Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STADT LUZERN: Bei den Wohnbaugenossenschaften werden Privilegien abgeschafft

Zwei grosse Luzerner Wohnungsanbieter überarbeiten ihr Vermietungsreglement. Damit wollen sie eine Unterbelegung von grossen Familienwohnungen verhindern. Dies löst auch Ängste aus.
Stefan Dähler
Blick auf den Innenhof in der Anna-Neumann-Gasse im Tribschenquartier. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 16. Juli 2016))

Blick auf den Innenhof in der Anna-Neumann-Gasse im Tribschenquartier. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 16. Juli 2016))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Eigentlich sind Wohnbaugenossenschaften private Organisationen. Seit der Annahme der Initiative «Für zahlbaren Wohnraum» im Jahr 2012 stehen sie jedoch stark im öffentlichen Fokus. Schliesslich sollen sie dafür sorgen, dass in Luzern bis 2038 rund 2000 zusätzliche gemeinnützige Wohnungen entstehen.

Doch wie kommt man überhaupt an solch eine Wohnung? Dieses Thema beschäftigt derzeit mehrere Stellen. Die Stadt etwa erarbeitet aktuell Kriterien für die Vergabe von städtischen Grundstücken an Wohnbaugenossenschaften. Dies als Folge der Diskussion um das Eichwald-Areal. Das Parlament legte Einspruch ein, weil die Kriterien für die Abgabe des Grundstücks im Baurecht zu wenig transparent gewesen seien. Ein Thema bei der Stadt sind die Wohnungsvergabekriterien der Genossenschaften. Weitere Infos dazu gibt die Stadt allerdings nicht bekannt.

Wird die «heilige Kuh» geschlachtet?

Bei der Wohnbaugenossenschaft Geissenstein (EBG) heisst es: «Es ist eine Vorgabe von Behörden und Politik, dass die Genossenschaften transparente Kriterien definieren», sagt Geschäftsleiter Andi Willinig. «Dies, aber auch gesellschaftliche Veränderungen sind die Gründe, unser Vermietungsreglement nach zehn Jahren wieder unter die Lupe zu nehmen.» Derselbe Prozess läuft auch bei der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL), wie diese in ihrem Mitgliedermagazin schreibt. Die ABL ist mit über 11 000 Mitgliedern die grösste Wohnbaugenossenschaft in Luzern, die EBG gehört mit rund 2700 ebenfalls zu den grösseren.

Als Mieter in Frage kommen bei ABL und EBG nur Genossenschafter – für die Mitgliedschaft muss man Anteilscheine erwerben. Beide setzen auf ein Punktesystem, welches bei grösseren Wohnungen Familien bevorzugt. Je älter die Anteilsscheine sind, desto mehr Punkte erhält man. Dies soll auch so bleiben.

Weiter sind heute auch Nachkommen von langjährigen Genossenschaftern im Vorteil, weil man Punkte vererben kann. «So ist es möglich, dass eine dreiköpfige Familie dank Elternpunkten den Zuschlag für eine Wohnung erhält, obwohl sich auch eine vierköpfige Familie beworben hat», sagt Andi Willinig. Diese «heilige Kuh» steht bei der EBG zur Diskussion. «Die Gefahr besteht, dass durch die Elternpunkte Bewerber zu stark bevorzugt werden und die Genossenschaft zur geschlossenen Gesellschaft wird.» Bei der ABL tönt es noch konkreter: «Die geplante Abschaffung der Rangpunktzahlvererbung führt zu mehr Chancengleichheit», heisst es im ABL-Magazin. Da die Zahl der Mitglieder in den letzten Jahren stark gewachsen ist, sei das System «nicht mehr zeitgemäss».

Ein heikles Thema ist die Unterbelegung von grösseren Wohnungen. «Dies betrifft vor allem ältere Leute, deren Kinder ausgezogen sind», so Willinig. Bis jetzt setze die EBG auf freiwillige Anreize wie Bonuspunkte bei der Bewerbung für eine kleinere Wohnung. Und: «Seit kurzer Zeit schliessen wir Verträge für sehr grosse Familienwohnungen nur noch bis zum Auszug der Kinder befristet ab.» Bei bereits geltenden Mietverhältnissen ist es dafür jedoch zu spät. «Eine Möglichkeit ist, den Betroffenen eine Ersatzwohnung anzubieten und sie so zum Umzug zu motivieren. Doch aktuell verfügen wir dafür nicht über genügend kleine Wohnungen, die vom Ausbaustandard für ältere Leute geeignet sind.»

In einer etwas komfortableren Situation befindet sich diesbezüglich die ABL, weil sie mehr Wohnungen im Angebot hat. Künftig werde man aktiv auf Leute in unterbelegten Wohnungen zugehen, sagt ABL-Präsident Ruedi Meier. «Doch das Thema löst bei älteren Bewohnern Ängste aus. Wir zwingen daher niemanden zum Umzug.» Der «sparsame Umgang mit Wohnflächen» werde jedoch immer wichtiger. «Da die Leute heute länger leben, dauern auch die Phasen der Unterbelegung länger», so Meier.

Auf wohlhabendere Mieter angewiesen

Eine Einkommensobergrenze für Mieter ist dagegen für beide Genossenschaften keine Option. «Genossenschaftswohnungen sind keine Sozialwohnungen», sagt Willinig. «Es wäre auch ein zu grosser Aufwand, stets die Steuerdaten der Mieter zu durchforsten.» Man sei bei Neubauten, deren Mietzinse höher sind, auch auf wohlhabendere Mieter angewiesen. «Zudem könnte es sein, dass Familien ausziehen müssen, wenn jemand mehr verdient. Das ist aus unserer Sicht ein Fehlanreiz.» Denkbar wäre eine Obergrenze höchstens bei einzelnen neuen Überbauungen, wenn der Landeigentümer diese Auflage macht und ein Konsens beider Vertragspartner besteht.

Die Änderungen sind bei ­beiden Genossenschaften noch nicht definitiv. Bei der ABL entscheidet am Ende die Generalversammlung. Bei der EBG sollen die Genossenschafter in Workshops noch die Gelegenheit haben, mitzureden. Je nach Rückmeldungen werden auch Statutenänderungen mit Beschluss an der Generalversammlung notwendig sein. Übrigens muss man nicht bei jeder Genossenschaft Mitglied sein, um eine Wohnung zu erhalten. Beispiele dafür sind die Wohnbaugenossenschaften Littau oder SBL. Bei beiden ist eine Überarbeitung der Vergabekriterien derzeit kein Thema, wie es auf Anfrage heisst.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.