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Im «Storchen» geht eine Ära zu Ende: Die Wirtin erzählt von ihren Erinnerungen

Der «Storchen» am Kornmarkt in der Luzerner Altstadt steht seit einigen Tagen leer. Die langjährige Wirtin blickt im Guten zurück auf ihre Zeit in der Weinstube. Und sagt, wie es in ihrem Leben jetzt weitergeht.
Sandra Monika Ziegler
Regula Schurtenberger wirtete über 15 Jahre im «Storchen». (Bild: Dominic Wunderli, Luzern, 6. Mai 2019)

Regula Schurtenberger wirtete über 15 Jahre im «Storchen». (Bild: Dominic Wunderli, Luzern, 6. Mai 2019)

«Der Storchen war ein Glücksfall», sagt Regula Schurtenberger voller Begeisterung. Sie hätte am Kornmarkt 9 in der Luzerner Altstadt am 1. November das 16-jährige Bestehen ihrer Weinstube gefeiert. Hätte deshalb, weil die Storchen-Wirtin bereits Ende April aufgehört hat. «Ich wollte das Haus kaufen und dann investieren, doch der Besitzer wollte das nicht. Deshalb habe ich mich entschieden, aufzuhören», erzählt sie im ausgeräumten Lokal. Zwischen Tischen und Stühlen blickt sie auf die Zeit im Storchen zurück.

Warum Glücksfall? «Mir hat der Hausbesitzer Markus Heer damals einfach vertraut und damit eine Riesenchance gegeben. Ich konnte von Tino Lehner direkt übernehmen», erzählt sie. Das war vor 15 Jahren.

Einzelfirma sorgt für Transparenz

Schurtenberger ist gelernte Kindergärtnerin. Ihren Weg in die Gastronomie fand sie über die Theaterbar im Luzerner Kleintheater. Zu dieser Zeit politisierte sie auch für die Grünen im Luzerner Kantonsparlament. Danach verschlug es sie ins «La Bonne Cave» an die Reuss, wenig später kam dann die «Chance» am Kornmarkt.

Ende September 2003 gründete Regula Schurtenberger die Einzelfirma Weinwirtschaft Bar Storchen und startete mit vier Teilzeitangestellten. «Mir war es wichtig, die volle Verantwortung für meinen Betrieb zu haben und das mit einer Einzelfirma transparent zu deklarieren. Denn im Gastgewerbe verstecken sich oft Betreiber hinter einer GmbH. Geht was schief, wird einfach eine neue gegründet.»

Längere Öffnungszeiten brachten den Aufschwung

Schurtenberger passte beim Start die Öffnungszeiten an und hatte – im Gegensatz zu ihrem Vorgänger – auch am Abend offen. Damit aktivierte sie die Weinstube und konnte bald schon auf Stammgäste zählen. Im Storchen wurden zu Beginn nebst Wein, Bier und Kaffee auch Suppen und Salate serviert. Und Schurtenberger hatte damals noch ihre Wohnung gleich über dem Lokal und war somit dauerpräsent.

«Wir mussten uns dann bald einmal überlegen, was wir den Gästen noch bieten können», erzählt sie. So wurde das kulinarische Angebot erweitert. Nebst Suppe und Salat gab es jetzt auch Fisch, Fleisch und Gemüse. Ein Renner war von Beginn an der hausgemachte Käsekuchen. Das Rezept, so Schurtenberger, stammt vom Hausbesitzer Markus Heer. Das Team wuchs von Jahr zu Jahr, bis es am Schluss 12 Personen waren, die in Voll- und Teilzeit die Gäste bedienten. Die langjährigen Angestellten haben alle eine neue Stelle. «Sie wurden sofort angefragt, als man wusste, dass ich aufhöre.» Das freut Schurtenberger besonders.

Gratiskultur als Herausforderung

Der Storchen, so die Wirtin, war ein Luzerner Treffpunkt, der besonders gerne von den über 50-Jährigen frequentiert wurde. «Das hat sicher mit dem Angebot zu tun, denn grünen Wodka oder auch Red Bull gab es bei mir nie.» Dafür führte sie den Zweifranken-Espresso an der Bar ein. Die Wirtin war stets um moderate Preise bemüht: «Trotzdem hat es immer wieder Gäste gegeben, die zum Wein noch etwas gratis wollten oder reklamierten, dass er zu teuer sei. Solche Gäste überlegten nicht, was hinter einem Glas Wein noch für Arbeit und Aufwand steckt. Sie vergessen die Personalkosten, die Miete, den Strom, die Versicherungen und, und, und...»

Es sei nun mal nicht das gleiche, wie wenn man sich zu Hause ein Glas Wein einschenke. «In der Boutique erwartet man ja den Gürtel auch nicht zu den Hosen gratis dazu.» Im Verlauf der Jahre hätten sich aber nicht nur die Gewohnheiten der Gäste geändert, sondern auch Auflagen, die immer komplexer wurden. Schurtenberger betont aber, dass sie mit dem Storchen gut leben konnte. Sie wünscht sich, dass er im gleichen Stil weitergeführt wird: «Ich bin zuversichtlich, dass der Storchen wieder zum Luzerner Treffpunkt wird.»

Wer das Lokal übernimmt, ist noch unklar. Diverse Gespräche sind aber am Laufen. Klar indes ist, dass Schurtenberger erst mal Pause macht und auf Reisen geht. Lange bleibt sie der Gastronomie nicht fern. «In Hochdorf werde ich die Geschäftsführung für eine Weinbar übernehmen. Doch die wird erst noch gebaut.»

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