STADT LUZERN: Gutachten zerzaust die «Metro»

Ein externes Gutachten empfiehlt das Projekt «Metro» zur Ablehnung. Das Parkhaus Musegg solle weiterverfolgt werden. Doch auch dort sind gemäss Stadtrat viele Fragen offen.

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So stellen sich die Initianten von Metro Luzern die U-Bahn vor, welche das Gebiet Ibach mit dem Schwanenplatz in der Luzerner Innenstadt verbinden soll.

So stellen sich die Initianten von Metro Luzern die U-Bahn vor, welche das Gebiet Ibach mit dem Schwanenplatz in der Luzerner Innenstadt verbinden soll.

Robert Knobel

Zwei private Grossprojekte haben zum Ziel, die Luzerner Innenstadt vom Verkehr zu entlasten und insbesondere die Car-Problematik zu lösen: Das Projekt Metro sieht ein neues Parkhaus an der Autobahn im Gebiet Reussegg vor, mit einer unterirdischen Schnellbahn zum Schwanenplatz. Das Projekt Parkhaus Musegg plant mit einem neuen unterirdischen Parkhaus im Musegghügel mit direktem Ausgang zum Falkenplatz.

Metro als Konkurrenz zum ÖV

Der Luzerner Stadtrat erklärte bereits im Sommer 2014, dass er die zweite Variante, das Parkhaus Musegg, favorisiert. Er stützt sich unter anderem auf ein Gutachten, das er bei der Firma Ernst Basler+Partner erstellen liess. Das Gutachten wurde bisher nicht veröffentlicht. Eine 30-seitige Version liegt unserer Zeitung jetzt vor. Dort heisst es: «Das Parkhausprojekt Reussegg mit Metro ist aufgrund der Grösse als unverhältnismässig, ÖV-konkurrierend und zu riskant abzulehnen.» Die Pläne für das Parkhaus Musegg hingegen solle die Stadt «vertiefen».

Warnung vor Kosten für die Stadt

Die Risiken, die gegen das Projekt Metro sprechen, sind aus Sicht des Gutachtens unter anderem finanzieller Natur. Folgekosten für die öffentliche Hand seien wahrscheinlich. Stadtrat und Verkehrsdirektor Adrian Borgula sagt dazu: «Risiken für die öffentliche Hand gibt es bei beiden Projekten. Beim Parkhaus Musegg sind sie aber wesentlich kleiner.» Würde man beispielsweise die Metro ins normale ÖV-Netz integrieren, würde die öffentliche Hand automatisch an die Schnellbahn mitzahlen. Und bei einem Konkurs würde die Stadt schlimmstenfalls auf einer defizitären Metro sitzen bleiben und diese weiter betreiben müssen.

Wird der Verkehr nach Eröffnung einer Metro oder eines Parkhauses Musegg zunehmen? Klar ist laut Gutachten, dass beide Projekte zu einer Abnahme des Verkehrs in der Innenstadt führen werden. Gleichzeitig wird die Fahrt nach Luzern mit dem Auto wesentlich einfacher: In beiden Fällen fährt man bequem von der Autobahn direkt in ein Parkhaus mit genügender Anzahl Plätzen und findet sich wenig später im Stadtzentrum wieder. Damit, so die Gutachter, gewinnt der Individualverkehr gegenüber dem öffentlichen Verkehr an Attraktivität.

Entsprechend ist von einer Abnahme der Passagierzahlen beim ÖV auszugehen. Beim Projekt Metro wäre dieser Effekt wesentlich stärker als beim Parkhaus Musegg, wo am Ende «schätzungsweise» ein ausgeglichener Saldo resultiert. Dies auch deshalb, weil der Stadtrat stets betont hat, dass die 700 zusätzlichen Parkplätze eines Parkhauses Musegg kompensiert würden konkret sollen mehrere hundert Parkplätze in der Innenstadt abgebaut werden. Beim Projekt Metro mit seinen 2500 Parkplätzen wäre eine volle Kompensation nicht mehr realistisch. Die Metro würde also insgesamt zu einer starken Zunahme an Parkplätzen führen. Stadtrat Adrian Borgula bekräftigte gestern auf Anfrage: «Es darf kein Mehrverkehr entstehen.» Bei der Metro wäre dieses Ziel für den Raum Luzern unrealistisch, so der Stadtrat; aber auch die Musegg-Initianten müssten noch genauer darlegen, dass ihr Projekt wirklich keinen Mehrverkehr verursacht.

Ein «Durchgangs-Parkhaus»?

Das Gutachten empfiehlt, das Parkhaus Musegg mitsamt Erweiterungsoption weiterzuverfolgen. Diese sieht eine Art «Durchgangs-Parkhaus» vor. Neben der Einfahrt an der Geissmatt­strasse gäbe es eine Ausfahrt am anderen Ende des Parkhauses unter dem Spitalareal hindurch zur künftigen Spange Nord. Das wäre für die Touristencars ideal, die nach dem Luzern-Besuch nach Interlaken fahren: Da der Anschluss Luzern Zentrum über keine Einfahrt Richtung Süden verfügt, müssten die Cars sonst nämlich mitten durch die Stadt nach Luzern-Süd fahren. Mit einer direkten Anbindung des Parkhauses an die Spange Nord könnte man sie weitgehend von den städtischen Strassen fernhalten.

Hinweis

Morgen Donnerstag ab 14 Uhr debattiert das Stadtparlament im Rathaus Luzern über die Volksmotion «gegen das Parkhaus Musegg».

Metro Luzern: Bei der Reussegg ist ein Parkhaus geplant. (Bild: PD)

Metro Luzern: Bei der Reussegg ist ein Parkhaus geplant. (Bild: PD)

Visualisierung des Schwanenplatzes, der von der Metro bedient wird. Die Cars beanspruchen den Platz nicht mehr. (Bild: pd)

Visualisierung des Schwanenplatzes, der von der Metro bedient wird. Die Cars beanspruchen den Platz nicht mehr. (Bild: pd)

So könnte das Metro-Parkhaus im Stadtluzerner Industriegebiet Ibach beim Knoten A 2 / A 14 dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So könnte das Metro-Parkhaus im Stadtluzerner Industriegebiet Ibach beim Knoten A 2 / A 14 dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)