen. Huber sollte –abgesehen von der seelsorgerlichen Hauptverantwortung – als erster «Weltlicher» eine Pfarrei führen. «Das musste ich mir dann zwei Mal überlegen», gesteht der Mann, der schliesslich sein Ja-Wort gab und nun plötzlich als Pionier dasteht.

Gastgeber fürs Quartier

Der Start in St. Karl verlief reibungslos. «Für die Menschen ist es nicht so wichtig, dass ich nicht Theologe bin. Sie freuen sich, dass nach den vielen Mutationen wieder ein Vorgesetzter da ist», berichtet Huber. Er lobt seine «willigen Mitarbeiter» und die vielen Engagierten, die ihm den Einstieg leicht machten, ebenso die professionelle Organisation und Informatik der Luzerner Kirche, die den Vergleich mit einem mittelgrossen KMU nicht zu scheuen brauche. Huber ist daran, sich einzuleben und einzulesen, er führt erste Personalgespräche und bereitet Teamsitzungen vor. Bereits ziemlich fest im Sattel sitzt er als Verantwortlicher des Pfarreizentrums: «Heute Morgen habe ich Mietverträge mit einer Guuggenmusig, mit der christlich-eritreischen Gemeinde und mit der Familie eines tamilischen Täuflings abgeschlossen», erzählt Huber. Schweizer und Migranten geben sich im Pfarreiheim die Klinke in die Hand – typisch für die Pfarrei St. Karl.

Kein fleissiger Kirchengänger

Huber ist christlich sozialisiert, ein besonders fleissiger Gottesdienstbesucher ist er aber nicht. Ein Durchschnittschrist. Auch die Durchschnittssprache der hiesigen Kirche hat er bereits verinnerlicht: Lieber als von Gott und vom Glauben spricht er von der Kirche als Gastgeberin, vom Willen, alle Menschen ernst zu nehmen, und von der Wichtigkeit, im Quartier Akzeptanz zu finden. Wie er das fördern will? «Ich denke, es ist wichtig, unsere Mitarbeit bei grösseren Quartieranlässen anzubieten», sagt Huber. Auch Aktionen wie das Strickprojekt, bei dem die Brückenpfeiler der St.-Karli-Brücke letztes Jahr symbolstark umgarnt wurden, sind für ihn geeignete Formen, als Kirche etwas fürs Quartier zu tun.

Grosser Fussballfan

Huber wird indes in seiner neuen Rolle nicht nur Schönwetterveranstaltungen orchestrieren. Gewiss wird er auch als Krisenmanager einer Kirche gefordert sein, die genug Baustellen kennt. Rüstzeugs für diese Aufgabe holt der Fussballfan unter anderem als Vorstandsmitglied des FC Rotkreuz, wo Konflikte und teils gar Schlägereien auf dem Spielfeld in den letzten Jahren immer wieder eine ordnende Hand verlangten. Auch beim Fussball kennt Armin Huber übrigens beide Pole: die Provinz wie die grosse weite Fussballwelt – Letzteres als langjähriger Fan und Jahreskartenbesitzer des FC Basel. Sollte dieses Geständnis Huber in Luzern Schwierigkeiten bereiten: Er dürfte sie gelassen meistern.

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