STADT LUZERN: «Gütsch» steht ohne Direktor da

Olaf Gala­burda wirft nach 31 Tagen das Handtuch wegen unterschiedlicher Auffassungen über den Kurs des Hotels. Doch auch im Verwaltungsrat lichten sich die Reihen.

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Olaf Galaburda vor der Kulisse des Hotels Château Gütsch. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))

Olaf Galaburda vor der Kulisse des Hotels Château Gütsch. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))

Christian Hodel und Roger Rüegger

Er hatte Grosses vor mit dem Hotel Château Gütsch. Olaf Galaburda (47), vor 31 Tagen als Direktor eingesetzt, wollte «das ‹Gütsch› «zu einem der schönsten Boutique-Hotels der Schweiz entwickeln», wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. «Das Ziel ist natürlich noch nicht erreicht, aber ich hoffe auf die Luzerner Bevölkerung. Ich will sie mit einbeziehen und das Haus nicht unnahbar lassen.» Das war am 26. Februar. Heute sagt Galaburda auf Anfrage: «Ich bin im Gespräch für einen neuen Job. Gut möglich, dass dieser in der Schweiz ist.» Will heissen: Der Deutsche verlässt das «Gütsch». Über die Gründe will er sich nicht weiter äussern.

Es ging um «Standards»

In einer Medienmitteilung schreibt Galaburda: «Die Castle Holdings s.r.o., Prag, Tschechoslowakei, eingesetzt als Unternehmensberater für die Château Gütsch Management AG, waren massgeblich entscheidend» für seinen Weggang. «Offensichtlich gab es verschiedene Ansichten zu den Dienstleistungen und Standards in der gehobenen Hotellerie», steht weiter. «Ich hoffe, dass die Luzerner diese Entscheidung nicht auf mich persönlich reflektieren. Ich hätte mir gewünscht, dieses Wahrzeichen Luzerns zu einem der schönsten Boutique-Hotels der Schweiz weiterzuentwickeln», so Galaburda.

Stadt: «Hausaufgaben gemacht»

Bei der Stadt Luzern zeigt man sich enttäuscht über den Abgang. «Jetzt geht die Ungewissheit wieder weiter», sagt Peter Bucher, Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Luzern. Er habe Olaf Galaburda nicht einmal persönlich kennen lernen können. «Es ist leider eine Berg- und Talfahrt mit dem ‹Gütsch›.» Machen könne die Stadt aber nichts. «Bezüglich der Gütsch-Bahn haben wir unsere Hausaufgaben gemacht», sagt Bucher. Die Stadt zahlt ihren zugesicherten 1,73-Millionen-Kredit für die insgesamt 3,1 Millionen Franken teure Gütsch-Bahn erst, wenn diese auch läuft. Den Kredit mit diesen Bedingungen hat die Bevölkerung Ende November 2014 gutgeheissen. «Bei personellen Entscheiden können wir hingegen nichts machen», sagt Peter Bucher.

Warum der neue Hoteldirektor nach 31 Tagen bereits das Handtuch wirft, will Gesa Eichler, Geschäftsführerin der Château Gütsch Immobilien AG, auf Anfrage «im Moment nicht kommentieren». Ebenso unbeantwortet bleiben die Fragen, wie es nun weiter geht mit dem Hotel Château Gütsch.

Galaburdas Abgang ist nicht der einzige im «Gütsch». Per 10. März hat auch Verwaltungsrat Matthew Cooke die Château Gütsch Immobilien AG nach rund zwei Jahren verlassen. Das bisherige Verwaltungsratsmitglied Michael Millership wird neu Präsident mit Einzelunterschrift.

Ernüchterung bei den Politikern

Der Abgang Galaburdas beschäftigt auch die Politiker insbesondere diejenigen Parteien, die im November gegen den Gütsch-Bahn-Kredit kämpften: Für die Stadtluzerner FDP ist es ein «Trauerspiel mit endloser Fortsetzung», wie Parteipräsident Daniel Wettstein es gestern Abend formulierte. Schade zwar, meint Wettstein, aber nicht zwingend überraschend, «da der Investor nie richtiges Interesse am Hotel gezeigt hat und offensichtlich nie jemand mit Herzblut engagiert war».

Dass sich die neue Leitung bereits wieder verabschiedet, ist auch für die CVP nicht überraschend. «Schade, dass es nicht funktioniert. Die Sachlage ist offenbar schwierig», sagt Präsidentin Andrea Gmür. Die CVP habe immer davor gewarnt, dass es rund um den «Gütsch» überhaupt keine Verlässlichkeit gebe.