STADT LUZERN: 125 Personen wegen losem Fels evakuiert

An der Sagenmattstrasse in der Stadt Luzern mussten mitten in der Nacht 125 Bewohner eines Wohnblocks evakuiert werden. Eine Felsplatte war plötzlich in Bewegung geraten. Der lose Fels wird nun entfernt.

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125 Personen aus diesem Wohnblock mussten evakuiert werden. (Bild René Meier)

125 Personen aus diesem Wohnblock mussten evakuiert werden. (Bild René Meier)

In der Nacht auf Dienstag um 2.47 Uhr löste die automatische Überwachung der Felswand an der Sagenmattstrasse einen akustischen Alarm aus. Darauf rief eine Anwohnerin die Polizei an, welche den Einsatz auslöste.

Wie die Polizei berichtet, analysierte der zuständige Geologe die Situation. Die Feuerwehr hatte sich daraufhin noch in der Nacht entschieden, 125 Bewohner des unmittelbar betroffenen Blocks an der Sagenmattstrasse 11 zu evakuieren. Wer am Morgen nicht zur Arbeit fuhr, fand im Feuerwehrgebäude Kleinmattstrasse Unterschlupf.

Entwarnung am Vormittag

Die Lage scheint nun doch nicht so dramatisch, wie es vorerst den Eindruck machte: Die zuständigen Stellen konnten um 8 Uhr teilweise Entwarnung geben. Die Behörden gaben den Zugang zum geräumten Wohnblock am Gütschhang und zur benachbarten Druckerei frei. Die Sagenmattstrasse bleibt bis auf weiteres gesperrt.

Bewohner und Arbeiter wurden von den Behörden über die Lage und das Verhalten im Ereignisfall orientiert. Informationsstellen befänden sich laut Mitteilung der Stadt Luzern bei den betroffenen Liegenschaften.

Jetzt fährt in der Luzerner Sagenmattstrasse der Bagger auf. Grund: Ein Teil der Felswand ist instabil und muss abgetragen werden. In der Nacht auf den 19. Januar ist es dort zu massiven Felsbewegungen gekommen, weshalb die Bewohner eines Hochhauses (rechts) ihre Wohnungen vorübergehend verlassen mussten. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
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Ein Geologe betrachtet den Sensor, welcher den Alarm ausgelöst hat. (Bild: Philipp Schmidli)
Diese Sirene schlug Alarm. (Bild: Philipp Schmidli)
Die automatische Überwachung löste in der Nacht auf den 19. Januar um 2.47 Uhr an der Sagenmattstrasse einen akustischen Alarm aus. Darauf rief eine Anwohnerin die Polizei an, welche den Einsatz auslöste. (Bild: René Meier)
Die Sagenmattstrasse ist gesperrt. (Bild: René Meier)
Eine rund 20 Meter hohe Felspartie ist innert weniger Stunden rund 1,5 Millimeter in Bewegung geraten. (Bild: René Meier)
Ein solcher Rutsch ergibt sich sonst über mehrere Jahre hinweg. Auf dem Bild ist der Block zu sehen, aus dem 125 Bewohner evakuiert werden mussten. (Bild: René Meier)
Seit 1992 wird der Fels überwacht. (Bild: René Meier)
Seit gut einem halben Jahr ist eine automatische Überwachungsanlage mit vier Sensoren in Betrieb. Erst vor Weihnachten wurde die Anlage feinjustiert. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Aufgrund des Alarms habe man vom Schlimmsten ausgehen müssen, sagte der zuständige Geologe Beat Keller an einer Medienkonferenz am Dienstagvormittag. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Einsatzkräfte bei der Lagebeurteilung am Dienstagmorgen beim Kreuzstutz. (Bild: René Meier)

Jetzt fährt in der Luzerner Sagenmattstrasse der Bagger auf. Grund: Ein Teil der Felswand ist instabil und muss abgetragen werden. In der Nacht auf den 19. Januar ist es dort zu massiven Felsbewegungen gekommen, weshalb die Bewohner eines Hochhauses (rechts) ihre Wohnungen vorübergehend verlassen mussten. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

«Storen runter lassen»

Selina Bienz (24) musste ebenfalls, zusammen mit ihrer WG-Partnerin, kurz nach 3 Uhr ihre Wohnung verlassen. «Um etwa 9.15 Uhr konnten wir das Feuerwehrlokal wieder verlassen, nachdem wir über die Situation informiert wurden», sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Sie ist inzwischen zur Arbeit gegangen, während andere Bewohner des Hauses wieder in ihre Wohnungen zurück gekehrt sind. «Wir wurden aber angewiesen, die Storen runter zu lassen», sagt Bienz. Sicher sei die Lage zudem noch nicht. «Uns wurde gesagt, dass eine weitere Evakuierung möglich sei.»

1,5 Millimeter in Bewegung

Aufgrund des Alarms habe man vom Schlimmsten ausgehen müssen, sagte der zuständige Geologe Beat Keller an einer Medienkonferenz am Dienstagvormittag. Eine rund 20 Meter hohe Felspartie sei innert weniger Stunden rund 1,5 Millimeter in Bewegung geraten. Ein solcher Rutsch ergebe sich sonst über mehrere Jahre hinweg. Laut Keller bestand die Gefahr, dass der Brocken im Siedlungsgebiet niederging. Zeugen hätten ein Donnergrollen gehört.

Seit 1992 überwacht

Die Felspartie ist Teil einer insgesamt rund 160 Meter breiten und 50 Meter hohen Felswand, die in einem ehemaligen Steinbruch liegt. Seit 1992 wird der Fels überwacht. Seit gut einem halben Jahr ist eine automatische Überwachungsanlage mit vier Sensoren in Betrieb. Erst vor Weihnachten wurde die Anlage feinjustiert.

Abbau von Fels

Als Sofortmassnahme begann am Dienstag der Abbau der in Bewegung geratenen Felspartie. Bis im Frühling soll zudem die gesamte Felswand mit Betonrippen gesichert werden. Diese sollen verhindern, das die Felswand kippt. Das Projekt einer privaten Liegenschaftsbesitzerin ist schon länger geplant. Ein entsprechendes Baugesuch wurde bereits eingereicht.

Der nächtliche Alarm löste einen Einsatz der Feuerwehr der Stadt Luzern, der Luzerner Polizei, des Gemeindeführungsstabs und des geologischen Dienstes aus.

cv/sda/rem/gus

Die instabile Felsplatte an der Sagenmattstrasse im Hintergrund (Bild René Meier)

Die instabile Felsplatte an der Sagenmattstrasse im Hintergrund (Bild René Meier)

Die instabile Felswand aus der Ferne. (Bild: René Meier)

Die instabile Felswand aus der Ferne. (Bild: René Meier)

Die Sagenmattstrasse in Luzern ist gesperrt. (Bild: René Meier)

Die Sagenmattstrasse in Luzern ist gesperrt. (Bild: René Meier)

Die beiden eingekreisten Häuser Sagenmattstrasse 7 und 11 stehen direkt an der instabilen Felswand. (Bild: Screenshot map.search.ch)

Die beiden eingekreisten Häuser Sagenmattstrasse 7 und 11 stehen direkt an der instabilen Felswand. (Bild: Screenshot map.search.ch)

Einsatzkräfte besprechen am Kreuzstutz die Lage. (Bild René Meier)

Einsatzkräfte besprechen am Kreuzstutz die Lage. (Bild René Meier)

Geologe Beat Keller sagte an einer Medienorientierung, dass eine 20 Meter hohe Felspartie innert weniger Stunden 1,5 Millimeter in Bewegung geraten war. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Geologe Beat Keller sagte an einer Medienorientierung, dass eine 20 Meter hohe Felspartie innert weniger Stunden 1,5 Millimeter in Bewegung geraten war. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)