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Stadt Luzern: Immer weniger Senioren gehen ins Heim – aber 2040 kommen die Babyboomer

Die Altersbetreuung verändert sich rasant: In der Stadt Luzern explodiert der Bedarf an Spitex-Leistungen förmlich. Gleichzeitig braucht es immer weniger Pflegebetten. Doch der Rückgang ist nur vorübergehender Natur.
Robert Knobel
Die Spitex wird in der Betreuung von Senioren immer wichtiger. (Symbolbild: Keystone)

Die Spitex wird in der Betreuung von Senioren immer wichtiger. (Symbolbild: Keystone)

Die Bevölkerung wird immer älter – ganz besonders in der Stadt Luzern. Sie gehört zusammen mit Basel und Schaffhausen zu den Städten mit dem höchsten Anteil an über 65-jährigen Einwohnern, nämlich 21 Prozent. Dieser Wert wird sich in Zukunft noch erhöhen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es viel mehr Plätze in den Alters- und Pflegeheimen braucht. Denn hochbetagte Personen nehmen immer seltener stationäre Pflegeangebote in Anspruch. So ist etwa der Anteil der über 80-jährigen Stadtluzerner, die in einem Heim leben, innert zehn Jahren von 27,3 auf 24,3 Prozent gesunken:

Anteil der über 80-Jährigen, die in einem Heim leben

Stadt Luzern
2006200720082009201020112012201320142015201622232425262727,327,324,324,3

Noch liegt die Auslastung der insgesamt 1300 Pflegebetten in der Stadt Luzern weit über 90 Prozent. Schon im Jahr 2025 könnte aber ein deutliches Überangebot an Pflegeplätzen herrschen. Das zeigt der aktuelle Planungsbericht «Pflegeversorgung», den der Stadtrat am Dienstag vorgestellt hat. Damit hat sich die Situation innert weniger Jahre radikal verändert. «Heute muss niemand mehr Angst haben, in der Stadt kein Pflegebett zu erhalten», sagt der städtische Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Noch vor zehn Jahren sei dies ganz anders gewesen, die Senioren mussten teils sogar in andere Gemeinden ausweichen, weil die städtischen Heime voll waren.

Heime sollen ihre Bettenzahl reduzieren

Die Stadt selber will keine direkten Massnahmen zur Reduktion des Überangebots einleiten. Denn dies liege in der Verantwortung der Heime selber, betont Paolo Hendry, Leiter der städtischen Abteilung Alter und Gesundheit. Der Kanton macht zwar Vorgaben bezüglich der maximalen Anzahl Pflegebetten, doch die Heime sind frei darin, das Angebot zu reduzieren. Paolo Hendry erwähnt beispielsweise die Möglichkeit, bisherige Zweibettzimmer nur noch mit einer Person zu belegen – was ohnehin dem Zeitgeist entspricht. Zudem könnten Pflegezimmer auch zu Wohnungen mit Dienstleistungen umgebaut werden. Ein städtisches Überangebot könnte aber auch die teilweise Unterversorgung in anderen Gemeinden ausgleichen.

Ohnehin ist der aktuelle Rückgang der Nachfrage nach Pflegebetten nur vorübergehend. Denn ab 2040 werden die Babyboomer ins pflegebedürftige Alter kommen. Dann wird der Bedarf an Pflegebetten allein schon aufgrund der grossen Zahl dieser Altersgruppe wieder ansteigen.

Während im Moment der Bedarf an stationären Pflegeplätzen eher rückläufig ist, findet anderswo ein geradezu explosives Wachstum statt. Bei der ambulanten Pflege (Spitex) wird für 2025 ein jährlicher Bedarf von rund 550'000 Stunden erwartet. Das ist zweienhalb Mal mehr als im Jahr 2016 und das Fünffache von 2010. Insbesondere die privaten Spitex-Organisationen haben seit 2010 enorm zugelegt. War die öffentliche Spitex Stadt Luzern damals noch klar dominant, sind die Privaten heute für mehr als 50 Prozent der Betreuungsstunden zuständig.

Spitex in der Stadt Luzern

Anzahl Stunden pro Jahr (in Tausend)
Prognose (2025)
201020112012201320142015201620250100200300400500

Auch bei den Angeboten Wohnen mit Dienstleistung wird ein massives Wachstum erwartet. Prognosen seien zwar sehr schwierig, schreibt der Stadtrat. Nimmt man aber die Erfahrungen aus städtischen Kantonen als Grundlage, bräuchte es bis 2025 rund 680 betreute Wohnungen in der Stadt Luzern – doppelt so viele wie heute. Aber auch hier will die Stadt nicht selber aktiv werden, sondern die Entwicklung dem Markt überlassen. Tatsächlich hat beispielsweise die Wohnbaugenossenschaft Littau in der Überbauung Neuhushof altersgerechte Wohnungen erstellt. Die Stadt leistet aber insofern einen Beitrag, als die zugehörige Betreuung von der Spitex Stadt Luzern angeboten wird. Ein ähnliches Projekt ist in der künftigen ABL-Siedlung Himmelrich in der Neustadt geplant: Die ABL baut die Wohnungen, während die Stadt dafür sorgt, dass leicht pflegebedürftige Senioren möglichst lange dort wohnen können. Dazu wurde die Nachbarschaftshilfe «Vicino» ins Leben gerufen. Nach einer Pilotphase soll das Projekt mittels Leistungsvereinbarung verbindlich verankert werden.

Wohnen im Heim soll nicht finanziell belohnt werden

Die Stadt wünscht sich zudem, dass diese Wohnform durch finanzielle Anreize zusätzlich gefördert wird. Konkret geht es um pflegebedürftige Senioren, die Ergänzungsleistungen beziehen. Gemäss heutiger Praxis sind diese nämlich finanziell besser gestellt, wenn sie in einem Heim wohnen. Diesen Fehlanreiz gelte es zu korrigieren, sagt Paolo Hendry. Er plädiert dafür, dies auf nationaler Ebene zu regeln.

Grosse Hoffnungen setzt der Stadtrat auch in die neue Anlaufstelle Alter. Diese ist heute vor allem für die Beratung von Senioren und Angehörigen rund ums Thema Alter zuständig. In Zukunft soll sie aber zu einer eigentlichen Triagestelle weiter entwickelt werden, wo Senioren abgeklärt und dann an geeignete Institutionen oder Dienstleistungen zugewiesen werden.

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