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STADT LUZERN: Er plant eine Parkplatz-Revolution für die Stadt Luzern

Oliver Stahel arbeitet an der Technologie für eine «intelligente Stadt». Diese soll die Parkplatzsuche künftig überflüssig machen.
Christian Glaus
Oliver Stahel auf einem Parkplatz mit Sensor. Dieser meldet ans Smartphone, wenn der Platz frei ist.

Oliver Stahel auf einem Parkplatz mit Sensor. Dieser meldet ans Smartphone, wenn der Platz frei ist.

Sie vereinfachten das Leben der Autofahrer: die Anzeigetafeln des Luzerner Parkleitsystems. Schon am Stadtrand ist ersichtlich, in welchem Parkhaus noch Plätze frei sind. Doch die heutigen technischen Möglichkeiten würden eigentlich eine weit raffiniertere Parkplatzsuche erlauben. Jedes neuere Auto ist mit modernster Elektronik ausgestattet – und fast jeder Autofahrer mit einem Smartphone. Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, werden aber bisher nicht genutzt. Hinzu kommt, dass das Parkleitsystem fast nur Plätze in den Parkhäusern umfasst, nicht aber die oberirdischen.

Smart Parking nennt sich der Begriff der Zukunft. Ein System, das anhand von Sensoren im Boden erkennt, wann ein Parkplatz frei oder besetzt ist. Die Sensoren können bei jedem Parkplatz eingebaut werden – egal, ob öffentlich oder privat. Die Informationen können gesammelt und beispielsweise für eine Smartphone-App genutzt werden. So kann man sich schon vor der Abfahrt informieren, ob im gewünschten Gebiet überhaupt die Chance besteht, einen freien Parkplatz zu finden. Die App ist auch in der Lage, aus den gesammelten Daten zu lernen. Finde ich am Mittwochabend um 20 Uhr in der Neustadt einen freien Parkplatz? Diese Frage kann mit der App beantwortet werden – schon Tage vor der Fahrt.

Pilotprojekt an der Industriestrasse

Alles Zukunftsmusik? Mitnichten. Solche «intelligenten Parkplätze» gibt es heute schon auf Stadtgebiet – auf dem EWL-Areal an der Industriestrasse. 19 Parkplätze wurden für ein Pilotprojekt mit Sensoren ausgestattet. Am Projekt Smart Parking arbeitet die Luzerner Firma Arcade Solutions von Gründer und CEO Oliver Stahel. Die EWL ist mit 75 Prozent an der Firma beteiligt. Ursprünglich wollte Arcade Solutions das Pilotprojekt auf öffentlichen Parkplätzen im Hirschmattquartier aufziehen (Ausgabe vom 28. November 2015). Doch die Zusammenarbeit mit der Stadt kam in diesem Fall nicht zu Stande. Zu hoch war das Tempo der innovationshungrigen Firma. Deshalb wurde das Pilotprojekt auf dem EWL-Gelände realisiert. Die dazugehörende Smartphone-App ist erst für einen kleinen Kreis von ausgewählten Test­personen zugänglich. Inzwischen haben allerdings Stadt Luzern und Arcade Solutions indirekt doch zusammengefunden. Bei der Stadt wurde nämlich ein Forum für die digitale Entwicklung geschaffen, das die Möglichkeiten einer «vernetzten Stadt» ausloten soll. Die intelligenten Parkplätze sind dabei nur eine von vielen Optionen – allerdings eine mit riesigem Potenzial: 15 000 öffentliche Parkplätze gibt es in der Stadt Luzern. Hinzu kommen 50 000 Privatparkplätze, welche theoretisch ebenfalls ans System angeschlossen werden könnten. So könnte ein Privater, der seinen Parkplatz tagsüber nicht braucht, diesen anderen Autofahrern zur Verfügung stellen.

«Uns war es wichtig, das Labor zu verlassen und die Technologie im Alltag zu testen», sagt Oliver Stahel. Der Versuch verläuft positiv, die App funktioniert. Auf einer Karte auf dem Smartphone ist ersichtlich, welche Parkplätze frei sind. Auch wird angezeigt, seit wann der Parkplatz besetzt ist. «Als nächsten Schritt wünsche ich mir einen Roll-out in der gesamten Stadt Luzern», sagt Stahel. Davon träumt auch EWL-CEO Stephan Marty: «Meine Vision ist, dass Luzern die erste Schweizer Stadt ist, die Smart Parking flächendeckend einführt.» Die Technik dafür wäre bereit. Anfang Jahr hat Arcade Solutions in der Region Luzern ein Funknetz in Betrieb genommen, über welches die Sensordaten gesendet werden können (siehe Kasten). Ob Smart Parking in Luzern eingeführt wird, muss aber die Stadt entscheiden. Diese ist sehr interessiert, wie Kommunikationschef Niklaus Zeier auf Anfrage sagt: «Wir sind dabei, die Grundlagen und eine Strategie für einen digitalen Service public zu erarbeiten. Unser Ziel ist es, den Digitalisierungsprozess zu beschleunigen.»

Höhere Tarife bei Parkplatzknappheit?

Von Smart Parking profitieren nicht nur Autofahrer, die einfacher einen Parkplatz finden und – dank Privatparkplätzen – mehr Auswahl haben. Auch die öffentliche Hand hat einen Nutzen. Erstmals erfährt sie detailliert, welche Parkplätze wie stark genutzt werden. Dadurch kann sie das Parkplatzangebot gezielter ausrichten. Möglich ist auch die Einführung von dynamischen Parktarifen. In Gebieten oder Zeiten mit einer hohen Nachfrage könnten die Tarife automatisch erhöht werden. Zu Randzeiten könnten sie gesenkt werden.

Auch die Kontrolle könnte vereinfacht werden. Die Verkehrspolizisten sehen auf der App, welcher Parkplatz wie lange besetzt ist. Die Zeiten, in denen sie eine Parkuhr nach der andern abklappern, wären damit vorbei. Ob das die Autofahrer goutieren? «Wir müssen uns in der Gesellschaft grundsätzliche Gedanken machen, wie wir mit solchen Daten umgehen wollen», sagt Stephan Marty. Wer soll Zugang zu den Sensordaten erhalten? Wofür soll man sie nutzen können? Für Oliver Stahel ist klar: «Eine Smart City wird erst dann Realität, wenn möglichst viele Daten möglichst breiten Kreisen zur Verfügung gestellt werden und diese miteinander verknüpft werden können, ohne den Datenschutz zu verletzen.»

«Dass die Technologie für Luzern Zukunft hat, ist aber unbestritten», sagt Niklaus Zeier. Besonders interessiert ist die Stadt, das System für Carparkplätze anzuwenden. So könnten Cars schon von der Autobahn zu einem freien Parkplatz gelotst werden.

Christian Glaus

Neues Funknetz in der Region aufgebaut

Handyantennen geben immer wieder Anlass zu grossen Diskussionen. Dabei gibt es noch andere Funknetze, über die kaum jemand spricht. Die Firma Arcade Solutions hat zwischen Meggen, Kriens und Horw ein neues Funknetz aufgebaut. Dieses ist seit März in Betrieb. Arcade Solutions investierte laut CEO Oliver Stahel einen sechsstelligen Betrag in das Funknetz. Es funktioniert ähnlich wie ein drahtloses Computernetzwerk, ist aber speziell ausgerichtet auf Sensordaten. «Es sind kleine Datenmengen, die über das Netz ausgetauscht werden. Dafür ist die Reichweite sehr gross. So können beispielsweise auch Sensoren, die im Untergeschoss angebracht sind, Daten senden», sagt Stahel.

Der grosse Vorteil der Technik: Die Sensoren, die beispielsweise für Smart Parking eingesetzt werden, funktionieren autark – also ohne externe Stromversorgung. «Bei einer Datenübertragung über das normale Handynetz wären die Akkus nach wenigen Wochen leer. Dank dem speziellen Datennetz haben die Akkus eine Lebensdauer von mehreren Jahren», erklärt Stahel.

Das Netz kann für jede Art von Sensordaten genutzt werden. So wurden inzwischen in der Stadt Luzern ausgewählte Abfallsammelstellen mit Sensoren ausgestattet. Sie zeigen in Echtzeit den Füllstand an. Ab einem vorgegebenen Wert schicken sie per E-Mail oder SMS eine Warnung, dass sie fast voll sind.

Sensor warnt den Gärtner

«Auch ein Gärtner zeigte Interesse an der neuen Technologie», erzählt Oliver Stahel. In diesem Fall messen Sensoren, ob die Pflanzen in den Gärten seiner Kunden noch genügend Wasser haben. Auch hier geht es darum, die Effizienz zu steigern. Ein weiterer möglicher Einsatzbereich ist das Messen der Pegelstände von Seen und Flüssen in Echtzeit, um bei einem Unwetter schneller reagieren zu können. Auch intelligente Strom- oder Wasserzähler können über das neue Funknetz kommunizieren.

Arcade Solutions will ihr Funknetz und die Technologie ab Anfang 2017 Dritten zugänglich machen. Zu möglichen Preisen macht Stahel noch keine Angaben. Softwareentwickler erhalten so die Möglichkeit, eigene Anwendungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

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