STADT LUZERN: Dieses Haus am Mühlenplatz ist brandgefährlich

Mitten in der Luzerner Altstadt steht ein Haus, das der Besitzer als «tickende Zeitbombe» bezeichnet. Bei den Brandschutzmassnahmen wurde massiv geschlampt. Jetzt läuft ein Strafverfahren.

Robert Knobel
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Beim Haus am Mühlenplatz 3/4 mit den Fassadenmalereien werden Brandschutzauflagen verletzt. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 12. Januar 2017))

Beim Haus am Mühlenplatz 3/4 mit den Fassadenmalereien werden Brandschutzauflagen verletzt. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 12. Januar 2017))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Das Gebäude am Mühlenplatz 3/4 ist über 500 Jahre alt und gehört mit seinen Wandmalereien zu den schönsten der Luzerner Altstadt. Weniger schön ist hingegen seine jüngste Geschichte. Das Haus weist nämlich schwerwiegende Brandschutzmängel auf. Und dies obwohl es erst 2007 total saniert wurde.

Was ist da passiert? Die Liegenschaft gehörte damals der Schweizerischen Umweltstiftung, die heute noch ihren Sitz in diesem Gebäude hat. Stiftungsratspräsident ist der Luzerner Immobilienbesitzer Jost Schumacher. 2012 verkaufte die Stiftung das Gebäude an den neuen Eigentümer Konrad Fischer aus Zürich. Doch für ihn hatte der Hauskauf ein böses Erwachen zur Folge. «Wir haben 2015 gemerkt, dass mit dem Treppenhaus etwas nicht stimmt», sagt Fischer. 2015 glaubte er noch, dass sich das Problem mit kleineren Optimierungen lösen liesse. Doch beim genaueren Hinschauen wurde klar, dass beim Umbau massiv geschlampt worden war. Dies zeigte wenig später eine Inspektion der Luzerner Gebäudeversicherung. In einem Schreiben vom September 2016, das unserer Zeitung vorliegt, kommt die Gebäudeversicherung zum Schluss, dass das Gebäude «bezüglich Brandschutz diverse schwerwiegende Mängel aufweist, welche die Sicherheit der Personen im Gebäude gefährden können». Zudem sei im Falle eines Brandes von grossen Gebäudeschäden auszugehen.

Treppen könnten Feuer fangen

Die Gebäudeversicherung listet eine ganze Reihe von Mängeln auf. So wurden beispielsweise beim Umbau brennbare Treppen eingebaut – dies, obwohl die behördlichen Auflagen nicht brennbare Treppen gefordert hatten. Zudem fehlen Brandschutzwände, welche die Ausbreitung eines Feuers verhindern. Besonders gravierend ist gemäss Gebäudeversicherung ein Schacht, der durch das gesamte Gebäude führt. «Brennbare Brandgase können sich so ungehindert im ganzen Gebäude und in allen Decken ausbreiten und einen Vollbrand in kürzester Zeit verursachen», heisst es. Nicht einmal die Brandmeldeanlage, die auch Teil der Auflagen war, sei korrekt installiert worden.

Die Mängel muss der neue Eigentümer nun auf eigene Rechnung beheben. Das hat die Gebäudeversicherung verfügt. Gemäss Konrad Fischer wird die Nachrüstung des Gebäudes bis im Frühling abgeschlossen sein. «Das Haus war eine tickende Zeitbombe», sagt er. Der Fall wird deshalb ein juristisches Nachspiel haben. Fischer hat nämlich Strafanzeige eingereicht. «Durch die Unterlassungen entsteht mir nicht nur ein grosser finanzieller Schaden, die Brandschutzmängel sind auch strafrechtlich relevant», sagt Fischer. Das Strafverfahren, das die Staatsanwaltschaft im Dezember eröffnete, richtet sich gegen Jost Schumacher, der nach wie vor Stiftungsratspräsident der Umweltstiftung ist, sowie gegen mehrere Firmen, die am Umbau beteiligt waren.

Die Mängel wurden bei der Kontrolle übersehen

Doch weshalb wurden diese Mängel erst Jahre nach dem Umbau entdeckt? «Das können wir uns nicht erklären», sagt der beschuldigte Jost Schumacher. Fakt ist, dass nach Abschluss der Bauarbeiten eine Abnahme durch die städtische Baudirektion und die Gebäudeversicherung stattfand. Die Versicherung machte zudem eine Gebäudeschatzung. «Diese impliziert, dass die feuerpolizeiliche Kontrolle bezüglich Abnahme auch in Ordnung und erledigt ist», sagt Jost Schumacher. Die Gebäudeversicherung bestätigt auf Anfrage, dass eine Nachkontrolle stattgefunden habe. Allerdings war diese Kontrolle nicht so detailliert, dass die Mängel hätten entdeckt werden können.

Jost Schumacher betont, dass die Umweltstiftung niemals «irgendwelche Weisungen erteilt hätte, feuerpolizeiliche Massnahmen nicht auszuführen». Für die Einhaltung der Vorschriften seien die Bauleitung sowie Gebäudeversicherung und Baudirektion zuständig gewesen. Sämtliche Bauleistungen seien von externen Firmen eingekauft worden. Firmen, gegen die nun ebenfalls Klage eingereicht worden ist. Dass diese hoch fahrlässig gehandelt haben sollen, kann Jost Schumacher nicht glauben. Er bezeichnet auch die vom heutigen Eigentümer veranschlagten Kosten von 200000 Franken für die Nachrüstung als «übersetzt und nicht glaubhaft. Wir sind der Meinung, dass allfällige Mängel ohne grossen Aufwand behoben werden können.»

Schumacher lässt durchblicken, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden bei den Bauarbeiten im denkmalgeschützten Haus nicht immer einfach war. So habe die Gebäudeversicherung teils Auflagen gemacht, die sich nicht mit dem Denkmalschutz vertrugen. So habe man zeitweise gar nicht mehr gewusst, wem man nun glauben soll.