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Crêpes-Verkäufer am Luzerner Nationalquai gibt seinen Stand auf – weil der Boden plötzlich der Stadt gehört

Jahrzehntelang glaubte die SGV, dass der Schiffsteg am Nationalquai ihr gehört – bis die Stadt Luzern einen Kaufvertrag aus dem Jahr 1888 zückte. Die «neue» Eigentümerin ist mit ein Grund, dass der dortige Crêpes-Stand Ende Jahr schliesst.
Julian Spörri
Benno Knüsel bei seinem Crêpestand beim National-Quai in Luzern. (Bild Dominik Wunderli, 29. Juni 2019)

Benno Knüsel bei seinem Crêpestand beim National-Quai in Luzern. (Bild Dominik Wunderli, 29. Juni 2019)

Der Landesteg 10 am Nationalquai vis-à-vis des Musikpavillons: Über Jahrzehnte hat die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) den Steg als Anlegestelle für Extrafahrten gebraucht. Das Unternehmen ging immer davon aus, dass der öffentlich zugängliche Steg ihr gehöre. «Die SGV untersucht alle vier Jahre ihre Stege. Im Herbst 2016 haben wir bemerkt, dass der Landesteg sanierungsbedürftig ist – weswegen wir auf die Stadt Luzern zugegangen sind», sagt Martin Wicki, Delegierter für Sonderprojekte der SGV. Die Stadt habe im Rahmen ihrer Abklärungen festgestellt, dass sie den Steg selber besitzt – und konnte dies mit einem Kaufvertrag aus dem Jahr 1888 belegen.

Neue Eigentümerin löst Vertrag auf

Ebenfalls genutzt wurde der Landungssteg 10 von Crêpier Benno Knüsel (59). Seit zehn Jahren verkauft er dort seine Crêpes. Den Platz für seinen Verpflegungsstand hatte der Küssnachter von der SGV gepachtet. Dieser Vertrag wurde infolge der neu bekannten Eigentümerschaft aufgelöst. Dazu schreibt die Stadt Luzern in einer schriftlichen Stellungnahme: «Da die Verhandlungen zwischen der SGV und der Stadt für eine verbindliche Regelung nicht zum Erfolg führten, wurde der Vertrag für den Crêpes-Stand mit der SGV obsolet.» Aktuell gelte eine befristete Bewilligung der Stadt zur Nutzung des Stegs für den Crêpes-Stand.

«Die Nachricht über die neuen Besitzverhältnisse kam für mich sehr überraschend», sagt Knüsel. Noch bis Ende Juli verkauft der Küssnachter wie gewohnt seine Crêpes. Für die verbleibende, bewilligte Mietzeit bis Ende Jahr stellt er die Infrastruktur einer befreundeten Familie zur Verfügung. Wieso er für die Zeit danach nicht ein Gesuch bei der Stadt Luzern stellt? «Ich habe ein neues Projekt auf der Seebodenalp gefunden und möchte meine Kräfte dafür einsetzen.» Knüsel hat ein Alpbeizli mit 45 Innen- und 100 Terrassenplätzen gepachtet. Im Vergleich zum Crêpes-Stand sieht er darin durchaus Vorteile: «Für dieselben Kosten habe ich jetzt ein ganzes Haus mit fliessendem Wasser und deutlich mehr Infrastruktur.»

Stadt Luzern: Verwaltungsinterne Abklärungen laufen

Knüsel sagt, dass er sich zwei Jahre lang intensiv um eine Weiterarbeit auf dem Steg bemüht habe. «Mein Vorschlag für die Kostenaufteilung der Sanierung wurde von der Stadt Luzern abgelehnt. Im Gegenzug für ein Bleiberecht wäre ich bereit gewesen, einen grösseren Teil der Kosten für die Sanierung zu bezahlen als die SGV und die Stadt Luzern.» Die Stadt Luzern vermeldet, dass derzeit verwaltungsinterne Abklärungen laufen würden. «Der Stadtrat wird in der zweiten Jahreshälfte über den zukünftigen Umgang mit dem Landesteg entscheiden.»

Benno Knüsel war zehn Jahre lang eine Institution am Quai.

Benno Knüsel war zehn Jahre lang eine Institution am Quai.

Knüsel macht der Stadt Luzern keine Vorwürfe. Er habe mit der Stadt immer kommunizieren können. Das Problem ortet Knüsel vielmehr in der heutigen Gesellschaft:

«Heute wird oft nur noch mit dem Gesetz im Hinterkopf entschieden und darauf geachtet, keine Fehler zu machen.»

So würden Gefahren eliminiert, aber Chancen blieben auf der Strecke. Darauf erwidert die Stadt Luzern: «Der öffentlichen Raum im Zentrum der Stadt wird immer stärker beansprucht, was sich mit einer Zunahme von Nutzungsinteressen und Nutzungskonflikten einhergeht. Die Stadt Luzern legt Wert darauf, mit den verschiedenen Nutzungsinteressen fair und rechtsgleich umzugehen.»

Sogar in Delhi kennt man seine Erdbeer-Crêpes

Bennos Crêperie hatte jeweils bei schönem Wetter geöffnet – rund 170 Tage im Jahr. «Das Geschäft ist sehr gut gelaufen und ich konnte davon leben», blickt Knüsel zurück. Der direkte Draht zu seiner Kundschaft habe ihm besonders gefallen:

«Die Menschen sehen mich als Bezugspunkt. Sie wechseln mit mir ein paar Worte – und erzählen auch von ihren Sorgen.»

Positive Rückmeldungen für sein Schaffen erhalte er viele. «Ein älteres Paar aus Australien hat mir gesagt, dass der Aufenthalt an meinem Crêpes-Stand der tollste Moment auf der dreiwöchigen Europareise gewesen sei». Und ein Inder sei gekommen, weil ihm meine Erdbeercrêpe am Flughafen in Delhi empfohlen wurde. «Solche Begegnungen waren für mich sehr bereichernd», sagt Knüsel.

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