STADT LUZERN: Boutique war kürzlich schon im Visier

Vier Unbekannte haben die Uhren- Boutique Jaeger-LeCoultre mit Tränengas und einer Waffe überfallen. Versicherungen beobachten eine Zunahme von Raubüberfällen.

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Polizisten vor der überfallenen Uhren-Boutique Jaeger-LeCoultre am Grendel. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Polizisten vor der überfallenen Uhren-Boutique Jaeger-LeCoultre am Grendel. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Roger Rüegger und Yasmin Kunz

Die Eingangstür der Uhren-Boutique Jaeger-LeCoultre ist am gestrigen frühen Nachmittag mit rot-weissem Absperrband der Polizei versehen. Zwei kräftige Polizisten in Uniform stehen vor dem Gebäude. Daneben betreuen einige Personen zwei Frauen, die in gelbe Decken gehüllt sind und betroffen wirken. Die Szene wird von Dutzenden Passanten beobachtet. Viele sind ungläubig, verdutzt oder erstaunt, dass sich am helllichten Tag, mitten unter so vielen Menschen, ein Verbrechen abspielen kann, ohne dass grosse Aufmerksamkeit erregt wird.

Mit Pistole bedroht

Rund eine halbe Stunde zuvor, gegen 14 Uhr, haben vier unbekannte Männer die Uhren-Boutique an der Grendel­strasse, die von der Bucherer-Gruppe betrieben wird, überfallen. «Ein Täter hat die zwei Verkäuferinnen mit einer Pistole bedroht. Gleichzeitig haben die anderen die Gestelle und Vitrinen ausgeräumt», sagt Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern. Die beiden angestellten Frauen seien beim Überfall mit Pfefferspray angegriffen worden.

Die Täter haben während ihres Aufenthalts in der Boutique laut Simon Kopp kein Wort gesprochen, weshalb ein Signalement schwierig abzugeben sei. Es handle sich allem Anschein nach aber um vier osteuropäische Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Nach dem Überfall ist das Quartett gemäss Kopp zu Fuss geflüchtet. Die Täter waren offensichtlich keine Anfänger, denn auf der Flucht haben sie sich umgezogen. Dies beweisen die Bilder, die die Polizei kurz nach der Tat veröffentlichte. Die Überwachungskamera, die den Überfall in der Boutique festhielt, zeigt, dass die Männer andere Kleider tragen als später auf der Flucht. Gemäss Kopp wurden die vier bei der Kapellbrücke ebenfalls von einer Kamera aufgenommen. Darauf ist deutlich sichtbar, dass sie sich innerhalb eines Zeitraums von 40 Minuten ihrer Kleidung entledigten und neu einkleideten. Die Männer haben sich vermutlich in Richtung Neustadt aus dem Staub gemacht.

Stadt wurde abgeriegelt

Die Polizei hat gestern Nachmittag sofort eine Ringfahndung ausgelöst. Das bedeutet, dass alle Hauptverkehrsachsen kontrolliert werden. «Die Polizei hat die Stadt dichtgemacht», sagt Kopp.

Die beiden Angestellten sind nach dem Überfall mit einem Ambulanzfahrzeug weggebracht worden. «Sie befinden sich in ärztlicher Behandlung. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut», so Simon Kopp. Im Geschäft hat es bereits im Dezember 2014 einen Überfallversuch gegeben. Dieser wurde damals von einem Passanten verhindert.

Bernd de Wall, Sprecher der Allianz-Suisse-Versicherung, sagt, dass ein Geschäft bei einem solchen Überfall gegen Einbruch und Beraubung über eine Geschäfts-Sachversicherung versichert ist. «Die Deckungssumme ist in der Regel abhängig von den Sicherheitsmassnahmen sowie dem Sicherheitskonzept des Unternehmens», erklärt de Wall. Als Beispiele für Sicherheitsmassnahmen nennt de Wall unter anderem widerstandsfähige Fensterscheiben, Alarmanlagen oder gesicherte Türen. Wie oft ein Geschäft mit wertvoller Ware wie Uhren oder Schmuck überfallen werde, dazu kann de Wall keine konkreten Zahlen nennen. Er sagt aber, dass sich solche Überfälle in letzter Zeit häufen. «Wir stellen fest, dass tendenziell weniger in Uhren- und Schmuckgeschäfte eingebrochen wird, sondern dass diese vermehrt überfallen werden von professionellen, gut organisierten Gruppen.»

Die Luzerner Polizei sucht Zeugen, die Angaben zum Überfall machen können. Hinweise bitte direkt an die Telefonnummer 041 248 81 17.