STADT LUZERN: Erste Folgen der Verwaltungsreform?

Die städtische Baudirektion wird bei der geplanten Reform besonders stark umgekrempelt. Ein prominenter Abgang hat möglicherweise damit zu tun.

Robert Knobel
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Die ehemalige Leiterin Immobilien Stadt Luzern, Friederike Pfromm, hat Ende Januar 2017 die Stadtverwaltung verlassen. (Bild: pd)

Die ehemalige Leiterin Immobilien Stadt Luzern, Friederike Pfromm, hat Ende Januar 2017 die Stadtverwaltung verlassen. (Bild: pd)

Stadtbaumeisterin Friederike Pfromm hat ihren Posten per Ende Januar verlassen. Der Abgang erfolgte «in gegenseitigem Einvernehmen», wie die Stadt mitteilte (Ausgabe vom 10. Februar). Der Grund seien «unterschiedliche Auffassungen über die Art der Geschäftsführung». Weshalb hat sich Pfromm mit der Baudirektion überworfen, nachdem sie vier Jahre an der Spitze der Dienststelle Immobilien gute Aufbauarbeit geleistet hat, wie die Stadt weiter erwähnt?

Offiziell äussern sich weder der Stadtrat noch Pfromm dazu. Aufschlussreich ist aber ein Blick in die per 2018 geplante Verwaltungsreform, die der Stadtrat vor einigen Wochen vorstellte. In der Reform gehört die Dienststelle Immobilien zu den am stärksten betroffenen Bereichen. Die Dienststelle war bisher der Baudirektion von Manuela Jost unterstellt und zählt 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemäss den Reformplänen soll die Abteilung auseinandergerissen werden. Der Teilbereich Finanzliegenschaften (5 Angestellte) soll in die Finanzdirektion von Franziska Bitzi ausgelagert werden. Die Dienststelle Immobilien verliert also Mitarbeiter und an Gewicht. Das geriet der Leiterin möglicherweise in den falschen Hals.

Stadt verdient 9 Millionen mit Finanzliegenschaften

Der Stadtrat argumentiert in seiner Botschaft zur Verwaltungs­reform, dass die Finanzliegenschaften im Finanzdepartement besser aufgehoben seien. Unter Finanzliegenschaften versteht man Liegenschaften, die im ­Besitz der Stadt sind, die aber nicht für das Funktionieren des Staatswesens notwendig sind und daher auch verkauft werden können. Aktuell gehören 550 Mietwohnungen sowie rund 100 Geschäftsobjekte zum Portfolio der Stadt Luzern. Ziel sei, diese ­«sicher und ertragsbringend» zu bewirtschaften, schreibt der Stadtrat. Und das sei eher die Aufgabe der Finanzdirektion und nicht der Baudirektion. Kommt hinzu, dass die Finanzdirektion schon heute jedes Mal ihr Einverständnis geben muss, wenn die Dienststelle Geld für den Unterhalt der Immobilien braucht. Es ist naheliegend, dass das Know-how zur Bewirtschaftung der ­Immobilien bei der Finanzdirektion stärker vorhanden ist als bei der Baudirektion. Wobei es nicht so ist, dass Stadtbaumeisterin Pfromm die Finanzimmobilien schlecht bewirtschaftet hätte. Im Gegenteil: 2015 erzielte die Stadt 9 Millionen Franken Ertrag – 13 Prozent mehr als budgetiert. Im Vergleich zu 2013 beträgt der Zuwachs sogar 50 Prozent.

Mit der Verschiebung der ­Abteilung Finanzliegenschaften erhält die Finanzdirektion etwas mehr Gewicht, während die Baudirektion auch budgetmässig leicht zurückgefahren wird. Kommt hinzu, dass innerhalb der Baudirektion noch eine weitere Abteilung auseinandergerissen wird: die Stadtentwicklung. Diese muss die Teilbereiche Gesamtplanung an die neue Stelle Strategiemanagement abgeben und die Quartierpolitik ans neue Sozial- und Sicherheitsdepartement.

Die Baudirektion ist die ein­zige der fünf stadträtlichen ­Departemente, in der wichtige Abteilungen aufgeteilt werden. ­Ansonsten sieht die Reform vor allem Verschiebungen von ganzen Abteilungen vor. Die wichtigs­ten Rochaden betreffen Feuerwehr, SIP sowie Einwohner­dienste, Einbürgerungen und Wahlen/Abstimmungen. Sie werden von der Umwelt-, Verkehrs- und ­Sicherheitsdirektion (Adrian Borgula) zur neuen Sozial- und ­Sicherheitsdirektion (Martin Merki) verschoben. Ziel ist es, alle fünf Direktionen bezüglich Budget und Mitarbeiter ungefähr gleich gross zu halten.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch