Stadt Luzern
94 Prozent weniger Verkehr: Über die Bahnhofstrasse fahren noch 17 Autos pro Abendstunde

Die Teilsperrung der Luzerner Bahnhofstrasse scheint zu funktionieren: Verkehrszählungen zeigen einen starken Rückgang des Autoverkehrs. Auch Falschfahrer gibt es weniger als noch im Herbst.

Beatrice Vogel
Merken
Drucken
Teilen

Gute Neuigkeiten in Sachen autofreie Luzerner Bahnhofstrasse: Seit der Teilsperrung Ende Juni hat der Autoverkehr dort um 94 Prozent abgenommen. Dies zeigt das zweite Monitoring vom Januar. Die Ergebnisse hat die Stadt am Mittwoch veröffentlicht. In der Abendspitzenstunde fahren noch 17 Autos über die Bahnhofstrasse. Beim ersten Monitoring im vergangenen Herbst waren es 43. Am Nachmittag sind es noch 27 gegenüber 52 pro Stunde im Herbst. Gezählt wurde von Hand an zwei Werktagen, jeweils zwischen 14 und 15 Uhr sowie zwischen 17 und 18 Uhr.

Die Anzahl Falschfahrer ist ebenfalls zurückgegangen. Von den Durchfahrten pro Stunde sind noch rund die Hälfte illegal, also 8 bis 13 Falschfahrer. Im Herbst waren es noch 28 bis 37. Auffällig ist: Sowohl auf der Bahnhofstrasse wie auch beim verbotenen Rechtsabbieger von der Winkelried- in die Pilatusstrasse gibt es nachmittags mehr Falschfahrer als am Abend. Projektleiter Lukas Deschwanden erklärt dies mit dem Berufsverkehr am Abend:

«Pendler wissen genau, was sie dürfen, während am Nachmittag eher Leute in die Stadt fahren, die nicht regelmässig hier sind.»

Die Stadt Luzern geht gemäss Mitteilung davon aus, dass Kontrollen der Polizei, Kommunikation und ein Gewöhnungseffekt zur verbesserten Einhaltung der Verkehrsregeln geführt haben. Vor allem aber: Nach dem ersten Monitoring wurden zwei zusätzliche Verbotstafeln aufgestellt sowie die bisherigen auf die Strasse versetzt, sodass sie besser sichtbar sind.

Die Verbotstafel auf der rechten Seite wurde vom Trottoir auf die Strasse verschoben. Links wurde eine neue Tafel montiert.

Die Verbotstafel auf der rechten Seite wurde vom Trottoir auf die Strasse verschoben. Links wurde eine neue Tafel montiert.

Bild: PD/Stadt Luzern

Kreuzungen mit kaum mehr Verkehrsaufkommen

Was für manche gar noch wichtiger sein dürfte als die Verkehrsabnahme auf der Bahnhofstrasse: Der Verkehr auf den umliegenden Strassen und Kreuzungen hat nur wenig zugenommen. Die Dauerzählstellen auf Pilatusstrasse und Seebrücke zeigen laut Bericht, dass die Teilsperre der Bahnhofstrasse keinen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen des übergeordneten Kantonsstrassennetzes hat. Lukas Deschwanden:

«Der Verkehr funktioniert wie vor der Sperrung und das Quartier bleibt erschlossen.»

Beim Viktoriaplatz ist der Verkehrsablauf vergleichbar mit jenem vor der Teilsperrung. Am Knoten Winkelried-/Pilatusstrasse gibt es insgesamt sogar weniger Verkehrsbewegungen, einzig Linksabbieger in Richtung Bahnhof hat es erwartungsgemäss ein wenig mehr. Auch das Rechtsabbiegeverbot wird besser eingehalten: Pro Abendspitzenstunde biegen dort noch zwei Fahrzeuge rechts ab. Die Verkehrszählungen an den beiden Kreuzungen werden mittels Videoaufnahmen von fünf Werktagen vorgenommen.

Die aktuellen Zahlen lassen hoffen, dass das umliegende Verkehrsnetz auch nach der vollständigen Umgestaltung der Bahnhofstrasse nicht überlastet sein wird. Dann wird die gesamte Strasse eine weitgehend autofreie Begegnungszone mit Fahrverbot sein. «Auf der Bahnhofstrasse werden nach Abschluss der Neugestaltung nur noch sehr wenige Autos pro Stunde verkehren», sagt Lukas Deschwanden. Berechtigte Fahrten – heute sind dies Taxis, Zubringer und Zufahrten zum privaten Parkhaus an der Bahnhofstrasse – wird es aber weiterhin geben.

Kantonalbank ortet Verbesserungspotenzial

Aufgrund der positiven Entwicklung hat die Stadt aktuell keine weiteren Massnahmen geplant. Vorgesehen sind noch vier Verkehrszählungen. Der nächste Bericht erscheint voraussichtlich Ende Mai.

Übrigens: Dass die Monitorings durchgeführt werden, hängt mit der Einsprache zusammen, die unter anderem von der Luzerner Kantonalbank (LUKB) wegen ihres Parkhauses gemacht wurde. Die Stadt hatte sich aussergerichtlich mit den Einsprechern geeinigt – das Monitoring war ein Element der Einigung.

Die LUKB-Medienstelle schreibt auf Anfrage, das Parkhaus sei seit Beginn der Coronapandemie weniger ausgelastet als vorher. «Insofern spiegelt das aktuelle Monitoring nicht den Zustand bei normal hohem Verkehrsaufkommen.» Trotzdem stelle die LUKB während der Stosszeiten abends fest, dass die Ein- und Ausfahrt ins Parking phasenweise beeinträchtigt sei. «Verbesserungspotenzial orten wir zudem unverändert bei der Ampelsteuerung auf der Pilatusstrasse, damit die Fahrzeuge von der Winkelriedstrasse flüssig in die Pilatusstrasse Richtung Bahnhof einbiegen können», heisst es weiter.