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STADT LUZERN: Industriestrasse: Hier entsteht ein Pionierquartier

Fünf Baugenossenschaften betreten mit der Entwicklung des Areals Industriestrasse Neuland. Die aussergewöhnliche Zusammenarbeit erfordert viele Diskussionen und viel Zeit.
Beatrice Vogel
Das Areal Industriestrasse soll bis 2025 etappenweise neu überbaut werden. Die Brache hinten rechts wird zudem bald zwischengenutzt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. März 2016))

Das Areal Industriestrasse soll bis 2025 etappenweise neu überbaut werden. Die Brache hinten rechts wird zudem bald zwischengenutzt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. März 2016))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die Luzerner Industriestrasse: ein Areal von 8700 Quadratmetern, das teilweise überbaut ist, eine 40-jährige Zwischennutzung hinter sich hat, und fünf Wohnbaugenossenschaften, die es gemeinsam entwickeln und überbauen wollen. Dabei sollen Anwohner und bisherige Nutzer des Areals grosses Mitspracherecht haben. Mit diesem Vor­haben wird Neuland betreten.

Allein die Tatsache, dass fünf Genossenschaften, die alle eigene Vorstellungen und Ausrichtungen haben, so eng zusammenarbeiten, ist eine Herausforderung. So möchte die Liberale Baugenossenschaft Sternmatt-Tribschen (LBG) zu 80 Prozent Familienwohnungen, das Wohnwerk will mehrere Atelierwohnungen sowie eine Gästepension, und die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Industriestrasse (GWI) will eine möglichst grosse Vielfalt an Wohnräumlichkeiten, von der Gross-WG bis zu Kleinwohnungen. Die Allgemeine Baugenossenschaft (ABL) sowie die Wogeno möchten beide hauptsächlich Familien- und Kleinwohnungen. Daneben gibt es die IG Industriestrasse als sechste Partnerin, die ebenfalls in Entscheidungsprozesse eingebunden ist.

Alle haben gleich viel Mitspracherecht

Organisatorisch ist die Zusammenarbeit klar geregelt. Unter dem Namen Kooperation Industriestrasse Luzern wurde eine Verwaltung geschaffen, in der jede Genossenschaft einen Vertreter hat. Zudem schickt jede zwei Mitglieder in die Delegiertenversammlung des Verbands. Die Genossenschaften haben alle gleich viel Mitspracherecht, egal welchen Anteil sie zum Inves­titionsvolumen von geschätzt 83 Millionen Franken beisteuern. Zudem wurde eine Geschäftsstelle geschaffen, welche die Planung des Projekts koordiniert. Funktioniert dieses Konstrukt, oder verderben zu viele Köche den Brei?

Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass durch die Kooperation ein nachhaltiger, gemeinnütziger Wohn-, Arbeits- und Kulturraum entsteht. Allerdings sei die Entwicklung des Areals ein «aufwendiger Prozess», sagt Geschäftsleiterin Edina Kurjakovic. Anders als bei nur einem Investor benötige die Kooperation einiges mehr an Diskussion. So werden die einzelnen Planungsschritte nicht nur innerhalb der Verwaltung diskutiert, sondern auch in den Genossenschaften, in denen teilweise Workshops durchgeführt werden. Kurjakovic: «Dadurch braucht der Planungsprozess mehr Zeit.»

Ein ganzes Jahr «Dialogphase»

Seit dem ersten Investorenwettbewerb für das Areal sind nun knapp sieben Jahre vergangen. Dieser wurde wegen der Volks­initiative «Ja zu einer lebendigen Industriestrasse», die 2012 angenommen wurde, ungültig. 2015 erhielt die Kooperation den Zuschlag für die Entwicklung des Areals, 2016 wurde der Baurechtsvertrag unterschrieben.

Derzeit sind 13 Architekturbüros mit dem Wettbewerb beschäftigt. Anschliessend wird aber nicht einfach ein Projekt ausgewählt – auch hier geht die Kooperation einen neuen Weg, inklusive halböffentlicher Jurierung: Ein Team erhält den Zuschlag für das Städtebau- und Aussenraumkonzept, zwei bis fünf weitere Teams werden für die einzelnen Genossenschaften die Gebäude planen. Der Gedanke dahinter ist, dass ein zusammenhängendes Projekt entsteht, in dem trotzdem jede Genossenschaft die Gebäude nach ihren Vorstellungen realisieren kann. Dafür ist nach dem Wettbewerb eine einjährige «Dialogphase» eingeplant. In dieser Zeit sollen sich Architektenteams und Genossenschaften austauschen.

Punktuell sollen dann Nachbarn und bisherige Nutzer mit­reden können. «Wenn konkrete Projekte vorliegen, ist es einfacher, die verschiedenen Interessengruppen direkt zu involvieren», so Kurjakovic. Um diese Schritte zu planen, werden Fachpersonen hinzugezogen – etwa aus der sozialen Arbeit. «Die Partizipation der Bevölkerung soll auf allen Stufen erfolgen, auch im Betrieb der Siedlung. Die Bewohner sollen beispielsweise die Umgebung gestalten können, weshalb der Aussenraum teilweise nicht fixfertig geplant wird.»

Nach der Dialogphase soll 2020 der Gestaltungsplan ein­gereicht werden. Vorgesehen ist, dass von 2021 bis 2023 ein erster Teil des Areals überbaut wird, von 2023 bis 2025 soll die zweite Etappe erfolgen.

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