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In Luzern wartet man ein halbes Jahr auf die Baubewilligung – viel länger als in anderen Städten

Wer in der Stadt Luzern bauen will, braucht Geduld. Letztes Jahr dauerte es im Schnitt 182 Tage, bis eine Baubewilligung vorlag. Die Verspätung lässt sich nicht allein durch die komplexen Bedingungen im urbanen Umfeld erklären. Denn andere Schweizer Städte sind effizienter als Luzern.
Simon Mathis
In der Stadt Luzern kann's dauern, bis die Bauarbeiten losgehen. (Bild: Nadia Schärli, 1. Oktober 2018)

In der Stadt Luzern kann's dauern, bis die Bauarbeiten losgehen. (Bild: Nadia Schärli, 1. Oktober 2018)

In der Stadt Luzern müssen Bauherren rund 172 Tage warten, bis sie eine Bewilligung in den Händen halten. Das rechnet der liberale Think-Tank Avenir Suisse in einer jüngst veröffentlichten Erhebung vor (wir berichteten). Damit liegt Luzern gut zwei Wochen über dem Schweizer Mittelwert. In der Schweiz dauert es durchschnittlich 157 Tage, bis eine Baubewilligung vorliegt.

Die Zahl von Avenir Suisse ist ein Mittelwert aus den letzten fünf Jahren. Ein Blick auf die einzelnen Jahre zeigt: Die Dauer der Baubewilligung ist stetig gestiegen. 2008 lag der Schnitt noch bei 100 Tagen, in den letzten sechs Jahren kletterte der Wert von 124 auf 185 Tage – das ist länger als ein halbes Jahr.

Mittlere Dauer der Baubewilligungserteilung in der Stadt Luzern (in Tagen)

2008 bis 2017
2008200920102011201220132014201520162017Jahr050100150200250

Besonders gedulden musste man sich 2015, nämlich im Schnitt 207 Tage lang. Hauptgrund dafür dürfte die Bau- und Zonenplanung der Stadt Luzern sein, die im Jahr zuvor erneuert wurde. Viele warteten bis 2015 zu, um unter klaren Bedingungen ein Baugesuch zu stellen. Das verlangsamte die Verfahren, da sich die Gesuche auf den Pulten der Verwaltung stapelten. Aber auch ohne diesen Ausreisser: Ein Trend zu längeren Bauverfahren ist in der Statistik von Avenir Suisse erkennbar.

Dass die Stadtverwaltung die Vorgaben der kantonalen Planungs- und Bauverordnung nicht einhalten kann, ist schon länger bekannt (wir berichteten). Die Verordnung schreibt vor, dass 80 Prozent der ordentlichen Verfahren innerhalb von 40 Tagen erledigt sein sollen. Die Stadt gibt indes an, diese Vorgaben nur in 40 Prozent der Fälle einhalten zu können.

Durchschnittlich 132 Tage Verspätung

Die Zahlen von Avenir Suisse werfen nun ein Licht darauf, wie gross die Verzögerung effektiv ist; sie beträgt im Schnitt stolze 132 Tage. Darüber hinaus zieht die Statistik die Erklärung in Zweifel, dass Bauen im urbanen Umfeld komplexer sei als anderswo. Denn Städte wie St. Gallen zeigen, dass es auch schneller geht. In rund 98 Tagen liegt dort eine Baubewilligung vor. Länger als in Luzern warten Bauherren nur in Zürich (177 Tage), Lausanne (202 Tage) und Genf (208 Tage). Von zehn Schweizer Städten landet Luzern auf Platz sieben.

Weshalb St. Gallen so viel besser abschneidet als alle anderen Schweizer Städte, lasse sich nicht so einfach sagen, meint Ivan Furlan, der das St. Galler Amt für Baubewilligungen leitet. Denn in jeder Stadt herrsche eine andere Ausgangslage. «Die verschiedenen Gremien in St. Gallen arbeiten sehr konstruktiv zusammen», berichtet Furlan. «Auch der Austausch zwischen kantonalen und städtischen Stellen ist eng.» Ausserdem biete man im Vorfeld eine Bauberatung an, um Bauherren und Planer zu orientieren.

Patrik Bisang, Präsident des Architektenvereins SIA Zentralschweiz, kennt das Problem in Luzern. «Regelmässig erhalte ich Anrufe von Planern und teilweise auch Bauherren, die mich auf die sehr langen Bewilligungsverfahren in der Stadt Luzern aufmerksam machen», sagt Bisang, der selbst als Architekt in Luzern tätig ist.

Die architektonischen Anforderungen in der Stadt seien zwar mit gutem Recht höher als auf dem Land. «Dies kann und darf aber nicht eine Entschuldigung sein, warum wir hier so lange auf eine Bewilligung warten müssen», betont Bisang. «Die Stadt muss bestrebt sein, ihre Bewilligungsverfahren gemäss den kantonalen Auflagen zu optimieren.»

Mittlere Dauer der Baubewilligung in der Stadt Luzern (in Tagen)

2013-2017
050100150200250Wohnen NeubauWohnen RenovationArbeit NeubauArbeit RenovationBaubereich

Luzern ist Schlusslicht bei Gewerbe-Renovationen

Mit 164 Tagen Bearbeitungszeit ist Luzern gemeinsam mit Lausanne das Schlusslicht, was die Renovation von Gewerbegebäuden betrifft. Im Schnitt dauert ein solches Verfahren in der Schweiz 132 Tage. In Luzern muss man also einen Monat länger warten.

Laut Patrik Bisang vom SIA Zentralschweiz sind die Renovationsverfahren in Luzern besonders vertrackt. Die Anforderungen seien häufig fast so hoch wie bei Neubauten, so Bisang. «Hier könnten sicherlich schlankere Verfahren geprüft werden.»

Die Bewilligung von Neubauten dauert grundsätzlich länger als die von Renovationen. Für Gewerbegebäude gelten zusätzliche Vorschriften, die im Verfahren geprüft werden müssen. Das führt dazu, dass sich gewerbliche Bauvorhaben eher hinziehen.

«Fristen massiv überschritten»

Die Dauer der Baubewilligungen ist bereits ein Fall für die Politik. Im Juli forderte der Grossstadtrat Rieska Dommann (FDP) per Motion eine raschere Behandlung der Baugesuche. «Die Zahlen von Avenir Suisse bestätigen, was wir schon lange wissen: Die gesetzlichen Bewilligungsfristen werden in der Stadt nicht eingehalten», sagt Dommann. «Jetzt wissen wir sogar, dass die Fristen massiv überschritten werden.»

Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme schlicht nicht. «Die Bewilligungsgebühren sind schweizweit fast nirgends so hoch wie in Luzern», so Dommann. Dass Luzern im Vergleich mit anderen Städten so schlecht abschneide, werfe umso mehr Fragen auf.

Die Baugesuche stapeln sich weiter

«Die Situation ist auch für die Stadt klar nicht befriedigend», sagt Markus Hofmann, der den Bereich Baugesuche in der Stadt Luzern leitet. Zwar habe die Verwaltung bereits diverse Massnahmen – etwa einen verwaltungsinternen elektronischen Bearbeitungsprozess – umgesetzt. Aber: «Die getroffenen Massnahmen werden durch die grössere Zahl und die immer komplexer werdenden Gesuche und baurechtlichen Regelungen ‹aufgefressen›.»

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 bearbeitete die Verwaltung 208 Bauentscheide über ein Bauvolumen von 210 Millionen Franken. 2017 waren es 473 Entscheide und 406 Millionen Franken. Markus Hofmann betont indes, dass die Bearbeitungsdauer in den letzten zwanzig Jahren nicht schlechter geworden sei. «Den Trend, dass die Gesuche immer länger dauern, können wir nicht bestätigen. Uns ist nicht bekannt, auf welchen Daten die Erhebung genau basiert», betont Hofmann. Die Zahlen würden aber den Schluss nahelegen, dass die Fristvorgaben in den meisten Fällen nicht mehr ganz realistisch sind.

Nicht nur die Verwaltung, auch die Gesuchsteller können zu einem schnelleren Verfahren beitragen. «Wichtig ist, dass die Planer zusammen mit den Bauherren im Vorfeld möglichst breite und fundierte Abklärungen bei den Behörden machen», sagt Patrik Bisang vom SIA. Bauberatungen wie in St. Gallen bietet auch Luzern an. «Praktisch jedes Baugesuch wird mit uns vorbesprochen», sagt Hofmann. Aber auch das brauche viele Ressourcen.

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