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Stadt Luzern: Die Bevölkerungszahl stagniert – aber die Verwaltung wächst

Immer neue Aufgaben und Projekte lassen die Zahl der Stellen in der Stadtverwaltung laufend steigen. Die Digitalisierung könnte diese Entwicklung eines Tages stoppen, glaubt Stadtpräsident Beat Züsli.
Robert Knobel
Ein Büro der Abteilung Soziale Dienste der Stadt Luzern. Im Sozialwesen steigt die Stellenzahl automatisch im Verhältnis zur Zunahme der Fälle. (Bild Pius Amrein, 1. September 2016)

Ein Büro der Abteilung Soziale Dienste der Stadt Luzern. Im Sozialwesen steigt die Stellenzahl automatisch im Verhältnis zur Zunahme der Fälle. (Bild Pius Amrein, 1. September 2016)

Wenn der Luzerner Stadtrat neue Strategien und Konzepte präsentiert, enthalten diese meistens auch eine Stellenaufstockung in der Stadtverwaltung. Einige aktuelle Beispiele:

Die Zahl der bewilligten Vollzeitstellen in der Stadtverwaltung ist in den Jahren 2015 bis 2018 von 982 auf 1049 gestiegen. Das ist ein Anstieg um fast 7 Prozent – während die Bevölkerungszahl in diesem Zeitraum bloss um 0,8 Prozent gewachsen ist:

Im Budget 2019 ist zudem eine weitere Erhöhung auf 1074 Stellen geplant. Gemäss dem städtischen Personalchef Christian Bünter gibt es zwei Hauptgründe für den Anstieg der Stellen in jüngster Zeit. So ist zum Beispiel im Sozialbereich die Anzahl Stellen an die Fallzahlen gekoppelt: Weil es immer mehr Fälle gibt, werden automatisch mehr Ressourcen geschaffen.

Der zweite Grund für den Anstieg liegt darin, dass die Stadtverwaltung zunehmend neue Aufgaben oder grosse Projekte übernehmen muss, die sie vorher gar nicht hatte – zum Beispiel wie oben erwähnt die verstärkte Förderung der Biodiversität oder der Unterhalt der Laptops für Sekschüler. Dies sind bewusste politische Entscheide von Stadtrat und Parlament. Entsprechend sind sie auch nicht unumstritten. So sagt etwa FDP-Präsident Fabian Reinhard: «Die linksgrüne Mehrheit im Parlament kann gar nicht genug neue Aufgaben und Stellen erfinden.» Auch SVP-Fraktionschef Marcel Lingg bedauert, «dass die Parlamentsmehrheit dem stetigen Stellenausbau offen gegenüber steht».

Feuerwehr und Schülerbetreuung sorgen für Stellenwachstum

Beat Züsli (SP), als Stadtpräsident auch fürs Personal zuständig, bestätigt, dass ein wesentlicher Anteil des Stellenwachstums auf zusätzliche Aufgaben zurück geht. Dies sei eine Folge der gesellschaftlichen Veränderungen, welche neue Anforderungen an die Stadt stellen. «Dies betrifft zum Beispiel den Ausbau der Betreuung im Schulbereich, der ein wichtiges Anliegen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufnimmt.»

Aber auch die Einführung der Berufsfeuerwehr 2016 hat dafür gesorgt, dass die Zahl der städtischen Angestellten gestiegen ist. Die Feuerwehr-Stellen wurden zunächst in Adrian Borgulas Departement für Umwelt, Verkehr und Sicherheit (UVS) geschaffen. 2018 wurde der ganze Sicherheits-Bereich in Martin Merkis Sozialdirektion verschoben, die neuerdings Sozial- und Sicherheitsdirektion heisst (siehe Grafik oben). Die Zahlen sind erst ab 2015 direkt vergleichbar. Vorher umfasste die Stadtverwaltung massiv mehr Stellen, da die Alters- und Pflegeheime noch Teil der Verwaltung waren.

Grüne machen den Kanton verantwortlich

Bevor neue Stellen bewilligt werden, prüfe der Stadtrat unter anderem, ob die zusätzlichen Aufgaben nicht auch von Externen erfüllt werden könnten, sagt Beat Züsli. Für die SP ist dies aber meist keine Option, wie Fraktionschef Simon Roth sagt: «Bei wiederkehrenden Tätigkeiten ist es besser und günstiger, wenn sich die Stadt das Knowhow intern erarbeitet.» GLP-Fraktionschef Jules Gut ergänzt: «Die eigentlichen Kostentreiber sind nicht die neuen Stellen in der Verwaltung, sondern die wirtschaftliche Sozialhilfe und die Pflegefinanzierung». Apropos Sozialwesen: Grünen-Fraktionschefin Korintha Bärtsch macht hier auch den Kanton für den zunehmenden Stellenbedarf verantwortlich. Er habe mit seiner Verlagerungspolitik der Stadt zusätzliche Aufgaben im Sozialwesen aufgebürdet.

CVP: Ausbau ist in Ordnung – aber es soll auch wieder abgebaut werden können

CVP-Fraktionschefin Mirjam Fries anerkennt zwar, dass der Stadtrat die Schaffung von neuen Stellen meist gut begründen könne. Kritisch sieht sie hingegen die Tatsache, dass neue Stellen immer gleichzeitig ein Gesamtwachstum bedeuten. «Bestehende Aufgaben werden zu wenig hinterfragt. Die Überprüfung müsste eine Daueraufgabe des Stadtrats sein. Das fehlt unserer Meinung nach», so Fries. Dem pflichtet Fabian Reinhard bei: «Die Verwaltung ist der festen Überzeugung, dass ihre Aufgaben immer komplexer werden. Es ist Aufgabe des Stadtrats, diesem Druck nicht einfach nachzugeben».

Allerdings ist es nicht nur der Stadtrat, sondern auch das Parlament selber, das neue Stellen fordert. So könnten etwa die überwiesenen Vorstösse zur Einführung eines City-Managers und für flächendeckende Tagesschulen zu einem weiteren Stellenausbau beitragen. Hingegen hat dasselbe Parlament am Donnerstag den Stadtrat ausgebremst, indem es eine Aufstockung um 1,3 Stellen bei der Stadtplanung ablehnte. Der Stadtrat wollte mit den zusätzlichen Stellen die Aufwertung der Innenstadt fördern (wir berichteten). Auch ob die 5 neuen Vollzeitstellen für die geplante Digital-Fachstelle beim Parlament Gehör finden werden, ist nach der starken Kritik an der Digitalstrategie alles andere als sicher.

Personalchef Christian Bünter sagt, dass die Stadt auch einen gewissen Nachholbedarf habe.

«Über Jahre hatten wir einen Stellenstopp, und seit 2011 gab es drei Sparpakete mit Stellenabbau».

Das Resultat seien massive Mehrzeiten beim bestehenden Personal gewesen, welche am Ende ausbezahlt wurden und die Stadt entsprechend teuer zu stehen kamen. Bünter verweist auch auf eine Studie von Avenir Suisse, wonach die Stadt Luzern im Verhältnis zur Einwohnerzahl die effizienteste Verwaltung aller Schweizer Städte hat.

Personalchef sorgt sich wegen Fachkräftemangel

Gemäss den Prognosen im Aufgaben- und Finanzplan wird die Zahl der Stellen weiter zunehmen – bis 2022 auf rund 1083. Christian Bünter ist darüber nicht nur glücklich. Denn je nach Fachgebiet ist es teilweise schwierig, überhaupt geeignete Leute zu finden – vor allem im Bereich Ingenieurwesen und Informatik. «In Zukunft wird sich der Fachkräftemangel noch verstärken», sagt Bünter.

Beat Züsli glaubt andererseits, dass die Digitalisierung langfristig zu einer Effizienzsteigerung und einem verminderten Stellenbedarf führen wird. «Da aber häufig das analoge Angebot weiterzuführen ist, tritt dieser Effekt nicht unmittelbar nach Einführung eines digitalen Angebots ein.» Tatsächlich hatte der Stadtrat schon bei der Präsentation seiner Digitalstrategie darauf hingewiesen, dass teilweise Doppelspurigkeiten im Angebot entstehen werden, da ein Teil der Bürger vorläufig nicht auf Schalterkontakte verzichten will.

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