STADT LUZERN: Die Steak-Ideologie

Stadtwärts

Robert Knobel
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Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region. (Bild: Nadia Schärli / LZ (Luzern, 16. Dezember 2016))

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region. (Bild: Nadia Schärli / LZ (Luzern, 16. Dezember 2016))

«Bist du etwa Vegetarier?» Diese Frage muss man sich anhören, wenn man etwa eine Pizza Funghi bestellt. Die Antwort «Nein, aber man muss ja nicht jeden Tag Fleisch essen» tut der Irritation meist keinen Abbruch.

Ähnlich verkrampft ist auch die Luzerner Gastroszene, wenn es um die Frage «mit oder ohne Fleisch» geht. Die Mittagsmenüs in durchaus trendigen Beizen gleichen sich meist wie eine Bratwurst der anderen. Bei Menü 1, 2 und 3 ist Fleisch der unverzichtbare Hauptbestandteil des täglichen Brots. «Alles andere ist Beilage», wie es ein Werbeslogan der Schweizer Fleischproduzenten treffend beschreibt. Die Vegi-Variante von Menü 4 (wahlweise Älplermagronen oder Kürbisrisotto) ist meist derart lieblos und uninspiriert, dass man doch meistens die (teurere) Fleischversion wählt.

Kein Wunder, wird das «Tibits» im Luzerner Bahnhof von Gästen förmlich überrannt. Die wenigsten von ihnen sind Vegetarier – doch die innovative Vegi-Küche macht das Verlangen nach Fleisch ganz einfach obsolet. Von solchen Konzepten könnten sich auch die etablierten Betriebe ein Wursträdli abschneiden. Denn im Jahr 2017 müsste das Thema «mit oder ohne» eigentlich keine Glaubensfrage mehr sein. Dann würde auch das Steak wieder zu einer interessanten Bereicherung der Menükarte anstatt eines ideologisch gefärbten Grundnahrungsmittels.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch