STADT LUZERN: Baselstrasse: Bieder fühlt sich «sehr sicher»

Kurt Bieder ist Luzerner Baudirektor und im Vorstand des Vereins BaBel. Im Interview nimmt er zur Entwicklung des Quartiers Basel-/Bernstrasse Stellung.

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Baudirektor Kurt Bieder. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Baudirektor Kurt Bieder. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Sie sind Baudirektor und im Vorstand des Vereins Babel. Im Gebiet Basel-Bernstrasse wohnen Stadtweit am meisten Ausländer und Alleinerziehende, die Bevölkerungsdichte ist am Höchsten, die Lärm- und Stabimmissionen durch den Strassen- und Schienenverkehr ist sehr hoch und die Bausubstanz der alten Häuser ist oftmals schlecht. Klar, dass da nicht die Besserverdienenden hinziehen. Was kann aus städtebaulicher Sicht getan werden, um das Quartier aufzuwerten? 
Kurt Bieder: Der städtebauliche Handlungsspielraum der Stadt in überbauten Quartieren wie der Baselstrasse beschränkt sich im Wesentlichen auf die Aufwertung von öffentlichen Räumen. Damit kann ein Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit und der Lebensqualität im Quartier geleistet werden, wovon nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner sondern auch die Liegenschaftsbesitzer profitieren. Im Rahmen des laufenden Quartierentwicklungsprojektes BaBel sind verschiedene Massnahmen entwickelt und teilweise auch bereits umgesetzt worden. Zu erwähnen ist beispielsweise die realisierte Umgestaltung des Reussufers, der geplante Dammdurchbruch verbunden mit einer Aufwertung des Lädeliplatzes. Zudem ist es sowohl an der Basel- wie auch an der Bernstrasse gelungen, Liegenschaften für das studentische Wohnen zur Verfügung zu stellen, was ein willkommener Beitrag zur Durchmischung und Belebung des Quartiers darstellt. 

Wie realistisch ist die Hoffnung, dass sich das Verkehrsproblem eindämmen lässt?
Bieder: Im Agglomerationsprogramm ist vorgesehen, die innenstädtischen Strassenachsen mit einem neuen ByPass zur A2 und den beiden Spangen im Norden und Süden der Stadt zu entlasten. Zudem soll mit einer neuen Bahnhofzufahrt auf der heutigen Bahnstrecke Kapazitäten für den Ausbau des S-Bahnnetzes freigespielt werden. Dies würde beispielsweise beim Kreuzstutz eine zusätzliche S-Bahnhaltestelle ermöglichen, was das Quartier punkto Erreichbarkeit deutlich aufwerten würde.

Da es sich bei diesen Vorhaben um langfristige Massnahmen handelt, sind entlang der Bahnlinie und der Baselstrasse sowie bei der laufenden Sanierung des Cityringes Lärmschutzmassnahmen (Lärmschutzwände und Schallschutzfenster) vorgesehen. Zudem wurde an der Bernstrasse eine sogenannte Kernfahrbahn zur Verkehrsberuhigung und zur Velobevorzugung eingerichtet. Damit können kurzfristig zumindest die unerwünschten Auswirkungen des Verkehrs reduziert werden.

Ohne Verkehrseindämmung - müssten nicht einige der vielen alten Häuser durch grosszügige gut isolierte Neubauten mit kleinen Grünflächen ersetzt werden? Würde das betreffend Aufwertung des Quartiers überhaupt etwas nützen? 
Bieder: Es besteht zweifellos nach wie vor ein grosser Sanierungsbedarf bei den Liegenschaften entlang der Baselstrasse – auch wenn in den letzten Jahren einzelne Liegenschaften saniert wurden. Dass mit Abbrüchen und Neubauten zusätzliche neuen Grün- und Freiflächen geschaffen werden, ist eher unwahrscheinlich. Wichtig ist aber, dass die Naherholungsräume wie beispielsweise das Reussufer oder der Gütschwald gut erreichbar sind und dass die vorhandenen Freiräume eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität bekommen. So wurde beispielsweise in den letzten Jahren der Dammgärtli-Spielplatz saniert.

Der Stadt gehören offenbar nur sehr wenige Liegenschaften im Quartier - sind ihr deshalb die Hände gebunden oder was kann sie aus städtebaulicher Sicht trotzdem tun?
Bieder: Es trifft zu, dass die Stadt in diesem Gebiet nur wenige Liegenschaften besitzt. Dort wo sie aber solche hat - wie an der oberen Bernstrasse - will sie mit gutem Beispiel vorangehen. Wie bereits erwähnt, sollen die städtebaulichen Impulse der Stadt über die Aufwertung der öffentlichen Räume und einen besseren Zugang zu den Naherholungsgebieten erfolgen.

Was ist in Bezug auf die revidierte Zonenplanänderung betreffend Gebiet BaBel zu erwarten?
Bieder: Im Zuge der laufenden Revision der Bau- und Zonenordnung werden alle Quartiere dahingehend überprüft, ob die Nutzungsart und die Bauvorschriften noch den heutigen Anforderungen entsprechen. Im Gebiet Basel – Bernstrasse wurden verschiedene Umzonungsbegehren gestellt, die bei der laufenden Revision geprüft werden. Beim heutigen Stand des Verfahrens gehen wir aber davon aus, dass die planungsrechtlichen Bestimmungen betreffend der Art und dem Mass der zulässigen Nutzung entlang der Baselstrasse in etwa im gleichen Rahmen bleiben. Wir wollen aber die Vielzahl der heutigen Bestimmungen im Baureglement und aus den Bebauungsplänen zusammenfassen und vereinfachen. Namentlich soll eine transparente Dichtebstimmung anstelle der Bestimmungen zur Volumenerhaltung eingeführt werden. Mit dieser Dichtebestimmung werden klare rechtliche Rahmenbedingungen für die zeitgemässe Erneuerung der einzelnen Liegenschaften geschaffen und es liegt dann an den Liegenschaftsbesitzern diesen Handlungsspielraum auch auszuschöpfen.

Der Grosse Stadtrat hat bei der Behandlung des Raumentwicklungskonzepts im Januar 2009 eine Protokollbemerkung überwiesen, wonach die Baselstrasse als Schlüsselareal in zweiter Etappe behandelt werden soll. Dabei sollen insbesondere die städtebaulichen Entwicklungspotenziale ausgeleuchtet werden. Dies kann aber nur in enger Zusammenarbeit mit den privaten Liegenschaftsbesitzern erfolgen. Zeitlich wird diese Aufgabe aber erst nach dem Abschluss der BZO-Revision (voraussichtlich 2011) in Angriff genommen.

Wie sicher fühlen Sie sich an der Baselstrasse?Bieder: Sehr sicher.

Interview Luca Wolf