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Stacheldrähte sollen im Kanton Luzern verboten werden

Grüne-Fraktionschefin Monique Frey will Stacheldrähte von Luzerner Weiden und Alpen verbannen. Der Kanton trifft deshalb umfangreiche Abklärungen. Für die Bauern ist ein Verbot nicht sinnvoll: Es würden Alternativen fehlen.
Lukas Nussbaumer
Kühe auf einer mit Stacheldraht eingezäunten Weide. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

Kühe auf einer mit Stacheldraht eingezäunten Weide. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

«Schlecht sichtbar und wegen der scharfen Stachelspitzen sehr gefährlich für Mensch und Tier.» So umschreibt Monique Frey Stacheldrahtzäune. Die Fraktionschefin der Grünen hält in ihrem kürzlich eingereichten Postulat weiter fest, Wild- und Weidetiere könnten sich verletzen und würden «oft qualvoll eingehen». Die grösste Gefahr gehe von Stacheldrähten entlang von Waldrändern aus, weil Wildtiere bei Gefahr in Wälder flüchten und die Zäune oft nicht sehen würden.

Agronomin Frey fordert in ihrem Vorstoss deshalb ein Verbot von neuen Stacheldrahtzäunen. Auch sollen herumliegende Drähte «schnellstmöglich entfernt werden». Der Kanton solle zudem praxistaugliche, sicherere und einfacher zu installierende Alternativen fördern.

Regierung hat für Antwort auf Vorstoss ein Jahr lang Zeit

Wo und in welchem Umfang Stacheldrahtzäune im Kanton Luzern verwendet werden, ist derzeit nicht bekannt. Doch laut Thomas Meyer, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, werde im Zusammenhang mit der Beantwortung des Vorstosses von Monique Frey nun eine Auslegeordnung gemacht. Ob Stacheldrähte im Kanton Luzern ein Problem darstellen, will Meyer zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. «Das werden unsere Abklärungen zeigen. Es wäre falsch, vorher eine Aussage zu machen.»

Die Regierung hat für die Beantwortung von Postulaten gemäss Kantonsratsgesetz ein Jahr Zeit. Diese Frist will das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement von Robert Küng jedoch nicht ausreizen.

Meldepflicht für Verletzungen besteht nicht

Wann genau die Stellungnahme erfolgt, ist genauso offen, wie schwer sich Tiere durch Stacheldrähte verletzen. Sicher ist: Beim kantonalen Veterinärdienst treffen keine Meldungen ein, wie der stellvertretende Kantonstierarzt Martin Brügger auf Anfrage sagt. Das heisst aber nicht, dass es keine Verletzungen gibt, denn es ist niemand verpflichtet, den Behörden Vorfälle zu melden.

Umstritten sind die Metalldrähte dennoch. So sind sie in vielen Bündner Gemeinden verboten, und auch der Kanton Luzern schränkt ihre Verwendung indirekt ein: Indem er ihren Einsatz in den Richtlinien für die Ausrichtung von Geldern für mehrere Landschaftsqualitätsbeiträge ausschliesst. So erhalten Bauern nur dann 35 Franken pro Durchgang auf einem Wanderweg, wenn dieser ohne Stacheldraht gebaut ist. Oder es werden nur dann 2 Franken pro Laufmeter Holzlattenzaun und Schärhäge bezahlt, wenn diese traditionellen Abgrenzungen ohne Stacheldrähte auskommen.

Zudem weist die Dienststelle Landwirtschaft und Wald in einem Merkblatt auf die Verletzungsgefahr für Tiere hin. Und erwähnt darin auch das eidgenössische Tierschutzgesetz, wo es heisst, dass Stacheldrähte für das Einzäunen von Pferden sowie Alpakas und Lamas verboten sind.

Dies deshalb, weil Fluchttiere vom Charakter her einem höheren Risiko von Verletzungen ausgesetzt sind. Für den Schweizer Tierschutz geht dieses beschränkte Verbot zu wenig weit. Er weist seit Jahren darauf hin, dass sich auch Kühe, Schafe oder Ziegen an Stacheldrähten verletzten würden, ebenso Wildtiere.

Auf den Alpen fehlt Strom für Elektrozäune

Der Luzerner Bauernverband dagegen erachtet ein grundsätzliches Verbot von Stacheldrahtzäunen als «nicht sinnvoll», wie Ivo Wolfisberg sagt. Auf den Alpen, wo Stacheldrähte noch oft eingesetzt würden, gebe es keine Alternativen, argumentiert der beim Verband für die Interessenvertretung der Luzerner Landwirte zuständige Wolfisberg. So fehle der Strom für Elektrozäune, und Holzlattenzäune bei Stellen mit Absturzgefahr seien noch aufwendiger zu errichten als Stacheldrähte. Unnötig sei ein Verbot auch deshalb, weil der Einsatz von Stacheldrähten im Talgebiet «kein Thema mehr» sei.

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