STADT LUZERN: 20'000-Franken-Spende trotz Finanzsorgen

Der Stadtpräsident hat am Dienstag der SRF-Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» 20'000 Franken überreicht. Trotz desolater Finanzlage sei diese Spende angebracht, findet er.

Raphael Gutzwiller
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Regenwetter vor der Glasbox auf dem Europaplatz vor dem KKL. (Bild: Leserbilder Roman Beer)

Regenwetter vor der Glasbox auf dem Europaplatz vor dem KKL. (Bild: Leserbilder Roman Beer)

Die Stadt unterstützt die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» (JRZ) von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), die dieses Jahr wieder auf dem Europaplatz in Luzern stattfand, mit 20 000 Franken. Gestern Nachmittag schaute der Luzerner Stadtpräsident Stefan Roth (CVP) kurz in der Glasbox von JRZ vorbei. «Auch bei uns zählt jeder Rappen», sagte er bei der Checkübergabe. «Doch so schlimm wie den Familien in Not, für die das Geld gesammelt wird, geht es unserer Stadt nicht.»

Tatsächlich muss die Stadt Luzern jeden Rappen umdrehen. So soll sie ab 2016 jährlich mindestens 11 Millionen Franken einsparen. Der Fahrplan sieht dabei vor, dass der Stadtrat bis im März 2015 ein konkretes Sparpaket mit Massnahmen ausarbeitet und im Juni den Antrag dem Grossen Stadtrat vorlegt. Dieser soll dann im Oktober 2015 über das Sparpaket entscheiden.

Stadt möchte Zeichen setzen

«Die Stadt will und kann sich diesen Beitrag leisten», sagt Stefan Roth. «Wir verfügen im städtischen Budget über einen Solidaritätsfonds, mit dessen Mittel wir Hilfsaktionen unterstützen.» Rund 120 000 Franken pro Jahr spendet die Stadt an diverse Hilfsaktionen. «Das Parlament hat diesem Fonds in der Budgetdebatte zugestimmt», sagt Roth.

Die Solidaritätsbeiträge werden gemäss dem Stadtpräsidenten für Hilfsaktionen der Glückskette gespendet. «Das Geld wird laufend bei Sammelaktionen der Glückskette eingesetzt. Die Stadt zeigt sich damit weltweit solidarisch mit den Opfern von Katastrophen und kriegerischen Ereignissen», so Roth.

SRF muss keine Gebühren zahlen

SRF bezahlt für die Nutzung des öffentlichen Grundes laut Stefan Roth keine Gebühren. Der Entscheid basiere auf Artikel 8 des Reglements über die Nutzung des öffentlichen Grundes. Dort heisst es: «Der Stadtrat oder die von ihm bezeichnete Stelle kann die Nutzungsgebühren und die Auslagen teilweise oder vollständig erlassen, wenn ein erhebliches, öffentliches Interesse besteht.» Das sei bei der SRF-Spenden­aktion der Fall, sagt Stefan Roth.

Bereits zum fünften Mal findet die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» statt, dreimal davon in Luzern. Vom 17. Dezember bis gestern Abend sammelte das SRF zusammen mit der Glückskette auf dem Europaplatz in Luzern über 6 Millionen Franken für Familien auf der Flucht. Die Spendenshow wurde pausenlos auf Radio SRF 3 und zeitweilig auch auf dem Fernsehkanal SRF 2 übertragen. In der Glasbox moderierte das Trio Nik Hartmann, Tina Nägeli und Philippe Gerber.

Werbung für die Stadt Luzern

«Wir freuen uns, dass JRZ zum dritten Mal auf dem Luzerner Europaplatz über die Bühne ging», sagt der Stadtpräsident. Der Stadt liege viel daran, dass JRZ gute Rahmenbedingungen vorfindet, um erfolgreich Geld für Familien auf der Flucht sammeln zu können. «Natürlich freut es uns auch, dass die wunderbare Luzerner Szenerie tagelang prominent in den Sendungen von SRF erscheint und erwähnt wird», stellt Roth klar. «Es ist eine sympathische Werbung für unsere Stadt», sagt er weiter. «Wir hoffen natürlich, dass JRZ auch im nächsten Jahr wieder nach Luzern kommt.»

2012 gabs Kritik am Stadtrat

Bereits 2012, als die Sendung letztmals in Luzern stattfand, war Stefan Roth zu Gast im Glashäuschen und unterstützte die Spendenaktion mit derselben Summe wie in diesem Jahr. Und dies nur einen Tag nach der Abstimmung über die Steuererhöhung. Das sorgte für Kritik am Gesamtstadtrat und insbesondere am Stadtpräsidenten. So erreichten unsere Zeitung kritische Leserbriefe. In einem hiess es etwa: «Mit einem fremden Geldbeutel lässt es sich gut spenden.» Die Spendenaktion des Stadtrates zeuge von wenig Fingerspitzengefühl, da die Steuererhöhung nur zähneknirschend akzeptiert worden sei. «Es wäre angebracht gewesen, dass der bereits früher gesprochene Betrag aufgrund der angespannten Finanzsituation gekürzt worden wäre», schrieb der Leserbriefschreiber weiter. So hätte auch die Hälfte, also 10 000 Franken, gereicht. «Die Stadträte hätten auch mit einem Beitrag aus der eigenen Tasche helfen können», hiess es im Leserbrief weiter.

Keine Unterstützung von der Stadt erhält hingegen die LZ-Weihnachtsaktion unserer Zeitung. Stefan Roth sagt dazu: «Die wertvolle Weihnachtsaktion der ‹Neuen Luzerner Zeitung› hat eine andere Zweckbestimmung, nämlich die Hilfe an Einzelpersonen und Familien in Not.» In diesem Bereich engagiere sich die Stadt Luzern selber stark.