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STADT LUZERN: Der unbequeme Querdenker Joseph Schärli tritt ab

Seppi Schärli (75) wetterte gegen die Fusion, wechselte die Partei – und blieb stets sich selber treu. Nach fast 60 Jahren zieht sich die Littauer Politlegende aus der aktiven Politik zurück.
Nach fast 60 Jahren in der Politik ist Schluss: Joseph Schärli zieht sich aus der aktiven Politik zurück. (Bild: Roger Gruetter (09.02.2016, Littau))

Nach fast 60 Jahren in der Politik ist Schluss: Joseph Schärli zieht sich aus der aktiven Politik zurück. (Bild: Roger Gruetter (09.02.2016, Littau))

Robert Knobel
robert.knobel@luzernerzeitung.ch


Das Luzerner Stadtparlament war gerade dabei, den städtischen Sicherheitsbericht zu beraten. Da ging es um Atomkatastrophen, Stromausfälle und Pandemien, als sich plötzlich Joseph Schärli (SVP) zu Wort meldete. «Und wenn morgen ein Schiff auf dem See brennt?», fragte er mit seiner unverkennbaren, donnernden Stimme.

Die Episode vom November 2016 ist typisch für Joseph Schärli (75), eine der schillerndsten Polit-Figuren der Stadt Luzern, der am (heutigen) Dienstag seinen Rücktritt bekannt gab (siehe Kasten). Wenn sich die Grossstadträte in Scheingefechten und abgehobenen Diskussionen verloren, holte Seppi Schärli sie auf den Boden zurück. So wie eben bei der Beratung des Sicherheitsberichts, als der Stadtrat einräumen musste, dass er zwar für einen weltweiten Super-GAU gerüstet ist – mangels Löschboot aber kaum in der Lage wäre, einen grösseren Schiffsbrand auf dem Vierwaldstättersee zu bewältigen.

Joseph Schärli ist ein politisches Urgestein. Mit 17 ging er in die Politik, damals im kantonalen Jugendparlament. Dass er dereinst die Geschicke der Stadt Luzern mitlenken würde, hätte er sich wohl kaum träumen lassen. Schliesslich war Schärli ein klassischer Dorfpolitiker, der es in seiner Gemeinde Littau zu Amt und Würden brachte. «Es bedeutete eine grosse Genugtuung, mich für meine Gemeinde engagieren zu können», sagt Joseph Schärli rückblickend. 22 Jahre lang war er Littauer Gemeindeammann. Doch seine Amtszeit endete mit viel Getöse. Eine Sonderkommission, welche die Verhältnisse im Gemeinderat untersuchte, kam 2001 zum Schluss, dass Schärli als Finanz- und Bauvorsteher über "totalitäre" Vollmachten verfüge. Sogar Schärlis damalige Partei, die CVP, forderte ihn zum Rücktritt auf. Doch dieser dachte nicht daran - und wechselte einfach zur SVP. 2004 wurde er als Gemeinderat abgewählt, seine politische Karriere in Littau war zu Ende.

Kämpfer für Littau und Reussbühl

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Fusion mit der Stadt Luzern dem eingefleischten Fusions-Gegner Schärli die Chance für ein politisches Comeback bot. Kurzerhand kandidierte er fürs Parlament der fusionierten Stadt Luzern. Zwar verpasste er die Wahl knapp, rückte aber schon 2011 ins Stadtparlament nach und sorgte fortan dafür, dass die Städter die Littauer und Reussbühler Anliegen nicht vergassen. Das bedeutet aber nicht, dass dem früheren Gemeindeamman die Belange der «alten» Stadt egal wären.

Ob Salle Modulable oder Tempo-30-Zonen in der Innenstadt – Schärli hat immer eine klare Meinung. Dass er damit auch bei den politischen Gesinnungsgenossen aneckt, liegt auf der Hand. Die SVP hatte bisweilen viel zu kauen mit ihrem unbequemen Senior. Viele SVP-ler hofften vor den letzten Wahlen insgeheim, Schärli würde endlich in den Ruhestand treten. Doch sie machten die Rechnung ohne den kantigen Reussbühler, der 2016 erneut gewählt wurde.

Wie belastet sein Verhältnis zu seiner Partei ist, zeigte sich zu Beginn der laufenden Legislatur. Schärli, langjähriges Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK), wurde von der SVP nicht mehr zur Wahl in die Kommission vorgeschlagen. Ein Affront für den Reussbühler, der dann einfach auf eigene Faust kandidierte. Genützt hats wenig – Schärli bekam lediglich 10 Stimmen, gewählt wurden die beiden offiziellen SVP-Kandidaten Peter With und Mario Willimann. Pikantes Detail: Die Wahl Schärlis in die GPK sorgte schon bei seinem Amtsantritt 2011 für Wirbel, als die SP öffentlich dessen Eignung für dieses Mandat anzweifelte. Doch damals stand die SVP noch hinter ihrem Mann und ermöglichte ihm die Wahl.

Seit mehreren Monaten schon fehlte Joseph Schärli krankheitshalber im Stadtparlament. Die Bürgerlichen ärgerten sich über diese Dauer-Absenz – schliesslich ist man angesichts der knappen Mehrheiten um jede Stimme froh. Doch so sehr ihn die Parteioberen auch beknieten, er dachte nicht an einen vorschnellen Rücktritt. Aber jetzt sei die Zeit reif, wie Schärli auf Anfrage sagt. Da eine Rückkehr ins Parlament in absehbarer Zeit nicht realistisch ist, hat er sich entschlossen, neuen Kräften Platz zu machen.

Heute sieht er in der Fusion auch Positives

Fast 60 Jahre lang machte Seppi Schärli Politik. Wie sieht er heute den Zustand seiner ehemaligen Gemeinde Littau? «Heute kann ich der Fusion auch Positives abgewinnen. Dazu gehört zum Beispiel die Sanierung des Alterszentrums Staffelnhof, welche die Gemeinde Littau wohl nicht in diesem Ausmass gemacht hätte.» Auch der Neubau des Schulhauses Staffeln sei erfreulich, obgleich er «grosse Fragezeichen» bezüglich der Kosten von über 53 Millionen Franken setze.
Auch wenn sich Seppi Schärli nun von der städtischen Politik zurückzieht – die politische Bühne verlässt er nicht. Als kantonaler und eidgenössischer SVP-Delegierter wird er sich weiterhin engagieren, wie er betont.

Thomas Gfeller rückt nach

Den Sitz von Joseph Schärli im Stadtparlament soll Thomas Gfeller (45) übernehmen. Er ist Inhaber und CEO einer Immobilienbewirtschaftungsfirma sowie eines Reinigungsunternehmens. Gfeller ist in der Parteileitung der städtischen SVP engagiert. Die SVP verfügt im Parlament über 7 Sitze. (mst)

Der damalige Littauer Gemeindeammann Josef Schärli freut sich über den geplanten Hornbach-Laden in Littau. Er zeigt gemeinsam mit Eduard Zimmerle von der deutschen Hornbach Baumarkt AG ein Modell des geplanten Ladens im Jahr 2000. (Bild: LZ Archiv)

Der damalige Littauer Gemeindeammann Josef Schärli freut sich über den geplanten Hornbach-Laden in Littau. Er zeigt gemeinsam mit Eduard Zimmerle von der deutschen Hornbach Baumarkt AG ein Modell des geplanten Ladens im Jahr 2000. (Bild: LZ Archiv)

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