Stadt Luzern
Der Kulturhof Hinter Musegg hat eine neue Co-Leiterin und will sich stärker auf Nachhaltigkeit konzentrieren

Irene Wespi leitet neu gemeinsam mit Pia Fassbind den speziellen Luzerner Bauernhof. Ab nächstem Jahr soll das Programm angepasst werden.

Sabina South
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Leonie und Linda stehen nah am Zaun und schäkern mit einer Spaziergängerin. Die zwei Alpakas leben seit 2009 auf dem Kulturhof Hinter Musegg Luzern sichtlich zufrieden neben schottischen Hochlandrindern, Zwergziegen, Appenzeller Spitzhaubenhühnern und Minischweinen. Hier wird nicht nur das Tierwohl grossgeschrieben. Das neue Leitungsteam mit Pia Fassbind (53) und Irene Wespi (39) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nachhaltige Entwicklung in Zukunft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Das Co-Leitungsteam mit Irene Wespi (links) und Pia Fassbind.

Das Co-Leitungsteam mit Irene Wespi (links) und Pia Fassbind.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 4. November 2021)

Seit der Stiftungsgründung Kultur- und Lebensraum Musegg im Jahr 2013 wirkten die beiden Frauen bei der strategischen Ausrichtung des Kulturhofs mit. Fassbind in der Leitung und Wespi als Bereichsleiterin Bildung. Gemeinsam betreuten sie die Abteilung Kultur und Projekte und verwandelten die ehemalige Heubühne in einen vielfältigen Veranstaltungsraum, den «Stall Modulable». Hier finden Konzerte und Schulungen ebenso statt wie Firmenanlässe und Theaterproben.

Nachhaltigkeit wird auch im Detail grossgeschrieben

Beim Kaffee im Büro nebenan wird klar, dass Nachhaltigkeit auf dem Kulturhof Hinter Musegg auch im Detail grossgeschrieben wird. Ein eigentümliches Lämpchen steht auf dem Tisch. «Mein Mann Walter hat das aus alten E-Scooter Batterien angefertigt, inzwischen stehen in der Hofbeiz auf jedem Tisch solche Lämpchen», erklärt Fassbind.

Der Kulturhof Hinter-Musegg liegt, wie der Name sagt, hinter der Museggmauer.

Der Kulturhof Hinter-Musegg liegt, wie der Name sagt, hinter der Museggmauer.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 4. November 2021)

«Schon zu Beginn war der Kulturhof ein offener, lebendiger Ort, wo wir auf lustvolle Art zum nachhaltigen Denken und Handeln anregten», sagt Wespi im Gespräch. Der Kulturhof lasse alle daran teilhaben, das Leben bewusst und umsichtig zu gestalten. Die aktuell laufenden Projekte peilen schon seit Jahren die 17 Nachhaltigkeitsziele der SDGs (Sustainable Development Goals der Agenda 2030) an. «Wir haben offene Stalltüren und Stalldienste, Führungen zu Lebensraum-, Energie- und Klimaschutzthemen, ein Energiekonzept mit integrierter E-Mobilität, die Hofbeiz und den Hofladen mit regionalen und biologischen Produkten», sagt Fassbind, die wie Wespi auf dem Kulturhof wohnhaft ist. Dazu komme die biologische Bewirtschaftung, der Permakulturgarten und ein frei zugänglicher Sinnes- und Lehrpfad. «Bei uns darf man hautnah erfahren, wie vielseitig nachhaltige Entwicklung sein kann und wie viel Freude man bei der Umsetzung haben kann.»

Blick auf die Weide neben dem Hof.

Blick auf die Weide neben dem Hof.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 4. November 2021)

Für hungrige Besuchende hat das Küchenteam beispielsweise ein Menu kreiert, das frische Produkte aus dem Hofladen verwendet, sich an deren Verfallsdaten orientiert und somit die Nahrungsmittelverschwendung eliminiert. Auch konnte diesen Sommer erstmals das Heu gänzlich CO2-frei gemäht und eingebracht werden; dank E-Mobilität und tatkräftiger Unterstützung der Nachbarschaft. Ab und an gibt es sogar eine selbst gestrickte Mütze von Leonies und Lindas Fell.

Auch Workshops sollen angeboten werden

Trotzdem: Pia Fassbind, Irene Wespi und das ganze Team wollen mehr: «Der Kulturhof soll ab 2022 noch verstärkt Raum- und Impulsgeber im Bereich der nachhaltigen Entwicklung im Zentralschweizer Raum sein», so Wespi. Das bestehende Angebot werde nochmals überprüft, optimiert und ab 2022 neugestaltet und ergänzt. Neben Podien, Gesprächen und Bühnenproduktionen auf der hauseigenen «Heubühne» sollen in Zukunft auch Workshops angeboten werden, denn «viele Firmen wären gerne nachhaltiger unterwegs», sagt Fassbind. «Wir möchten auch Organisationen anregen und unterstützen, die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen.»

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