Stadt Luzern
Die «Familie Eichwäldli» meldet sich: «Die Situation wird immer absurder»

Nach dem Polizeieinsatz vom Dienstag sind die Bewohnerinnen und Bewohner zurück in der Liegenschaft am Murmattweg. Jetzt legen sie ihre Sicht des vergangenen Tages dar.

Simon Mathis
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Die Luzerner Polizei beim Einsatz am Murmattweg in der Nähe der Luzerner Allmend.

Die Luzerner Polizei beim Einsatz am Murmattweg in der Nähe der Luzerner Allmend.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 4. Mai 2021)

Gestern Dienstag kam es beim Stadtluzerner Eichwäldli zu einem Polizeieinsatz. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Murmattwegs 2 wurden zur Identifikation und Befragung aufs Revier mitgenommen. Mittlerweile befindet sich die Gruppe, die sich «Familie Eichwäldli» nennt, wieder im Wohnteil des Gebäudes. Der Gemeinschaftsraum, die sogenannte Soldatenstube, wurde von der Stadt Luzern als Eigentümerin abgeriegelt.

Am Dienstagabend haben sich die Bewohner auf dem Nachrichtendienst Instagram zu Wort gemeldet: «Wir sind wieder hier und versuchen uns zu sortieren.» Während der Befragung hätte die Stadt Luzern die Wagen rund ums Gebäude noch enger umzäunt und «verzweifelte Hausverbote rausgepfeffert». Als Sinnbild für ihre Stimmungslage zeigte die Gruppe ein Foto mit Pizzaschachteln und Getränken.

Gruppe will weitermachen – trotz «eiserner Gesprächsverweigerung»

Auf Anfrage äussert sich die «Familie Eichwäldli» nun erstmals wieder – und berichtet, wie der Polizeieinsatz aus ihrer Perspektive abgelaufen ist. Die Antworten erfolgten schriftlich, namentlich will sich niemand nennen lassen. Die Bewohner schreiben:

«Wir lassen uns nicht unterkriegen. Und wir haben viel gelacht, weil diese Situation immer absurder wird.»

Die Stadt habe es vorgezogen, einen koordinierten Polizeieinsatz zu veranlassen, statt mit ihnen an einen Tisch zu sitzen. «Das Einzige, was erreicht wurde, ist eine Wand zwischen Küche und Stube. Aber das hatten wir ja auch schon.» Trotz oder gerade wegen der «erhöhten Repression und eiserner Gesprächsverweigerung seitens der Stadt» wollen die Bewohnerinnen und Bewohner das Projekt weiterführen. Sie wollen bald ihre Petition zur Neubeurteiltung der Soldatenstube einreichen. Es seien bereits über 2000 Unterschriften zusammengekommen, zähle man die nicht-digitalen Signaturen mit.

Bewohner nennen Polizeieinsatz «ziemlich unfreundlich»

Laut Polizei sei der Einsatz «ruhig, sachlich und verhältnismässig» abgelaufen. Dazu schreibt die Gruppe: «Die Anwendung von Gewalt so zu nennen, ist zynisch.» Es sei «ziemlich unfreundlich, bis auf die
Zähne bewaffnet ins private Schlafzimmer zu stürmen». Menschen trotz erfolgter Identifizierung auf den Posten mitzunehmen und in Zellen zu sperren, sei auch Gewalt.

«Dass wir hingegen friedlich und gut gelaunt waren, können wir bestätigen.»

Auf die Frage, wozu die «Familie» auf dem Revier Auskunft geben musste, lautet die Antwort: «Auskunft muss mensch nur über seine Personalien und die Meldeadresse machen. Alle anderen Fragen dürfen mit ‹Ich verweigere meine Aussage› beantwortet werden.»

Die Luzerner Polizei schreibt auf Anfrage, man nehme die Aussagen der Eichwäldli-Bewohner zur Kenntnis, bleibe aber bei Feststellung, dass der Einsatz ruhig, sachlich und verhältnismässig gewesen sei.

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