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STADT LUZERN: Gourmet-Restaurant wird gebüsst – zum wiederholten Mal

Verschimmelte Ware, schmutzige Geräte: Ein Betrieb wird angezeigt, weil der Pächter gegen das Lebensmittelgesetz verstösst – und zwar nicht zum ersten Mal. Trotzdem kommt er mit einem blauen Auge davon.
Yasmin Kunz
Das Stadtluzerner Gourmet-Restaurant muss eine Busse bezahlen. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Das Stadtluzerner Gourmet-Restaurant muss eine Busse bezahlen. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Am Eingang des Stadtluzerner Restaurants prangt ein bekanntes Logo. Es weist darauf hin, dass der Betrieb von einem der verschiedenen Restaurantführer ausgezeichnet wurde. Ein gutes Lokal zum Speisen also, könnte man denken. Doch dem ist nicht immer so: Der Betrieb ist in den vergangenen Jahren schon mehrmals wegen Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz angezeigt worden – letztmals im November. Dies teilt die Luzerner Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung mit. Ein Blick in den Strafbefehl zeigt: Im Restaurant sind verschimmelte und verdorbene Produkte gefunden worden, Geräte waren zum Zeitpunkt der Kontrolle verschmutzt, Lebensmittel teilweise überhitzt oder nicht datiert.

Ein Dutzend Anzeigen pro Jahr

Durch Kontrollen festgestellte Mängel, egal ob gross oder klein, verstossen in der Regel gegen das Lebensmittelgesetz. Handelt es sich um kleine Defizite – zum Beispiel um eine fehlende Herkunftsangabe in der Speisekarte –, wird der Betrieb aufgefordert, diese zu beheben. Von einer Anzeige wird in einem solchen Fall abgesehen. Anders sieht es aus, wenn gravierende Mängel zu beanstanden sind wie beispielsweise verdorbene und verschimmelte Lebensmittel oder schmutzige Geräte. In einem solchen Fall kann die kantonale Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz einreichen. Dabei handelt es sich um eine Übertretung des Gesetzes und nicht um ein Vergehen und wird mit einer Geldbusse geahndet.

Gemäss Dienststellenleiter und Kantonschemiker Silvio Arpagaus passiert dies im Kanton Luzern bei 2500 Gastrobetrieben jährlich rund ein Dutzend Mal. Die Anzeige gegen den erwähnten Pächter ist gemäss Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, rechtskräftig: Er erhielt eine Busse von 2500 Franken. Ausserdem wurden ihm nicht näher ausgeführte Auflagen gemacht.

Der Pächter ist also erneut mit einem blauen Auge davongekommen. Stellt sich die Frage, ob eine Busse von 2500 Franken nicht eine etwas lasche Bestrafung ist – vor allem in Anbetracht dessen, dass der Betreiber mehrmals gegen das Lebensmittelgesetz verstossen hat. Simon Kopp sagt dazu: «Die Strafe ist konsequent. Es liegt im Ermessen des zuständigen Staatsanwaltes, die Situation zu analysieren und eine Busse auszusprechen.»

Pikant: Auf der Homepage des Restaurants betont der Betreiber, dass er grössten Wert auf die sorgfältige Verarbeitung von frischen Produkten lege. Verdorbene und verschimmelte Nahrungsmittel kompromittieren dieses Versprechen. Hat der Wirt gar die Gesundheit der Gäste gefährdet? Kantonschemiker Arpagaus verneint. «Es wurden verschiedene Hygienemängel festgestellt, aber keine gesundheitsgefährdenden Lebensmittel abgegeben.» Würden Laborproben zeigen, dass ein Produkt gesundheitsgefährdende Bakterien oder Stoffe enthält, kann die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz wegen Gesundheitsgefährdung eine Strafanzeige einreichen und den Betrieb schliessen. Das passiert laut Arpagaus im Kanton Luzern etwa einmal pro Jahr. Strafrechtlich handelt es sich dabei um ein Vergehen, welches mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden kann.

Wirt: «Ich habe den Schimmel nicht gesehen»

Der gebüsste Wirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, räumt Mängel ein. Er sagt jedoch: «Es ist nie alles in Ordnung. Es findet sich immer etwas, das nicht dem Lebensmittelgesetz entspricht.» Er erklärt, dass der Inspektor an einer Tomate Schimmel festgestellt habe. «Das habe ich schlicht nicht gesehen. Hätte ich den Schimmel bemerkt, wäre die Tomate selbstverständlich im Kompost gelandet.» Ein Risiko für die Gäste würde er nie eingehen, beteuert er.

Ein Fachmann, der den besagten Betrieb kennt, aber anonym bleiben möchte, kann die Anzeige nur bedingt nachvollziehen. Er moniert, dass die Kontrollen in der Regel zu streng sind. «Will man etwas finden, dann findet man etwas.» Zudem sagt er, dass die Kontrollen selten zu einem geeigneten Zeitpunkt stattfänden. «Die Lebensmittelinspektoren kommen beispielsweise, nachdem der Betrieb zwei Tage geschlossen war. Da liegt es doch auf der Hand, dass der Salat nicht mehr frisch ist und noch entsorgt werden würde.»

Silvio Arpagaus widerspricht: «Verschimmelte und vergammelte Lebensmittel gehören nicht in die Küche. Die Betreiber wissen, dass er nach zweitägiger Betriebspause verdorben ist.» Und er fügt an: «Wir reden hier nicht von hygienischen Mängeln bei einzelnen Lebensmitteln, sondern von systematischen Hygienemängeln einzelner Lebensmittelbetriebe.» Er weist ausserdem darauf hin, dass schlechte Lebensmittel – selbst wenn sie dem Gast nicht mehr serviert werden – andere Nahrungsmittel kontaminieren können und gemäss Gesetz entsorgt werden müssen.

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