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ST. URBAN: Sie wagen den Neustart mit Bio

Thomas Grüter verzichtet seit kurzem auf Kunstdünger. Er stellte seinen Betrieb auf Bio um. Seither rangiert er unter den grössten Biolandwirten im Kanton.
Ernesto Piazza
Brigitte und Thomas Grüter freuen sich: Seit dem 1. Januar gehören sie zu den Bio- Landwirten. (Bild Nadia Schärli)

Brigitte und Thomas Grüter freuen sich: Seit dem 1. Januar gehören sie zu den Bio- Landwirten. (Bild Nadia Schärli)

ernesto piazza

11,3 Millimeter habe es in der letzten Nacht geregnet, sagt Brigitte Grüter (51). Dass sie diese Menge so genau kennt, hat einen simplen Grund: Auf dem Sonnhaldenhof in St. Urban steht eine Messstation. Jetzt – am Morgen danach – steht sie zusammen mit ihrem Ehemann Thomas (52) im Rapsfeld. Gemeinsam begutachten sie die reifenden Knospen. Was sie entdecken, bereitet ihnen wenig Freude. Der Rapsglanzkäfer nistet sich seit Wochenbeginn ein. «Er kann beim biologischen Anbau dieser Frucht ein Killerkriterium sein», so Thomas Grüter, der im Kantonsrat für die CVP politisiert. Mit dem Resultat: dass man letztlich nichts dreschen könne und einen Totalausfall der Ernte erleide.

Neue Maschine entwickelt

Um dem Missstand zu begegnen, hätten sie eine Maschine entwickelt, erzählt er. Mit ihr soll der Käfer von der Blüte «abgesaugt» werden. Nur: Damit das Gefährt eingesetzt werden kann, sind jetzt einige trockene Tage nötig. Die Situation beim Raps konfrontiert ihn mit einer neuen Herausforderung.

Zwanzig Jahre hat Grüter den Sonnhaldenhof auf einer Nutzfläche von 115 Hektaren nach integrierter Produktion mit seinen vier Betriebszweigen Milchwirtschaft, Schweinemast, Acker- und Obstbau betrieben. Damit gehörte er grössenmässig zu den Top 5 der Landwirtschaftsbetriebe im Kanton.

Auf den 1. Januar stellte er den Betrieb auf Bio um. Damit ist er in guter Gesellschaft – 7,5 Prozent der Luzerner Bauern produzierten 2015 Bioprodukte (plus 0,4 Prozent, siehe Grafik). Momentan befindet sich Thomas Grüter innerhalb der zweijährigen erfolgreich zu durchlaufenden Frist, um die Zertifizierung «Bio Knospe» von Bio Suisse zu erlangen. Grössenmässig rangiert er nun unter den Top 3 der Biobetriebe im Kanton.

Bio-Trend feststellbar

Diese einschneidende Veränderung «ist ein Familienentscheid und passierte nicht von heute auf morgen», betont der Pfaffnauer Gemeindepräsident Thomas Grüter. Der Entschluss habe reifen müssen, sagt Ehefrau Brigitte. Dabei setzten sie sich intensiv mit zwei Fragen auseinander: Wo liegt die Zukunft des Betriebs? Und: Was würde eine Umstellung bedeuten? «Letztlich entschieden wir uns, für die nächsten 15 Jahre nochmals einen Neustart zu wagen», so Grüter.

Einen wichtigen Einfluss auf die Umstellung hatte der Schweizer Bio-Ackerbautag vom letzten Juni im Jura. «Bei Gesprächen konnte ich ein sehr gutes Klima feststellen», so der Meisterlandwirt. Mit ein Grund für die Bioprodukte-Herstellung sei der dahin gehende Trend beim Konsumenten. «Zudem ist auch das eidgenössische Parlament ‹grüner› geworden», sagt Grüter. Bereits im Herbst säte er Wintergetreide aus. Wohl wissend, dass die Zeit des Einsatzes von Kunstdünger oder Chemikalien vorbei ist.

Grosse bauliche Veränderungen mussten auf dem Hof keine vorgenommen werden. Lediglich einige Küheliegeplätze liess Grüter zusätzlich bauen und kompensiert damit die sinkende Milchleistung. Mit dieser Massnahme kann er auch das bisherige «Milchlieferrecht weiter melken». Er sagt: Bei der Produktion handle es sich im Moment um konventionelle Milch unter Biobedingungen. Der Erlös erfolgt für die nächsten beiden Jahre ebenfalls zu konventionellen Preisen. Erst dann greift der höhere Biomilchpreis von zirka 82 Rappen.

Mehr manueller Arbeitsaufwand

Künftig will Grüter nach der Maxime «etwas weniger ist etwas mehr» produzieren. Diesen Slogan bezieht er vor allem auf den Verzicht von chemischen Mitteln. Wobei er auch weiss: «Die frühere Situation stimmte für mich genauso.» Oder anders formuliert: alles zu seiner Zeit. «Entscheidend auf dem Weg hin zu mehr Ökologie ist die persönliche Einstellung.» Ein Ziel der Bioproduktion sei es zudem: die produzierten Nährstoffe wie Gülle und Mist betriebsintern wieder zu verwenden. Ein besonderes Augenmerk gelte es zudem, auf die Fruchtfolge und die Getreidesortenwahl zu richten.

Speziell der Obstbau bedeutet eine grosse Herausforderung. Weil sehr spezielle Biospritzmittel verwendet werden, sei vermehrt manueller Arbeitsaufwand gefordert, so Grüter. Diese Steigerung werde sich auch auf den Ackerbau auswirken. So mussten auch Schädlinge mechanisch bekämpft werden.

Bei der Vermarktung können Grüters weiter auf ihre bewährten Absatzkanäle zählen. Lediglich die Äpfel – jährlich werden zwölf Sorten mit einem Gesamtvolumen von 70 bis 80 Tonnen produziert – sollen neu über den Handel (Obsthalle Sursee) sowie über Direktvermarktung verkauft werden.

Generell spricht Grüter von «grossem Respekt für die neue Aufgabe». Dennoch: «Die Umstellung soll sich auch finanziell lohnen.» Zudem stimmt Marc (21) – einer der vier Söhne – seine Eltern optimistisch. Er gilt als potenzieller Nachfolger und «steht voll hinter der Umstellung auf Bio», sagt der bereits auf dem Sonnhaldenhof aufgewachsene Thomas Grüter.

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