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ST. URBAN: Einfachheit und barocker Zuckerguss vereint

Die Klosterkirche St. Urban feiert heuer ihren 300. Geburtstag. Das imposante Bauwerk hat gleich mehrere Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Susanne Balli
Reich verziert und schlicht zugleich: das Innere der Klosterkirche St. Urban. (Bild Roger Grütter)

Reich verziert und schlicht zugleich: das Innere der Klosterkirche St. Urban. (Bild Roger Grütter)

Mit ihrem weiss getünchten Innenraum, den zahlreichen filigranen Stuckaturen und den mit Gold verzierten Altären wirkt die Klosterkirche des ehemaligen Zisterzienserklosters St. Urban auf den ersten Blick wie barocker Zuckerguss. Die Kirche feiert heuer ihren 300. Geburtstag und gilt als eines der schönsten Beispiele unter den Kirchenbauten der vorarlbergischen Baumeister. 1711 bis 1715 wurde die Hallenkirche durch den Vorarlberger Franz Beer unter Abt Malachias Glutz erbaut. Von aussen sieht sie mit ihren zwei Türmen mit roten Hauben und den angedeuteten Pilastern imposant aus.

Verbindung von Gegensätzen

«Das Einzigartige an dieser Kirche ist die äusserst gelungene Synthese zwischen der zisterziensischen Spiritualität und des Barocken», sagt Bernhard Minder. Er ist Kirchenratspräsident und macht als ausgezeichneter Kenner der Klosterkirche St. Urban regelmässig Gruppenführungen durch das Gotteshaus. Diese Synthese zwischen zwei Gegensätzen dem üppigen Barockstil und der asketisch-zisterziensischen Haltung – widerspiegelt sich im Äusseren wie auch im Innern der Klosterkirche St. Urban. So sind an der Kirchenfront Nischen zu sehen, die bewusst leer blieben. «Im Innern der Kirche gibt es viele sogenannte Spiegel an der Decke, die normalerweise bemalt sind. Auch diese bleiben bewusst leer», sagt Minder. Dies ist durch die Haltung der Zisterzienser zu erklären, die Wert auf Einfachheit legen. Nichts soll die Mönche von der Liturgie ablenken. «Die leeren Spiegel sollen mit eigenen Bildern gefüllt werden. Das ist auch eine Anregung zur Auseinandersetzung mit dem Glauben», erklärt Minder.

Spannende Details hat die Kanzel zu bieten, die rund 40 Jahre nach dem Kirchenbau geschaffen wurde. Einer der vier Engel auf dem Schalldeckel der Kanzel trägt eine auffällige Kopfbedeckung. «Ich werde immer wieder gefragt, was der Engel mit dem Cowboyhut soll. Der Engel stellt die Figur des heiligen Hieronymus dar, der Hut ist ein Kardinalshut», sagt Minder und schmunzelt.

Geschenk des Sonnenkönigs

Eindrücklich ist auch der Hochaltar aus der Zeit um 1665, der aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche stammt. Der untere Teil mit den Evangelisten wurde laut Minder erst nach dem Bau der Klosterkirche ergänzt. Der ursprüngliche Altar der Vorgängerkirche war für die Klosterkirche schlichtweg zu klein.

Das Hauptbild stellt den heiligen Bernhard von Clairvaux dar, mittelalterlicher Abt, Kreuzzugsprediger und Mystiker, der einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens war. Das Bild war eine Schenkung des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. «Man geht davon aus, dass das Geschenk die Beziehung zwischen der alten Eidgenossenschaft und der französischen Krone fördern sollte. Es steckt also nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine politische Dimension dahinter», sagt Minder.

Erwähnenswert sind auch die Glasfenster im Chor, die als grösster zusammenhängender Komplex venezianischen Mondglases in der Schweiz gelten.

Besonders augenfällig ist der auf der gegenüberliegenden Seite reich mit Gold verzierte Orgelprospekt der Bossard-Orgel (17161721). Sie gilt mit ihren 3 Manualen, 40 Registern und über 2500 Pfeifen als grösste noch weitgehend erhaltene Barockorgel der Schweiz und als Hauptwerk des Baarer Orgelbauers Joseph Bossard aus Baar.

Verkauft und zurückgekauft

Nicht nur die Klosterkirche, sondern die ganze Klosteranlage St. Urban gilt als Juwel barocker Baukunst in der Luzerner Landschaft. Das Zisterzienserkloster wurde 1194 durch Mönche der Abtei Lützel (Elsass) gegründet und hat eine bewegte Vergangenheit. 1848 wurde das Kloster vom Kanton Luzern aufgehoben und das Inventar verscherbelt. Mit dem Erlös wurden die Schulden aus dem Sonderbundskrieg getilgt. Allerdings kaufte der Kanton Luzern die Klosteranlage bereits 1870 wieder zurück. 1873 wurde darin eine kantonale «Irrenanstalt» eröffnet.

Heute wird ein Teil der Klostergebäude dank der Klinikneubauten, die ab 1980 in unmittelbarer Nähe zur Klosteranlage bezogen werden konnten, für kulturelle Zwecke wie Führungen, Konzerte sowie weitere Veranstaltungen genutzt. Seit 2006 ist St. Urban der Hauptsitz der Luzerner Psychiatrie.

Neben dem Besuch der Klosterkirche lohnt sich auch eine Führung durch die weiteren Sehenswürdigkeiten der Klosteranlage. Dazu gehört die Bibliothek, die wie die Kirche auch unter Abt Malachias Glutz um 1719 bis 1722 entstand.

Prunkraum für festliche Anlässe

Der 1721 bis 1723 erbaute, jedoch erst nach 1750 ausstuckierte Festsaal im südlichen Klosterflügel ist der Prunkraum der barocken Klosteranlage. Früher war er Schauplatz hoher Klosterfeste, heute kann der aussergewöhnlich weite und eindrückliche Saal für Konzerte und festliche Anlässe wie zum Beispiel Hochzeitsbankette gemietet werden.

Susanne Balli

Hinweis

Die bereits erschienenen Artikel der Serie «Kirchen im Kanton Luzern» finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien
Quellen: www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch und www.st-urban.ch. Unter letzterer Adresse finden sich weitere Infos zum Kloster, zu den Veranstaltungen anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums und zu kostenpflichtigen Führungen durch die Kirche.

Eingangstüre zur Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Eingangstüre zur Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Hochaltar in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Hochaltar in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Hochaltar und Orgen in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Hochaltar und Orgen in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Chorbestuhlung in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Chorbestuhlung in der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Aussenansicht der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

Aussenansicht der Klosterkirche St. Urban (Bild: Roger Grütter)

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