Staatsanwaltschaft

Tötungsdelikt St. Urban: Strafbefehl gegen diensthabenden Arzt wegen fahrlässiger Tötung

In der psychiatrischen Klinik St. Urban hat ein Patient 2017 seinen Zimmernachbarn tödlich verletzt. In diesem Zusammenhang wurden auch zwei Ärzte wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Die Untersuchung gegen den damaligen Chefarzt wurde eingestellt. Der diensthabende Arzt geht in Berufung.

Roger Rüegger
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In der psychiatrischen Klinik von St. Urban hat ein Patient 2017 einen Zimmergenossen getötet. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. März 2012)

In der psychiatrischen Klinik von St. Urban hat ein Patient 2017 einen Zimmergenossen getötet. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. März 2012)

Weil er Stimmen hörte, hat ein heute 37-jähriger Mann aus dem Kosovo seinen 85-jährigen Zimmernachbarn in der psychiatrischen Klinik St. Urban verprügelt. Das Opfer wurde dabei so stark verletzt, dass es noch in der Tatnacht starb. Die Vorfall ereignete sich am 14. April 2017.

Der Täter wurde vom Luzerner Kriminalgericht als schuldunfähig beurteilt. Für ihn wurde eine stationäre Massnahme angeordnet. Gegen das Urteil hat die Verteidigung Berufung eingelegt. Die Berufungsverhandlung findet am 12. Januar am Luzerner Kantonsgericht statt.

Ärzte haben als Verantwortungsträger Tötung mitverursacht

Gegen den ehemaligen Chefarzt der Luzerner Psychiatrie St. Urban sowie gegen den damals diensthabenden Arzt wurden Anzeigen wegen Verdacht auf fahrlässige Tötung eingereicht. Die Untersuchungen sind abgeschlossen, wie die Staatsanwaltschaft am Montagmorgen mitteilte. Den beiden Männern wurde vorgeworfen, dass sie als Verantwortungsträger und Mitarbeiter der Klinik St. Urban die Tötung des Patienten zumindest mitverursacht haben.

Gegen den damals diensthabenden Arzt wurde ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung erlassen. Bei der Aufnahme des Mannes in die Psychiatrie sei es damals zu relevanten Versäumnissen gekommen, steht in der Mitteilung. Auf Anfrage teilt der Staatsanwalt mit:

«Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass der Arzt die Situation, beziehungsweise die vom Patienten ausgehende Fremdgefährdung, falsch eingeschätzt hat.»

Die Untersuchung sollte unter anderem klären, ob bei der Aufnahme des akut psychotischen Mannes und seiner Zuweisung in ein Doppelzimmer strafrechtlich relevante Fehler gemacht wurden. Bei einer sorgfaltsgemässen Beurteilung wäre die Tötung des Zimmernachbarn vermeidbar gewesen. Der Arzt akzeptiert den Strafbefehl nicht und hat Einsprache dagegen erhoben.

Das Verfahren gegen den ehemaligen Chefarzt wurde eingestellt. In Bezug auf die Organisation des Betriebs der Klinik sowie der personellen Ressourcen hätten keine Mängel festgestellt werden. Beide Entscheide sind noch nicht rechtskräftig.