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STADT LUZERN: Als man noch mit dem Auto ins Bourbaki fahren konnte

Im Bourbaki- Gebäude steht heute Kultur im Zentrum. Spuren der alten Nutzung sind aber nach wie vor sicht- und erlebbar.
Beatrice Vogel
1926 entstand im Luzerner Bourbaki-Gebäude das erste mechanisierte Parkhaus Kontinentaleuropas. (Bild: pd)

1926 entstand im Luzerner Bourbaki-Gebäude das erste mechanisierte Parkhaus Kontinentaleuropas. (Bild: pd)

Die meisten Luzerner kennen folgendes Erlebnis: Man sitzt gemütlich im Bourbaki-Bistro – und plötzlich bewegt sich der Untergrund. Die grosse Drehscheibe macht eine Umdrehung, und man gleitet durch den Raum. Das ist in Luzern einzigartig, so etwas findet man sonst eigentlich nur auf Bergen wie dem Stanserhorn. Dass es im Bourbaki-Panorama ein solches gibt, haben wir einer Autogarage zu verdanken.

Das sechzehneckige Gebäude wurde Ende der 1880er-Jahre erbaut, und zwar für das Panorama-Gemälde. Dieses wurde zuvor während acht Jahren in Genf gezeigt. Weil dort aber die Besucherzahlen zurückgingen, wurde es nach Luzern gebracht. Hier gab es schon Pläne für ein Rundbild der Schlacht bei Sempach, die aber aus finanziellen Gründen scheiterten.

Das Vergnügungsviertel

Ende des 19. Jahrhunderts war das Gebiet rund um den Löwenplatz das Vergnügungsviertel der Stadt Luzern. Insofern passte die Attraktion bestens hierher. Allerdings war das Interesse am Panorama-Gemälde damals nur von kurzer Dauer, wie Donata Krethlow-Benziger, Haus-Historikerin des Bourbaki-Panoramas, erzählt. «Die Hochblüte der Rundbilder war in den 1880er-Jahren. Die Gemälde hatten alle dieselben Masse und wurden oft unter den Ausstellungsorten ausgetauscht.»

Doch Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die bewegten Bilder auf. «Ab 1910 interessierte sich niemand mehr für das Panorama», so Krethlow. Der Betrieb wurde zu teuer. Und so verkaufte der Panorama-Unternehmer Henneberg 1926 das Gebäude samt Rundbild an das Fuhrunternehmen Franz Koch & Söhne. Zu einer Zeit, als ein Auto auf Luzerns Strassen noch fast eine Sehenswürdigkeit war, baute Koch im Erdgeschoss des Gebäudes das erste mechanisierte Parkhaus Kontinentaleuropas. Das beinahe runde Gebäude wurde optimal ausgenutzt, um die Automobile unterzubringen, wie das historische Bild zeigt: Auf dem Drehkranz, der die ringförmig angeordneten Parkbuchten erschloss, brauchte es im Prinzip nur einen freien Platz, um jedes Auto herausholen zu können. Einige Abschrankungen von damals stehen noch heute. Der Drehkranz wurde bei der Gebäudesanierung 1996 bis 2000 als industriearchäologisches Denkmal wieder in funktionstüchtigen Zustand versetzt.

Ein Drittel des Gemäldes fehlt

Auf das Rundgemälde hatte die Garage einen negativen Effekt. So wurde wegen der boomenden Autoindustrie die Garage immer wieder erweitert – einerseits durch Anbauten am Gebäude, andererseits im Innern. Um Raum für das Parkhaus zu schaffen, wurde das Rundbild gekürzt: Fast fünf Meter vom oberen Teil des Gemäldes wurden abgeschnitten. Heute sieht man nur noch zwei Drittel des Bourbaki-Panoramas, der grösste Teil der Himmel- und Hügelpartie fehlt. Ausserdem hat das Gemälde durch Abgase gelitten. Die Verstümmelung des Rundbildes schien damals niemanden gestört zu haben. «Man muss sich vorstellen, dass es zur Blütezeit Hunderte dieser Bilder auf der ganzen Welt gab. Als das Interesse daran schwand, waren sie erst recht nichts Besonderes mehr», erklärt Donata Krethlow. Immerhin: Die Firma Koch hat das Bild behalten – bis heute haben nur deren 27 überlebt.

Das Bourbaki-Panorama war jedoch immer für die Öffentlichkeit zugänglich. «Der Eintritt kostete all die Jahre einen Franken», sagt die Historikerin. Wie es war, das lädierte Gemälde inmitten von Autoersatzteilen zu besichtigen, ist allerdings schwer vorstellbar. Erst mit dem Verein zur Rettung des Bourbaki-Panoramas und der Stiftung Bourbaki-Panorama Luzern erhielt das Rundbild – heute ein europäisches Kulturdenkmal – seinen alten Glanz zurück. Öl- und Abgasgeruch verschwanden, das Gebäude wurde restauriert und erhielt einen neuen Mantelbau. Von der Autogarage merkt man heute kaum noch etwas.

Beatrice Vogel

Heute befindet sich darin eine Bar. Die Drehscheibe ist aber erhalten geblieben. (Bilder PD/Pius Amrein)

Heute befindet sich darin eine Bar. Die Drehscheibe ist aber erhalten geblieben. (Bilder PD/Pius Amrein)

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