Neubau statt Sanierung
Jetzt ist es definitiv: Das schützenswerte Krienser Grossfeld-Altersheim wird ersetzt

Der markante Sichtbetonbau des Krienser Grossfeld-Altersheims soll zwei modernen Neubauten mit Holzfassade weichen. Ein Zürcher Architekten-Team hat sich beim Wettbewerb durchgesetzt.

Roman Hodel
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Es ist eine gute Nachricht für die Bewohnenden und Mitarbeitenden, und eine traurige für Fans des Brutalismus: Das marode Krienser Alters- und Pflegeheim Grossfeld wird komplett durch Neubauten ersetzt. Die Heime Kriens AG und die Stadt Kriens haben am Dienstag das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs präsentiert. Es heisst «Tre Giardini» (Drei Gärten) und stammt vom Zürcher Planerteam Atelier ww Architekten SIA und Cadrage Landschaftsarchitekten. Atelier ww Architekten haben erst kürzlich den Wettbewerb für das neue Sicherheitszentrum in Rothenburg gewonnen und hatten auch die neuen Luzerner Messehallen entworfen.

Im Wesentlichen wird das künftige «Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld» – so wird es offiziell bezeichnet – aus zwei Neubauten bestehen, die in eine parkähnliche Landschaft gesetzt werden:

So präsentieren sich die künftigen Gebäude.

So präsentieren sich die künftigen Gebäude.

Visualisierung: PD/
ww Architekten

Im Wohngebäude an der Horwerstrasse (links) sind 30 2,5-Zimmer-Pflegewohnungen vorgesehen, im Doppelgebäude an der Grossfeldstrasse 56 Pflegezimmer – 8 davon Wohnungen mit je 7 Zimmern – sowie weitere 16 Pflegewohnungen. In Letzterem planen die Architekten auf jedem Wohngeschoss grosszügige Gemeinschaftszonen und -balkone, die flexibel genutzt werden können. Ein weiteres Merkmal sind lichtdurchflutete Gänge und Treppenhäuser sowie Dachterrassen. «Man soll sich nicht in einer Klinik-Atmosphäre fühlen», sagte Axel Beck, Geschäftsleitung Atelier ww Architekten. «Das Wohnen, nicht die Pflege steht im Zentrum.» Beide Häuser weisen sechs Etagen und Holzfassaden auf.

Grosszügige Gemeinschaftsbalkone ...

Grosszügige Gemeinschaftsbalkone ...

Visualisierung: PD/
ww Architekten
... und Gemeinschaftsräume sollen das Zusammenleben fördern.

... und Gemeinschaftsräume sollen das Zusammenleben fördern.

Visualisierung: PD/
ww Architekten

Damit ist klar: Das bestehende, vom Luzerner Architekten Walter Rüssli entworfene und 1966/68 erbaute Altersheim wird abgerissen. Es weist grosse bauliche Mängel auf.

Das Altersheim Grossfeld in Kriens ist stark sanierungsbedürftig.

Das Altersheim Grossfeld in Kriens ist stark sanierungsbedürftig.

Bild: Pius Amrein
(12. September 2019)

Gegen den Abriss des schützenswerten, aber nicht geschützten Vertreters des Brutalismus-Stils hatte sich vor allem aus der Architekten-Fachwelt Widerstand geregt. Aus diesem Grund wurde der Architekturwettbewerb in einem anonymen, zweistufigen und damit allerdings auch teureren Verfahren durchgeführt. Der Einwohnerrat genehmigte hierfür im November 2019 755'000 Franken. Der Erhalt des Altbaus war als Option im Wettbewerb ausdrücklich möglich.

Am Wettbewerb nahmen 31 Teams teil

31 Teams reichten bei der ersten Stufe im Mai 2020 ihre Vorschläge ein. 7 davon mit Erhalt des Altbaus, 8 mit Teilerhalt und 16 mit Neubau. Die Jury nahm zehn Projekte in die zweite Stufe im November 2020 mit. Nun plante noch ein Team mit dem Erhalt des Altbaus, vier Teams mit Teilerhalt und fünf mit Neubau. Trotzdem: Gut die Hälfte wollte den Altbau integrieren. Diese Feststellung war den Verantwortlichen am Dienstag wichtig.

Blick in die Kapelle des Altersheims Grossfeld – der Sichtbeton innen und aussen ist charakteristisch für das heutige Gebäude.

Blick in die Kapelle des Altersheims Grossfeld – der Sichtbeton innen und aussen ist charakteristisch für das heutige Gebäude.

Bild: Pius Amrein
(12. September 2019)

Im Dezember 2020 schliesslich waren es noch zwei Vorschläge, einer mit Teilerhalt und das siegreiche Projekt. Um den Sieger zu küren, benötigte die Stadt dann noch einen Zusatzkredit von 30'000 Franken. «Wir wollten wirklich das beste Projekt und der Nutzer bestimmt den Takt», sagte Jurymitglied Daniel Hofmeister, Abteilungsleiter Immobiliendienste der Stadt Kriens. Gefallen habe der Jury der ausgeprägte Wohncharakter und die sehr gute betriebliche Organisation des siegreichen Projekts.

Dass das siegreiche Projekt den Altbau nicht integrieren wird, erklärte Axel Beck von ww Architekten folgendermassen:

«Das heutige Gebäude von Walter Rüssli ist ein wunderschöner Bau und ein guter Zeitzeuge, doch die Raumaufteilung ist nur schwer umnutzbar für die Anforderungen an die moderne Pflege und das Leben im Alter.»

Der Neubau würde auch dem Quartier helfen. Denn so entstehe ein durchlässiger Park. «Heute landet man von der Hofmatt her kommend an der Rückseite des Altersheims.»

Die Rückseite des Grossfelds um 1968.

Die Rückseite des Grossfelds um 1968.

Bild: PD

Auch für Sozialvorsteher Cla Büchi (SP) ist das Altersheim heute eher eine Insel im Quartier denn dazugehörend:

«Mit den Neubauten entsteht hier ein neuer Sozialraum für Kriens.»

In den Erdgeschossen der Neubauten sind auch Restaurant, Cafeteria und Ladenlokale vorgesehen. Generationen sollen sich hier künftig austauschen und begegnen. Der Grundstein dafür ist bereits gelegt. In der Umgebung wird gewohnt, eingekauft, gegessen und zur Schule gegangen.

Die Situation von oben: Links vorne das Grossfeld-Altersheim mit den verschiedenen Trakten, in der Mitte die Hofmatt-Alterswohnungen und rechts das Einkaufszentrum.

Die Situation von oben: Links vorne das Grossfeld-Altersheim mit den verschiedenen Trakten, in der Mitte die Hofmatt-Alterswohnungen und rechts das Einkaufszentrum.

Bild: PD/Stadt Kriens

Ersehnt wird der Neubau nicht zuletzt von den Mitarbeitenden im Grossfeld. Guido Hübscher, Leiter Heime Kriens, sprach von einer «Riesenerleichterung» mit Blick auf den Zustand des Gebäudes: «Mit den Neubauten wollen wir aber vor allem einer Generation entgegenkommen, die bestimmen wird, welche Leistungen sie an einem solchen Ort haben und bezahlen will – heute ist ja alles in der Pauschale drin.» Für Marco Borsotti, Verwaltungsratspräsident der Heime Kriens AG, ist das Grossfeld sogar ein «Leuchtturmprojekt» mit landesweitem Vorzeigecharakter.

Baukosten wohl «eher über 50 Millionen Franken»

Bis die ersten Bewohnenden einziehen, wird es noch dauern – im besten Fall vier bis fünf Jahre. Mit der Baueingabe ist in 12 bis 18 Monaten zu rechnen. Der Bau erfolgt in Etappen, so läuft der Altersheim-Betrieb weiter. Zuerst aber wird die Stadt Kriens nun die bestehenden Gebäude und das Land im Baurecht an die Heime Kriens AG übertragen – mit der Verpflichtung, dass Letztere das Siegerprojekt umsetzen. Dies will man laut Borsotti «so schnell wie möglich» tun. Noch offen ist, wie viel die Neubauten kosten werden – das eigentliche Bauprojekt wird ja nun erst in Angriff genommen. Die Verantwortlichen rechnen mit einem höheren, zweistelligen Millionenbetrag, «eher über 50 Millionen Franken».

Hinweis: Es ist geplant, die Projekte der zweiten Stufe im Foyer des Stadthauses Kriens auszustellen. Freitag, 11. Juni, bis Sonntag 20. Juni. Montag bis Freitag: 9-17 Uhr Samstag/Sonntag: 10-16 Uhr