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Stadt Luzern: Der Einflussreiche im Hintergrund tritt ab

Niklaus Zeier (65) geht Ende Mai nach 24 Jahren als Kommunikationschef der Stadt Luzern in Pension. Auch wenn er selten öffentlich auftrat, prägte er im Hintergrund die Stadtpolitik mit.
Beatrice Vogel
Niklaus Zeier, Kommunikationschef der Stadt Luzern, vor dem Innenhof des Stadthauses. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 27. Mai 2019)

Niklaus Zeier, Kommunikationschef der Stadt Luzern, vor dem Innenhof des Stadthauses. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 27. Mai 2019)

Das Büro ist schon fast geräumt, in der Ecke steht ein riesiger Sack mit Altpapier. Doch auch wenige Tage vor seinem Abgang ist Niklaus Zeier noch voll beschäftigt. Auf dem Sitzungstisch stapeln sich Akten, die es an Simon Rimle, seinen Nachfolger als Chef Kommunikation der Stadt Luzern, zu übergeben gilt.

Mit Zeiers Pensionierung geht eine lange Ära zu Ende. 1995 übernahm er ein 60-Prozent-Pensum bei der noch jungen Informations- und Medienstelle der Stadt. Mit einem kleinen Team stemmte er 1998 bereits die Eröffnung des KKL: «Die grösste Pressekonferenz, die ich je geleitet habe», sagt er nicht ohne Stolz. In den Folgejahren baute die Kommunikationsstelle ein Stadtmarketing auf, führte die integrierte Kommunikation ein und entwickelte den Auftritt auf den digitalen Medien. «Wir brauchten immer mehr Leute», sagt Zeier, «ich wurde zum Ausbau-Menschen, was bei der damaligen Finanzdirektion nicht gut ankam». In der Stadtverwaltung sei aber die Akzeptanz der Kommunikationsstelle – mittlerweile ein Team von acht Personen, davon ein Praktikant – seit den Nullerjahren stark gestiegen.

Er liess lieber den Stadtrat reden

Öffentliche Auftritte hatte Niklaus Zeier als Kommunikationschef kaum, er blieb im Hintergrund. «Der Stadtrat und die Fachleute müssen reden. Das schafft Achtung in der Bevölkerung.» Doch Zeier war dafür mitverantwortlich, was Stadträte und Abteilungsleiter tatsächlich öffentlich sagten. Und da gab es grosse Erfolge genauso wie Pleiten. Ein Höhepunkt war die Fusion mit Littau 2010 – Zeier bezeichnet sich selbst als einer ihrer Väter:

«Ich habe geweint vor Freude, als ich vom Abstimmungsresultat erfuhr.»

Ein weiterer Erfolg war die städtische Steuererhöhung 2013. «Die haben wir nur durchgebracht, weil wir den Leuten klaren Wein eingeschenkt haben – anders als zum Beispiel später der Kanton.»

Die grossen Kommunikations-Pannen

Schief gelaufen ist hingegen die Kommunikation rund um die Abstimmung zur Senkung der Stadtratslöhne 2015. Die enttäuschten Äusserungen von Stadtpräsident Stefan Roth (CVP) nach der verlorenen Abstimmung warfen hohe Wellen. Eine weitere kommunikative Panne passierte kürzlich bei der Präsentation der städtischen Digitalstrategie. Der Stadtrat präsentierte das Geschäft derart ungeschickt, dass er damit heftigster Kritik Tür und Tor öffnete. In beiden Fällen gelang es Zeier nicht, den Stadtrat rechtzeitig aus der Schusslinie zu nehmen. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagt zu Niklaus Zeiers Rolle bei der Digitalstrategie, dank ihm habe man «mit intensiver Kommunikation» im Nachhinein noch vieles klären können.

Über Zeier allgemein sagt Züsli, er habe ein beeindruckend grosses Netzwerk. «Bei der Kommunikation zu schwierigen Projekten war das eine enorme Hilfe.» Auch der frühere Stadtpräsident Stefan Roth schätzte Niklaus Zeier als Berater:

«Er bewahrt Ruhe, wenn es hektisch wird, ist erfahren und breit vernetzt. Ausserdem hat er ein Gespür für Befindlichkeiten und macht einen darauf aufmerksam, wenn man mehr Gelassenheit an den Tag legen sollte.»

Ebenso, sagt Roth, habe Zeier als ehemaliger Journalist den Riecher für medienrelevante Themen. Er selbst habe immer versucht, mit den Medien einen guten Kontakt zu halten, sagt Zeier. Doch während die Kommunikationsstelle ausgebaut wurde, wurde bei den klassischen Medien laufend reduziert. «Durch die digitale Flut an Informationen besteht die Gefahr, dass deren Einordnung unreflektiert erfolgen kann», sagt Zeier dazu. Für Einordnung und Gewichtung brauche es die klassischen Medien mehr denn je.

«Politische Entwicklung kam mir entgegen»

Dass Zeier ein politischer Mensch ist, merkt man im Gespräch sofort. Im Job habe er sich mit politischen Äusserungen immer zurückgehalten, sagt er – obwohl es kein Geheimnis ist, dass er links steht. «Die politische Entwicklung kam mir entgegen. Hätte sich der Stadtrat in den letzten Jahren anders entwickelt, hätte ich mich wahrscheinlich weniger wohl gefühlt.»

Wenn er am 1. Juni in Pension geht, wird «Chläusi» Zeier nicht untätig sein. Neben Kommunikationsmandaten und dem SRG-Präsidium wird er sich vor allem der Filmlocation Luzern widmen, einem langjährigen Projekt von ihm (siehe unten). Die Filmlocation setzt sich für Luzern als Drehort von Filmproduktionen ein – zu denen etwa der «Tatort» gehörte. «Wir möchten Luzern und die Zentralschweiz im Rahmen des Standortmarketings mit einer Film Commission entwickeln», verrät der 65-Jährige.

Kulturell engagiert

Niklaus Zeier ist in Luzern aufgewachsen, studierte in Freiburg Jura und war danach Journalist beim «Vaterland», der «Luzerner Zeitung» und der «Zuger Zeitung». 1995 wechselte er zur Kommunikationsstelle der Stadt Luzern. Zeier war vor dem Engagement bei der Stadt «Wärchhof»- und «Boa»-Präsident und später Mitbegründer und langjähriger Präsident des Comicfestivals Fumetto. Weiterhin tätig ist er als Präsident der SRG Zentralschweiz. Ab Juni präsidiert er den Verein Film und Fernsehen Luzern und Zentralschweiz, dem er derzeit als Vize-Präsident angehört.

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