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STADT LUZERN: Idee: Elektrotaxi für kurze Strecken

Für Taxis sind Kurzstrecken wenig lukrativ. Deshalb lassen sie auch mal Kunden stehen. Ein Taxihalter hat nun einen Plan, wie man das Problem lösen kann.
Simon Bordier
Symbolbild: Auf dem Bild zu sehen sind Taxis der Fahrt über die Seebrücke in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Symbolbild: Auf dem Bild zu sehen sind Taxis der Fahrt über die Seebrücke in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Simon Bordier

«Schon besetzt!» Diese Antwort erhält manch ein Tourist, der am Bahnhof Luzern ein Taxi zum Hotel auf der gegenüberliegenden Seeseite sucht. Allzu oft handelt es sich hierbei um eine Ausrede der Taxifahrer. Denn für sie sind kurze Fahrten wie jene über die Seebrücke wenig lukrativ; sie warten lieber auf den nächsten Kunden, der beispielsweise nach Kriens oder gar nach Zürich gefahren werden will. Diese Praxis ist zwar verboten, aber weit verbreitet (Ausgabe vom 16. Juni).

Pauschalpreis 10 Franken

«Die aktuelle Situation ist unhaltbar», findet Erwin Troxler, Betreiber des Emmer Taxiunternehmens Panorama-Taxi. Troxler fährt mit seinem Taxi regelmässig in die Stadt, um dort Kunden abzusetzen oder abzuholen. Die öffentlichen Standplätze um den Bahnhof Luzern und anderswo in der Stadt benutzt er aber nicht, dafür hat er keine Bewilligung. Und er hat auch nicht vor, um eine dieser begehrten Bewilligungen zu buhlen. Vielmehr will er ein alternatives Angebot zu den herkömmlichen Taxis in der Stadt aufbauen. «Die Idee ist, dass bei verschiedenen Hotels in Luzern Elektroautos mit Chauffeuren stationiert werden», erklärt Troxler. Die Chauffeure würden insbesondere kurze Fahrten innerhalb des Stadtzentrums zurücklegen. Eine Fahrt soll laut Troxler einheitlich 10 Franken kosten, ob sie nun 200 Meter oder 2 Kilometer lang ist. «Der Fahrdienst würde sich vor allem für Hotelgäste eignen, aber er würde natürlich auch allen anderen Personen offenstehen.»

Stromtankstelle bei den Hotels

Erste Kontakte mit Luzerner Hoteliers in Luzern hat Troxler bereits geknüpft, beispielsweise mit dem «Schweizerhof», dem «Palace» und dem «Hermitage». Er sei grundsätzlich auf offene Ohren gestossen, freut sich Troxler. Nun gelte es abzuklären, ob die Hotels bereit seien, einen Parkplatz zur Verfügung zu stellen. Bei den Parkplätzen möchte Troxler zudem Aufladestationen installieren, um die Elektroautos zu «tanken». «Auch bei den Autoherstellern habe ich schon vorsondiert, unter welchen Bedingungen sie bereit wären, Elektrofahrzeuge zur Verfügung zu stellen», erklärt der Emmer Taxiunternehmer.

All dies klingt freilich noch utopisch. Troxler selbst betont: «Für die Idee gibt es schweizweit kein Vorbild, sie muss erst noch konkretisiert werden.» Doch bestimmte Vorteile dieser Idee lägen auf der Hand: «Dank dem Elektroantrieb lassen sich die Treibstoffkosten ein­sparen», erklärt Troxler. Zudem setze seine Idee dort an, wo heute eine Angebotslücke besteht: bei den kurzen Strecken im Zentrum. «Das Pilotprojekt wäre nicht zuletzt ein starkes Zeichen in Sachen Umweltschutz», betont Troxler. Er verweist auf das Bergdorf Zermatt, wo Autos mit Brennstoffmotoren verboten sind – nur Elektrofahrzeuge dürfen dort fahren. «Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie die Lebensqualität durch alternative Antriebstechnologien steigt», meint Troxler. Luzern könne sich davon inspirieren lassen, ohne ein Verbot einzuführen.

Ziel: Ein Dutzend Standorte

Der Taxiunternehmer hofft, mit einem Netz von rund einem Dutzend Standorten in der Stadt beginnen zu können. Wann es so weit sein wird, sei momentan noch völlig offen, so Troxler. Der Fahrdienst wäre dabei an die Hotelbetriebe gebunden. «Daher bräuchte es keine Taxibetriebsbewilligung der Stadt», erklärt er. Auch das neue Taxireglement kommt ihm entgegen (siehe Box).

Die von uns angefragten Hotelbe­triebe zeigen sich gegenüber der Idee aufgeschlossen. Es sei nicht leicht, eine Einschätzung abzugeben, da die Idee bloss in groben Zügen bekannt sei, meint etwa Thomas Egli, Direktor des Seehotels Hermitage. Zudem liege das «Hermi­tage» ausserhalb des Stadtzentrums – man könne daher problemlos ein Taxi finden, das vom Bahnhof Luzern zum Hotel fährt. «Wenn das Projekt aber dazu beiträgt, den Ruf Luzerns als naturverbundene Tourismusdestination zu stärken, so bieten wir gerne unsere Unterstützung an», sagt Egli.

«Unbefriedigende Situation»

Ähnlich klingt es bei Hotels in Zen­trumsnähe. Raymond Hunziker, Direktor des Hotels Palace, meint: «Herr Troxler scheint sehr engagiert und das Taxiwesen seine Leidenschaft zu sein.» Man wolle schauen, wie sich die Idee entwickle. «Im Grundsatz sind wir inte­ressiert an allem, was einen möglichst flexiblen Transport für unsere Gäste sicherstellt und gar verbessert.» Und Patrick Hauser, Mitinhaber des Hotels Schweizerhof Luzern, sagt: «Wir begrüssen grundsätzlich jede Idee, die hilft, die unbefriedigende Taxi-Situation in Luzern zu verbessern.» Die private Initiative von Erwin Troxler verdiene ein offenes Ohr. «Das Problem bleibt aber, dass unsere Gäste am Bahnhof Luzern kaum ein Taxi finden, das zu unserem Hotel fährt.» In der Gegenrichtung, sprich vom Hotel zum Bahnhof, be­stehe diese Herausforderung weniger.

Tatsächlich bleibt auch mit der Idee Troxlers ein Problem bestehen: Vor dem Bahnhof Luzern, wo viele Touristen ankommen und ein Taxi suchen, gibt es kein Hotel und somit auch keinen potenziellen Standort für ein Elektrofahrzeug. «In einem ersten Schritt soll das Netz bei den Hotels aufgebaut werden. Damit wäre schon viel erreicht. Ist dieses erst einmal in Betrieb, so ergeben sich eines Tages neue Möglichkeiten beim Bahnhof», sagt Troxler dazu, ohne in die Details zu gehen.

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