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STADT LUZERN: Greift SP mit Giorgio Pardini an?

Nach Beat Züslis Wahl in den Stadtrat haben die Linken Lust auf mehr. Derweil leckt die CVP ihre Wunden.
Alexander von Däniken
Giorgio Pardini gilt als möglicher zweiter SP-Stadtratskandidat. (Hier bei einer Demonstration gegen kantonale Sparmassnahmen am 4. November 2014 vor dem Regierungsgebäude in Luzern.) (Archivbild Boris Bürgisser)

Giorgio Pardini gilt als möglicher zweiter SP-Stadtratskandidat. (Hier bei einer Demonstration gegen kantonale Sparmassnahmen am 4. November 2014 vor dem Regierungsgebäude in Luzern.) (Archivbild Boris Bürgisser)

Alexander von Däniken

Die Mobiltelefone der Stadtluzerner Parteivorstände laufen seit gestern heiss. Denn die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen vom 5. Juni ist brisant: Zwei von fünf Sitzen sind seit dem vergangenen Wahlsonntag noch zu vergeben. Bereits gewählt sind Martin Merki (FDP, bisher), Adrian Borgula (Grüne, bisher) und Beat Züsli (SP). Um die verbleibenden Sitze kämpfen vorderhand der bisherige Stadtpräsident Stefan Roth (CVP), die bisherige Baudirektorin Manuela Jost (GLP) und SVP-Kandidat und -Präsident Peter With.

Vom überraschend deutlichen Einzug Züslis in die Exekutive beflügelt, überlegt sich die SP nun, einen weiteren Stadtratskandidaten zu portieren. Wie parteinahe Quellen gegenüber unserer Zeitung berichten, ist unter anderem Kantonsrat und Gewerkschafter Giorgio Pardini im Gespräch.

SP prüft «mehrere Varianten»

SP-Präsident Claudio Soldati will dieses Szenario auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. «Wir prüfen derzeit mehrere Varianten», erklärt er. Eine weitere Variante wäre, GLP-Stadträtin Manuela Jost zu unterstützen. Diesbezüglich verwies Soldati auf ein Gespräch mit der GLP, welches gestern Abend stattfand. Für diese Variante spricht, dass im Parlament bereits eine rot-grün-grünliberale Mehrheit besteht. «Jetzt kommt es auf die GLP an, ob sie sich mit der SP für mehr bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum einsetzt», so Soldati. Die SP werde morgen Abend ihre Parteiversammlung abhalten. Soldati verspricht, dass die weitere Strategie wie bisher mit den Grünen koordiniert werde. Die Grünen würden eine zweite SP-Kandidatur sehr begrüssen, wie Präsident Marco Müller sagt. Der Entscheid liege aber bei der SP. «Wenn wir wünschen könnten, würden wir eine Frau begrüssen.»

Giorgio Pardini selbst sagt über eine allfällige Stadtratskandidatur: «Es finden Gespräche statt, und auch ich wurde kontaktiert.» Er sei im Moment als Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Syndicom und Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbundes «gut ausgelastet».

GLP gegen zweite SP-Kandidatur

Eher wenig Freude an einer zweiten SP-Kandidatur hätten die Grünliberalen. «Das würde Manuela Josts Chancen mindern», sagt der städtische GLP-Präsident Louis von Mandach. Er bestätigt, dass mit der SP Gespräche laufen. Aber auch mit der CVP. «Beide Seiten haben für eine Zusammenarbeit Potenzial», sagt von Mandach. «Es kommt natürlich auch darauf an, welche Forderungen die SP stellt.»

Würde die CVP neben Roth auch Jost auf die Wahlliste nehmen? CVP-Präsidentin und Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger lässt sich nicht in die Karten blicken: «Wir führen Gespräche mit allen Parteien.» Man habe für den ersten Wahlgang auch gerne mit der FDP zusammengearbeitet. Dass sich die CVP gegen einen grossbürgerlichen Schulterschluss – nicht nur mit der FDP, sondern auch mit der SVP – ausgesprochen hat, «war im Nachhinein ein arithmetischer Fehler», gesteht Gmür ein. Andernfalls wäre im Grossstadtrat ein Sitz mehr dringelegen (siehe auch Seite 23), und bei den Stadtratswahlen hätte auch Roth profitiert. Das heisse aber noch nicht, dass eine gemeinsame Liste mit Roth und With bereits beschlossene Sache sei. «Auch ein Alleingang ist möglich. Das Vertrauen in den Leistungsausweis von Stefan Roth ist nach wie vor gross.»

Eine gemeinsame Liste von CVP und SVP würde die FDP begrüssen, wie Präsident Fabian Reinhard erklärt: «Wir halten an unserem Ziel fest, mit Martin Merki, Stefan Roth und Peter With eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat zu erreichen.» Reinhard hoffe, dass die CVP aus «ihrem grossen Fehler» Lehren ziehe. In die gleiche Kerbe hat am Sonntag auch schon SVP-Präsident und -Kandidat Peter With geschlagen.

Rätselraten um Roths Resultat

Während die Parteispitzen taktieren, fällt im Zusammenhang mit Roths schlechtem Resultat öfters das Wort «Überraschung». Der fehlende grossbürgerliche Zusammenschluss wird dabei nur als eine mögliche Ursache genannt. Eine weitere betrifft Roths Reaktion auf die im März 2015 vom Volk beschlossene Reduktion der Stadtratslöhne. Roth verhehlte damals nicht, dass er daran keine Freude hat. «Das mag im Wahlverhalten eine Rolle gespielt haben», sagt GLP-Präsident von Mandach. «Es wäre allerdings kleinlich, Roth deswegen nicht zu wählen.»

Auch Roths Machtkonzentration als «Stapi» und Finanzdirektor könnte das Wahlverhalten beeinflusst haben – «in einer Zeit, wo man mit einschneidenden Sparmassnahmen ein strukturelles Defizit angehen musste», sagt von Mandach. Hinter vorgehaltener Hand wird geäussert, dass es Roth als ursprünglicher Littauer schwerer gehabt habe – vor allem im Vergleich zum «urbanen» Beat Züsli. CVP-Präsidentin Andrea Gmür hingegen vermutet, dass die Ankündigung eines Sparpakets eine Rolle gespielt haben könnte, zumal Roth wenig später eine schwarze Rechnung präsentieren konnte.

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