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STADT LUZERN: Fehlende Erben – Stiftung sorgt nun für Zurgilgenhaus

Das über 500-jährige Zurgilgenhaus am Kapellplatz ist nicht mehr in Familienbesitz. Der frühere Eigentümer sichert so den Fortbestand des Wahrzeichens.
Das zwischen 1507 und 1510 erbaute Zurgilgenhaus am Schwanenplatz gehört zu den ältesten Steinhäusern der Stadt Luzern. (Archivbild Boris Bürgisser)

Das zwischen 1507 und 1510 erbaute Zurgilgenhaus am Schwanenplatz gehört zu den ältesten Steinhäusern der Stadt Luzern. (Archivbild Boris Bürgisser)

Es war ein alter Zopf: Das neben der Kapellbrücke liegende denkmalgeschützte Zurgilgenhaus aus dem frühen 16. Jahrhundert wird jeweils dem ältesten männlichen Nachkommen der Patrizierfamilie zur Gilgen übertragen. Diese sogenannte Fideikommiss zur Gilgen hat Jahrhunderte lang die heute übliche gesetzliche Erbfolge durchbrochen (siehe Box). Das Fideikommiss wurde 2013 vom Luzerner Kantonsrat aufgehoben. Dies hat der im Haus wohnende Besitzer, Ulrich zur Gilgen, im Februar 2013 beantragt (wir berichteten). Grund: Es fehlen Nachkommen.

Jetzt ist klar: Das Luzerner Wahrzeichen am Kapellplatz 1 mit seinem markanten Rundturm hat den Besitzer gewechselt.

Bleibt Wohn- und Geschäftshaus

Das Zurgilgenhaus ist neu im Besitz der Stiftung «Haus und Turm Gilgen», wie es im Luzerner Kantonsblatt heisst. Zweck der Stiftung ist unter anderem die Erhaltung der denkmalgeschützten Liegenschaft. Präsident der Stiftung ist der frühere Alleinbesitzer Ulrich zur Gilgen selbst. «Mit dem Haus wird sich nichts ändern», sagt er auf Anfrage. Es bleibe weiterhin ein Wohn- und Geschäftshaus. Will heissen: Die Überführung des Hauses in die Stiftung ist vor allem eins: ein rein formeller, juristischer Eigentumswechsel. Im Haus sind derzeit etwa eine Kleiderboutique sowie ein Anwaltsbüro und Notariat «Schumacher von Segesser Rebsamen Domenghini» eingemietet. Auch Rechtsanwalt Beat Schumacher sagt auf Anfrage: «Für uns ändert sich nichts. Wir haben mit dem ursprünglichen Eigentümer Verträge, die weiterhin gültig sind.»

Wird das Haus öffentlich?

Doch was passiert mit dem Haus, wenn der bisherige Bewohner und neue Stiftungspräsident dereinst stirbt? «Grundsätzlich ändert sich nichts», sagt der Luzerner Rechtsanwalt Rudolf Mayr von Baldegg, der neben dem Treuhänder Hans Rudolf Kurmann aus Neuenkirch zum dreiköpfigen Stiftungsrat gehört. Gemäss Stiftungszweck könnte dann aber das Haus allenfalls auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die gemeinnützige Stiftung «Haus und Turm Gilgen» finanziert sich aus den Mieteinnahmen. Es sei wichtig gewesen, das Gebäude in die neue Rechtsform zu überführen, erklärt Mayr von Baldegg. «Damit konnten wir sicherstellen, dass die finanziellen Mittel für zukünftige Renovationen gesichert sind.»

Das Zurgilgenhaus gehört zu den ältesten Steinhäusern der Stadt Luzern und war einst Teil der Stadtbefestigung. Erbaut hat es laut historischem Lexikon der Schweizer Melchior zur Gilgen zwischen 1507 und 1510. Nach seinem Tod wechselte es den Besitzer, 1571 kaufte es Ludwig zur Gilgen wieder zurück. Die Hausbibliothek ist die älteste an Ort und Stelle erhaltene Privatbibliothek der Schweiz.

Restaurierung in 1990er-Jahren

Gemäss früheren Aussagen der kantonalen Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder gegenüber unserer Zeitung wurde das Haus letztmals in den 1990er-Jahren umfassend und sorgfältig restauriert. Das Zurgilgenhaus ist im kantonalen Denkmalverzeichnis eingetragen. Dort steht unter anderem, dass es «ohne Bewilligung des Bildungs- und Kulturdepartements weder renoviert, verändert, beseitigt noch sonst wie in seiner Wirkung beeinträchtigt werden» darf. Das Haus ist gemäss Gesetz so zu erhalten, dass der Bestand dauernd gesichert ist.

Eine Familie mit tiefen Wurzeln

Die Wurzeln der Luzerner Patrizierfamilie zur Gilgen reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Im 16. und 17. Jahrhundert sassen die zur Gilgens mit Unterbrüchen in den Luzerner Räten, im 18. Jahrhundert mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig. Sie stellten zwei Schultheissen und im 19. Jahrhundert zwei Regierungsräte.

Christian Hodel

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